Süddeutsche Zeitung

US-Wahl:Trumps wütende Männer

Lesezeit: 3 min

Von Sacha Batthyany, Washington

Während des Wahlkampfes war Jeff Sessions einer der leidenschaftlichsten Fürsprecher Donald Trumps im Kongress. Jetzt wird der rechtskonservative Senator aus Alabama belohnt und soll neuer Justizminister werden. Neben Steve Bannon, Trumps Chefstrategen im Weißen Haus, ist das eine weitere, sehr umstrittene Personalentscheidung.

Der Senator, ein Abtreibungsgegner und Waffenbefürworter, sah sich im Laufe seiner langen Karriere immer wieder mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Über den Ku-Klux-Klan sagte er: "Ich fand sie ganz okay, bis ich erfuhr, dass sie Marihuana rauchen." Heute bezeichnet Sessions diesen Satz als "Witz."

Nationaler Sicherheitsberater: General Flynn

Als neuer Leiter des Auslandsgeheimdienstes CIA sei Mike Pompeo, Abgeordneter aus Kansas, vorgesehen. Pompeo hat sich in den vergangenen Monaten vor allem als Hillary-Clinton-Kritiker ausgezeichnet und ihr "schweres Vergehen" in Libyen und in der E-Mail-Affäre vorgeworfen.

Schon am Donnerstag wurde bekannt, dass Trump den pensionierten General Michael Flynn zu seinem nationalen Sicherheitsberater machen will. Flynn war von 2004 bis 2007 in Afghanistan und dem Irak stationiert und schrieb das Buch "Field of Fight" über den globalen Krieg gegen den "radikalen Islam".

Seit 2014 tritt er als Experte im staatlichen russischen TV-Sender Russia Today auf, wo er sich für eine enge Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" starkmacht. Im Unterschied zu Trump lehnt Flynn jegliche Art von Folter ab. Trump hatte im Wahlkampf die Foltermethode des "Waterboarding" als "geeignetes Mittel im Kampf gegen den Terrorismus" gepriesen.

Treffen zwischen Romney und Trump steht offenbar bevor

Bislang schart der designierte US-Präsident Trump lauter ältere, wertkonservative und weiße Männer um sich. Und noch sind einige Kabinettsposten zu vergeben. Vor allem über den neuen Außenminister wird in den Medien heftig spekuliert. Donald Trump soll sich gemäß Medienberichten am Sonntag mit Mitt Romney treffen.

Romney warf Trump über Monate vor, er würde mit seinen verbalen Ausfällen Rassismus, Bigotterie und Frauenhass befeuern und galt bis zuletzt als einer seiner schärfsten Kritiker. Die Differenzen aber, so wird einer von Romneys Sprechern zitiert, seien überwunden. Nun soll Romney gute Aussichten auf das Amt des Außenministers haben.

Erstes Treffen mit ausländischen Regierungschef im Trump-Tower

David Axelrod, Barack Obamas Chefberater, zeigte sich über das Rätselraten um Trumps Regierungsmannschaft verärgert und forderte Geduld. Er wies darauf hin, dass Obama viele wichtige Ämter erst im Dezember vergab. "Lasst dem Mann doch Zeit, sich zu entscheiden", sagte er.

Der Mann, also Trump, traf sich derweil in seinem Trump-Tower mit dem japanischen Premier Shinzo Abe. Es war das erste Treffen des designierten US-Präsidenten mit einem ausländischen Regierungschef. Natürlich sind jetzt viele Gespräche ein Novum. Trump telefonierte etwa am Freitag mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Beide seien sich einig über die fortwährende Bedeutung der Nato gewesen, teilte die Nato am Abend mit. Trump und Stoltenberg hätten übereingestimmt, dass es Fortschritte bei einer gerechteren Verteilung der Lasten gegeben habe, es bleibe aber noch mehr zu tun. Im Wahlkampf hatte Trump gedroht, Europas Verbündete im Stich zu lassen, falls sie nicht genug für ihre Verteidigung ausgäben. Am Donnerstag hielt sich ebenfalls der Botschafter Israels in den USA, Ron Dermer, in Trumps Gebäude an der 5th Avenue auf. Er bezeichnete den künftigen Präsidenten der USA als "wahren Freund Israels" und erwähnte explizit auch Steve Bannon, Trumps Chefstrategen. Bannon verantwortete bis vor kurzem die rechtskonservative Webseite " Breitbart News", die unter Dauerkritik stand, antisemitische Inhalte zu veröffentlichen. Dermer sagte, er freue sich auf die Zusammenarbeit. Bei dem Treffen mit Abe war auch Trumps Schwiegersohn anwesend. Jared Kushner, 35, der Mann von Trumps Tochter Ivanka, wird von US-Medien nur noch der "Trump-Flüsterer" genannt. Er soll Trump in Personalfragen beraten und im Weißen Haus eine wichtige Rolle als Berater einnehmen.

Kushner ist ebenfalls Immobilienunternehmer. 2007 wickelte er den Kauf eines Gebäudes an der Fifth Avenue in New York ab. Es war bis zu diesem Zeitpunkt der teuerste Immobiliendeal in der Geschichte des Landes - 1,8 Milliarden Dollar. Kushner gilt als gemäßigt und besonnen und als sehr ehrgeizig. "Er ist eine Wohltat neben all den alten und wütenden Männern in Trumps Kabinett", schrieb das Wochenmagazin The New Yorker. "Gut möglich, dass wir in zehn Jahren, wenn dieser ganze Spuk vorbei ist, nur noch über Kushner sprechen werden."

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SZ vom 19.11.2016
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