Süddeutsche Zeitung

Österreich im Ukraine-Konflikt:Obst essen gegen Putin

Einen Apfel pro Woche zusätzlich: Nach den Polen sollen jetzt auch die Österreicher mehr Äpfel essen, fordert ihr Landwirtschaftsminister. Die Aktion richtet sich gegen Russland. Doch den Hashtag zum Apfel verschmähen die Bürger.

  • Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter fordert die Österreicher auf, mehr Äpfel zu essen. Das Ziel: ein Zeichen gegen Russlands Import-Verbot setzen.
  • Zuletzt hatten zahlreiche Polen mit dem Slogan "Iss Äpfel gegen Putin!" auf die Sanktionen in der Ukraine-Krise reagiert und Bilder in sozialen Netzwerken gepostet, die sie beim Obstverzehr zeigen.
  • Twitter-Nutzer aus anderen europäischen Ländern folgen dem Beispiel.

Österreicher sollen mehr Äpfel essen

Wirtschaftssanktionen der EU und der USA sollten Russlands Präsident Wladimir Putin für seine Ukraine-Politik treffen. Als Reaktion verhängte Russland ein Importverbot für Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte aus dem Westen - was erneut eine Gegenreaktion auslöste, diesmal in den sozialen Netzwerken. Unter dem Hashtag #EatApples posten Twitter-Nutzer Bilder von sich mit Äpfeln. Um den Überschuss durch die nicht mehr nach Russland exportierten Früchte zu kompensieren, müsse mehr Obst gegessen werden, so der Gedanke. Aus dem englischen Sprichwort "an apple a day keeps the doctor away" wurde schnell "an apple a day keeps Putin away".

Diesen Trend greift nun die österreichische Regierung auf und fordert ihre Bürger auf, mehr Äpfel zu essen. Hier lautet die Forderung: Zwei Äpfel statt einem. Die Einbußen der österreichischen Obstbauern wegen des russischen Import-Verbots sollen gezielt durch verstärkten heimischen Apfel-Verzehr gemildert werden. "Wenn jeder einen Apfel pro Woche mehr isst, dann können wir diesen Marktausfall im Obst- und Gemüsebereich schließen", sagte Österreichs Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) im Ö1-Morgenjournal.

Auch Kliniken, Gastronomie und Großküchen sollten regionalen Lebensmitteln den Vorzug geben, sagte Rupprechter weiter. Auf Twitter forderte Rupprechter dazu auf, den zweiten gekauften Apfel zu verschenken und ging mit einem Bild von sich selbst und gutem Beispiel voran.

Rupprechters Vorschlag wurde mit gemischten Reaktionen aufgenommen. Während die einen die Initiative lobten, auch hinsichtlich einer gesunden Ernährung, kritisierten andere den politischen Apfel-Verzehr. Auch der von Rupprechter lancierte Hashtag #ÖApfel fand zunächst keine große weitere Verwendung.

Der bissige Protest kommt aus Polen

Der Vorschlag des österreichischen Landwirtschaftsministers lehnt sich an den Obst-Protest aus Polen an. Dort hatten zuletzt zahlreiche Menschen mit dem Slogan "Iss Äpfel gegen Putin!" und dem Twitter-Hashtag #jedzjablka oder der englischsprachigen Version #EatPolishApples auf die Strafmaßnahmen Russlands reagiert. Die Polen auf den geposteten Fotos beißen größtenteils fröhlich lachend in ihre Äpfel.

Polnische Obstbauern könnten durch Russlands Importstopp tatsächlich größere Verluste erwarten. Das Land ist der größte Apfel-Exporteur der Welt, Russland ein wichtiger Abnehmer. Gegen das Einfuhrverbot will sich Polen darum mit einer Klage bei der Welthandelsorganisation WTO wehren. Die polnische Botschaft in Wien unterstützt nun den österreichischen Apfel-Aufruf:

Weitere Länder schließen sich an

In Polens Nachbarland Litauen schlossen sich einige Menschen dem symbolischen Protest an und versammelten sich zum demonstrativen Apfelessen vor der russischen Botschaft in Vilnius.

In Belgien konzentriert man sich auf eine andere Obstsorte: Hier posten zahlreiche Twitterer unter #ShareAPear Selfies mit Birnen und demonstrieren so ihre Solidarität mit den örtlichen Bauern. Auch bei den Belgiern lautet die Botschaft: Wenn Putin unser Obst verbannt, dann essen wir es eben selbst.

Mit Material von dpa.

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