Süddeutsche Zeitung

Geberkonferenz für die Ukraine:Selenskij warnt vor Atomkatastrophe

Lesezeit: 2 min

Ukrainischer Präsident: Russland hält AKW als "Geisel". Geberstaaten einigen sich in Kopenhagen auf Waffenlieferungen für die Ukraine und die Ausbildung ukrainischer Soldaten.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

Die Ukraine kann bald mit mehr Hilfe rechnen. Bei einer Geberkonferenz in Kopenhagen einigten sich 26 Teilnehmerländer auf eine zusätzliche Summe von 1,5 Milliarden Euro, die sie für Waffenlieferungen und die Ausbildung ukrainischer Soldaten ausgeben wollen. Das sagte der dänische Verteidigungsminister Morten Bødskov auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat die Welt zu Beginn der Konferenz vor einer neuen atomaren Katastrophe "schlimmer als Tschernobyl" gewarnt. In einer Videoansprache zur Eröffnung der Geberkonferenz für die Ukraine sagte Selenskij, Russland sei ein "Terrorstaat", der das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja "als Geisel" halte und die internationale Gemeinschaft "mit einer nuklearen Katastrophe erpresst". Gemeinsam müsse man Europa vor dieser Bedrohung schützen. Der staatliche ukrainische Energiekonzern meldete am Donnerstag einen erneuten Beschuss des Atomkraftwerks. Die Ukraine und Russland gaben sich dafür gegenseitig die Schuld. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, sagte am Donnerstag bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, es bestehe vorläufig "keine unmittelbare Bedrohung der Sicherheit" des Kraftwerks, dies könne sich jedoch "jederzeit ändern".

Selenskij forderte zusätzliche Militärhilfe für die Ukraine und plädierte für neue Sanktionen "ohne Schlupflöcher" gegen Russland. "Je früher wir Russland stoppen, umso früher können wir uns sicher fühlen", sagte er. Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow sagte vor Beginn der Konferenz, ganz oben auf der ukrainischen Wunschliste stünden im Moment Kampfflugzeuge: "Zuallererst brauchen wir Kampfflieger. An nächster Stelle steht die Minenräumung."

Eingeladen hatte Dänemark gemeinsam mit Großbritannien und der Ukraine

Bei dem Treffen in Kopenhagen sollte es auch um langfristige Unterstützung gehen, die den kommenden Winter im Blick hat. Eingeladen hatte Dänemark gemeinsam mit Großbritannien und der Ukraine. Einige Länder wurden von ihren Verteidigungsministern vertreten, für Deutschland war der für Rüstung zuständige Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Benedikt Zimmer, vor Ort. Die Gastgeberin und dänische Premierministerin Mette Frederiksen sagte, man wolle die Unterstützung für die Ukraine "verstärken": "mit Waffen, mit Ausbildung, bei der Minenräumung und mit Geld". Im April hatten sich die Geberländer schon einmal zu einer Konferenz auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein getroffen.

Dänemark selbst hatte am Mittwoch schon weitere Hilfen in Höhe von umgerechnet knapp 110 Millionen Euro angekündigt. Außerdem erklärte das Land, bei der Ausbildung ukrainischer Soldaten helfen zu wollen. 130 dänische Ausbilder sollen zu diesem Zweck nach Großbritannien reisen, um dort an einem entsprechenden britischen Programm teilzunehmen. Gleichzeitig sollen ukrainische Ausbilder auch in Dänemark selbst trainiert werden. In Deutschland werden ukrainische Soldaten seit Mai am Waffensystem der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet. Wie das Verteidigungsministerium am Mittwoch per Twitter mitteilte, sind drei zusätzlich versprochene Panzerhaubitzen 2000 inzwischen in der Ukraine eingetroffen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5638133
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/freu
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.