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Regierungskrise in Großbritannien:David Cameron ist neuer britischer Außenminister

Premier Sunak baut sein Kabinett um. Innenministerin Braverman ist nach ihren Äußerungen zu propalästinensischen Demos ihr Amt los - Nachfolger wird der bisherige Außenminister Cleverly.

Der frühere britische Regierungschef David Cameron ist zum neuen Außenminister seines Landes ernannt worden. Das teilte der Regierungssitz 10 Downing Street in London am Montag mit.

Camerons Personalie ist die spektakulärste in einem größeren Umbau im britischen Kabinett. Zuvor hatte Premier Rishi Sunak seine Innenministerin Suella Braverman entlassen, ihr folgt James Cleverly nach, der zuvor Außenminister war. Sunak kämpft angesichts miserabler Umfragewerte und einer für kommendes Jahr anstehenden Parlamentswahl um sein politisches Überleben. Eine Kabinettsumbildung war schon seit Längerem erwartet worden.

Cameron war von Mai 2010 bis Juli 2016 Premierminister des Vereinigten Königreichs. Der heute 57-Jährige konservative Politiker trat zurück, nachdem die Briten in dem von ihm anberaumten Referendum für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gestimmt hatten. Cameron hatte damals für den Verbleib seines Landes in der EU geworben.

Er habe das Angebot für den Posten des Außenministers gerne angenommen, schreibt Cameron auf X. Die internationalen Herausforderungen vom Krieg in der Ukraine bis zur Krise im Nahen Osten seien überwältigend. "Obwohl ich in den letzten sieben Jahren nicht mehr an vorderster Front in der Politik tätig war, hoffe ich, dass meine Erfahrung mir helfen wird, den Premierminister bei der Bewältigung dieser wichtigen Herausforderungen zu unterstützen", so Cameron.

Rücktritt des Bildungsministers

Bildungsminister Nick Gibb ist derweil von seinem Amt zurückgetreten. Er wolle nach den Parlamentswahlen eine diplomatische Funktion übernehmen und habe Sunak gebeten, ihn von seinem Posten zu entlassen und der habe zugestimmt, schreibt er auf der Plattform X. Er veröffentlichte auch seine Rücktrittserklärung.

Innenministerin Braverman war in den vergangenen Tagen heftig kritisiert worden, nachdem sie sich zu den propalästinensischen Kundgebungen in Großbritannien geäußert hatte. Sie bezeichnete die Demonstranten als "Mob" und sprach von "Hassmärschen". Zudem beschuldigte sie die Polizei, der sie qua Amt vorsteht, mit linken Demonstranten freundlicher umzugehen als mit rechten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Braverman aus dem Amt scheidet. Bereits unter Sunaks Vorgängerin Liz Truss war sie Innenministerin und verließ auf deren Drängen den Posten: Sie soll geheime Regierungsdokumente über ihre private E-Mail-Adresse weitergeleitet haben.

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