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Coronavirus in Deutschland:Corona-Tests am Flughafen Tegel nach Übergriff abgebrochen

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Nach einem tätlichen Angriff auf einen Mitarbeiter wurde die Corona-Teststelle am Berliner Flughafen Tegel am Sonntag vorzeitig geschlossen. Das teilte Charité-Vorstand Ulrich Frei am Abend mit. Zu dem Zwischenfall sei es gekommen, nachdem zuvor einer Person ein Test verweigert worden war, da diese keinen Anspruch auf einen kostenlosen Test gehabt habe. "Die Situation eskalierte leider", erläuterte Frei. Die Teststation habe deshalb um 18 Uhr statt um 21 Uhr geschlossen. "Als Vorstand Krankenversorgung ist es meine Aufgabe, mich schützend vor die am Sonntag freiwillig arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stellen", verteidigte Frei die Schließung. Am Montag soll der Betrieb wieder regulär von 8 Uhr bis 21 Uhr aufgenommen werden. Die Flughafengesellschaft wies darauf hin, dass Tests für Einreisende nicht nur am Flughafen möglich seien. Diese könnten auch in Vertragsarztpraxen gemacht werden.

Seit dem 8. August sind Tests für Einreisende aus Riskiogebieten nach einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums verpflichtend. Solange kein negatives Testergebnis vorliegt, müssen sich Einreisende aus Risikogebieten in Quarantäne begeben. Fällt der Test positiv aus, ist eine zweiwöchige Quarantäne in jedem Fall notwendig.

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Spahn nennt Partyurlaub "unverantwortlich"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Reisewarnung für Spanien mit Ausnahme der Kanaren gerechtfertigt. Er wisse, "wie sehr die Deutschen Spanien als Urlaubsland lieben" - und "was diese Entscheidung für viele Urlauber, für Reisebüros oder auch für Spanien bedeutet". Doch der Anstieg der Infektionszahlen sei "stark, zu stark", sagte der CDU-Politiker der Bild am Sonntag laut Vorabbericht. Wer trotz dieser Warnung in die Risikogebiete fahre, solle sich und andere auch im Urlaub schützen: "Partyurlaub ist in dieser Pandemie unverantwortlich." Er verwies auf die geltenden Regelungen: Wer nun aus dem Spanienurlaub komme, müsse in Quarantäne, solange kein negatives Testergebnis vorliege.

Zustimmung zur Einstufung von Spanien samt der Balearen kommt etwa von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: "Mallorca ist inzwischen klar ein Risikogebiet", so der Politiker in der Rheinischen Post, man müsse "leider mit vielen infizierten Rückkehrern rechnen." Die Pflichttests nach der Rückkehr seien daher "unbedingt notwendig".

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands werden alle Veranstalter geplante Reisen zu den von der Reisewarnung betroffenen Zielen absagen. Bereits am Freitagabend hatte zum Beispiel Tui angekündigt, ab Samstag sämtliche Pauschalreisen nach Spanien mit Ausnahme der Kanaren zu streichen. "Das werden sie jetzt bei allen Reiseveranstaltern sehen", sagte DRV-Sprecher Torsten Schäfer. Die Absagen würden "erstmal von Woche zu Woche" erfolgen, um abzuwarten, ob die Reisewarnung nicht bald wieder aufgehoben werde.

Derzeit halten sich nach DRV-Angaben allein auf den Balearen etwa 30 000 deutsche Pauschaltouristen auf, wohl mehr als 90 Prozent von ihnen auf Mallorca. Allerdings gebe es noch keinen Überblick darüber, wie viele Urlauber in den nächsten Tagen vorzeitig abreisen wollten. Auf den vom Tourismus abhängigen Balearen wächst derweil die Angst vor einem wirtschaftlichen Absturz. Als einen "tödlichen Schlag" bezeichnete die Zeitung Diario de Mallorca die Reisewarnung für die Inseln. Damit hätten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet.

Brandenburgs Ministerpräsident fordert engere Abstimmung zwischen Bundesländern

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat die Länder zu einer engen Zusammenarbeit bei Corona-Regeln aufgerufen und sie vor Profilierungen gewarnt. "Es war sehr wirkungsvoll für Deutschland, dass sich die Länder im März und April sehr eng mit der Bundesregierung abgestimmt haben", sagte der amtierende Bundesratspräsident der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. "Es war die Basis, um so bei uns bisher relativ glimpflich und moderat durch diese Corona-Krise zu kommen."

Der Regierungschef kritisierte jedoch, dass einzelne Länder mit eigenen Vorschlägen nach vorn gingen, nannte aber keine Namen. "Das permanente Vorpreschen mancher Bundesländer hilft aber allen nicht, weil es die Menschen verunsichert und dann die Frage kommt, warum machen die etwas, was die anderen nicht machen", sagte Woidke.

Angesichts steigender Zahlen neuer Corona-Infektionen in Deutschland und auch in Brandenburg hält der Ministerpräsident Lockerungen der bestehenden Einschränkungen derzeit nicht für geboten. "Wir können keine Entwarnung geben", sagte Woidke. Brandenburg hatte die Abstands- und Hygieneregeln in dieser Woche verlängert und eine Maskenpflicht in Schulen eingeführt, die aber nicht in Klassenräumen und Pausenhöfen gilt.

Erneut mehr als 1400 Neuinfektionen

Die Zahl der bekannten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland ist im Vergleich zum Vortag leicht gesunken. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bis Samstagmorgen 1415 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 222 828 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Samstagmorgen im Internet meldete (Datenstand 15.8., 0.00 Uhr). Seit dem Vortag wurden 6 neue Todesfälle gemeldet. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben nun bei 9231. Bis Samstag hatten 200 800 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder. Experten sind besorgt, dass es zu einem starken Anstieg der Fallzahlen kommen könnte, der die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten an Grenzen bringt.

RKI warnt vor Verlust der Kontrolle

Bereits am Freitag meldete das Robert-Koch-Institut mit 1449 Fällen erneut die meisten Neu-Infizierten binnen eines Tages seit Anfang Mai. Damit war am zweiten Tag in Folge die Zahl um mehr als 1400 gestiegen.

"Wir dürfen diese Entwicklung so nicht weiterlaufen lassen", warnte RKI-Vize-Präsident Lars Schaade. Abstand halten, Masken tragen und Hygieneregeln einhalten sei entscheidend. "Anders wird es nicht gehen." Sonst drohe man, die Kontrolle zu verlieren.

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