Süddeutsche Zeitung

Aktuelle Meldungen zum Coronavirus:Inzidenz steigt auf 84,3

Das Robert-Koch-Institut meldet 4749 Neuinfektionen. Mindestens 350 000 im zweiten Quartal verabreichte Dosen tauchen offenbar nicht in der Impfquote des RKI auf.

Das Robert-Koch-Institut meldet 4749 neue Positiv-Tests. Das sind 190 mehr als am Montag vor einer Woche, als 4559 Neuinfektionen gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 84,3 von 83,1 am Vortag. Acht weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl aller seit dem Beginn der Pandemie gemeldeten Todesfälle binnen 24 Stunden auf 91 354. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als vier Millionen Corona-Tests positiv aus. (06.09.2021)

Bericht: Hunderttausende Impfungen wurden nicht gemeldet

Die Zahl der Impfungen in Deutschland ist laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel höher als gedacht. Das gehe aus Erhebungen der Kassenärztlichen Vereinigungen in mehreren Bundesländern hervor. Im zweiten Quartal sind demnach mindestens 350 000 verabreichte Dosen dem Robert-Koch-Institut (RKI) nicht gemeldet worden und tauchen nicht in der bundesweiten Impfquote auf.

Die Praxen erfassen die Impfungen doppelt: einmal über ein Portal des RKI und einmal über ihre Abrechnungssoftware. Bei einem Vergleich dieser Zahlen seien die Differenzen zu Tage getreten. Laut RKI wurden seit Ende des Jahres 2020 mehr als 102 Millionen Dosen verabreicht. Derzeit sind mehr als 61 Prozent aller Einwohner vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Im zweiten Quartal wurden nach RKI-Angaben 61 314 792 Dosen verimpft. Die vom Spiegel genannten 350 000 Dosen wären eine Abweichung von etwa 0,57 Prozentpunkten.

Eine Lücke in den Daten war zunächst in Hamburg bekannt geworden, wo bis Ende Juni etwa 71 000 Impfungen nicht erfasst waren. In Bayern liegt die Lücke dem Bericht zufolge bei etwa 150 000, in Baden-Württemberg und Berlin jeweils bei etwa 50 000 Impfungen. Sachsens Praxen haben etwa 29 000 Impfungen nicht gemeldet. Im Saarland und in Brandenburg gab es dagegen offenbar zusammengenommen etwa 18 000 weniger Impfungen als gemeldet. (05.09.2021)

Spahn: Deutschland will 100 Millionen Impfdosen bereitstellen

Deutschland will bis Jahresende 100 Millionen Impfdosen in der internationalen Corona-Impfkampagne zur Verfügung stellen. "Das ist so viel wie wir bisher auch in unserem Land verimpft haben", sagte Bundesgesundheitsminister Spahn am Rande des G-20-Treffens der Gesundheitsminister in Rom. Ziel sei es, bis zum Ende des Jahres mindestens 40 Prozent der Weltbevölkerung geimpft zu haben. Die Pandemie sei erst vorbei, wenn sie auf der ganzen Welt vorbei sei, sagte der CDU-Politiker. Ansonsten könnten Varianten entstehen, die dann auch Deutschland wieder erreichten und zu Problemen führten.

Beim zweitägigen Treffen der Gesundheitsminister aus den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern ist die Corona-Pandemie ein zentrales Thema. Laut Italiens Gesundheitsminister Roberto Speranza strebt sein Land an, den "Pakt von Rom" zu unterzeichnen, um die Bewohner der ganzen Welt zu impfen. Kein Land könne sich selbst retten und die Impfstoffe seien die Waffe, die man habe. Italien hält derzeit den Vorsitz der G-20-Staaten.

Die Gesundheitsminister wollen weitere Schritte in der Pandemie beraten. Es soll unter anderem um den aktuellen Kampf gegen Covid-19 sowie um künftige Strategien gegen drohende Pandemien gehen. Die Minister sprechen über Wege, wissenschaftliche Erkenntnisse und den Zugang zu Impfstoffen auf der Welt besser und gerechter zu verteilen. Das Ziel sei "eine starke Botschaft der Zusammenarbeit, Solidarität und Gerechtigkeit, unter der Überzeugung, dass niemand abgehängt wird", hieß es von den Veranstaltern in Italien.

Am Rande des Gipfels rief Spahn auch zu mehr Impfungen in Deutschland auf. Um sicher durch die kommenden Monate zu kommen, brauche es "noch fünf Millionen Impfungen und mehr in Deutschland". Nötig sei noch mehr Tempo. Vollständig geimpft sind bisher 50,9 Millionen Menschen oder 61,2 Prozent der Bevölkerung. Der Bundesgesundheitsminister rief noch zögernde Bürger dazu auf, Angebote für Corona-Impfungen möglichst bald wahrzunehmen. "Jetzt im September entscheiden wir darüber, und zwar in Deutschland und Europa, wie sicher wir durch Herbst und Winter kommen."

Spahn betonte, Impfen schütze nicht nur einen selbst, sondern auch andere und insbesondere die Schwächeren in der Gesellschaft. Zugleich gelte es zu sagen: "Wer sich nicht impfen lässt, der wird es an bestimmten Stellen eben auch schwerer haben müssen, einfach weil der Schutz nicht da ist." Er wandte sich erneut gegen eine Impfpflicht, die zu Spaltungen führen würde. Spahn machte deutlich, es gebe aus seiner Sicht nur eine "sehr geringe Zahl" von Menschen, die Impfungen grundsätzlich und hart ablehnten. "Die anderen können und wollen wir erreichen." (05.09.2021)

Mann greift in Thüringen Corona-Impfteam an

Bei einer Corona-Impfaktion im thüringischen Gera ist ein mobiles Impfteam angegriffen worden. Zwei Teammitglieder seien verletzt worden, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit. Die Polizei bestätigte den Vorfall, der sich am Nachmittag in einem Einkaufszentrum ereignete. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) hatte der Mann eine Impfbescheinigung verlangt, wollte sich aber nicht impfen lassen. Als die Mitarbeiter ihm sagten, dass es ohne Impfung keine Bescheinigung gebe, sei der Mann ausgerastet und habe eine medizinische Fachangestellte und einen Helfer verletzt. Sie wurden in einem Krankenhaus behandelt, aber rasch wieder entlassen.

Der Angreifer ließ sich bei der Impfaktion registrieren, so dass seine Daten bekannt waren. Die Polizei stellte ihn nach Angaben eines Sprechers in einem Parkhaus, gegen ihn laufe eine Anzeige, er sei auf freiem Fuß. Laut Polizei soll auch er im Einkaufszentrum leicht verletzt worden sein.

Dem KV-Pandemiestabsleiter zufolge ist es das erste Mal seit Beginn der Impfkampagne, dass ein Impfteam in Thüringen angegriffen wurde. Die Impfaktion wurde daraufhin abgebrochen. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) verurteilte die Tat ebenso wie Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb (parteilos). "Aus der Hetze der Impfgegner werden Taten. Das können wir als Gesellschaft nicht akzeptieren", sagte Werner. (04.09.2021)

Erneut Massenproteste in Frankreich

In Frankreich haben am achten Wochenende hintereinander erneut Zehntausende Menschen gegen die verschärften Corona-Regeln demonstriert. Die quer durch das Land organisierten, insgesamt etwa 200 Demonstrationen richteten sich gegen den von Präsident Emmanuel Macron und der Regierung verlangten Gesundheitspass zum Nachweis von Impfung, Genesung oder negativem Test sowie die Impfpflicht bestimmter Berufsgruppen, darunter Beschäftigte im Gesundheitswesen.

Im südfranzösischen Montpellier sollen laut Präfektur mindestens 6000 Menschen auf die Straße gegangen sein, in Avignon rund 4000. Das französische Innenministerium ging landesweit von bis zu 170 000 Teilnehmern aus. Im Juli und August waren an mehreren Samstagen jeweils mehr als 200 000 Menschen auf die Straße gegangen.

Der in der landesweiten Corona-App speicherbare Gesundheitspass wird mittlerweile unter anderem zum Besuch von Museen, Schauspielhäusern, Kinos, Cafés und Restaurants sowie bei Reisen per Fernzug oder Flugzeug verlangt. In dem Land mit 67 Millionen Einwohnern sind inzwischen zwei Drittel der Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Laut einer am Freitag veröffentlichten Umfrage für die Tageszeitung Le Figaro sind 67 Prozent der Franzosen für die Einführung des Gesundheitspasses. (04.09.2021)

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