Süddeutsche Zeitung

Landwirtschaft im Landkreis:Ernteglück

Die Bauern im Landkreis kommen "mit einem blauen Auge" davon, sagt BBV-Kreisobmann Peter Fichtner. Ihre Ernteeinbußen sind nicht so drastisch wie anderswo. Das liegt am Regen und an der Grünlandwirtschaft.

Die Bauern im Landkreis dürfen sich glücklich schätzen. Zumindest wenn sie ihre Lage mit der vieler Landwirte aus dem nördlichen Bayern oder aus dem Norden und Osten der Bundesrepublik vergleichen. Dort liegen die Ernteeinbußen aufgrund der anhaltenden Dürre in Extremfällen bei 50 bis 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In manchen Regionen Deutschlands hat es seit Monaten kaum oder gar nicht mehr geregnet. Im Landkreis gab es dagegen immer wieder Niederschläge, sind Gewitterschauer niedergegangen. Die Ernteeinbußen fallen hier deshalb bedeutend geringer aus als in anderen Regionen Bayerns.

"Wir kommen mit einem blauen Auge davon", sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Bad Tölz-Wolfratshausen, Peter Fichtner, selbst Landwirt im Nebenerwerb. Und Benedikt Korntheuer von der BBV-Geschäftsstelle in Holzkirchen sagt zur Lage im Landkreis: "Ertragseinbußen grundsätzlich ja, aber nicht so extrem wie anderswo." Besonders die Getreideernte fiel in weiten Teilen Deutschlands in diesem Jahr miserabel aus. Und der Mais steht vielerorts nur mehr als verdörrte Staude auf den Feldern. Ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr meldet der Deutsche Bauernverband in seiner Erntebilanz. In Bayern brach die Getreideernte um fast elf Prozent ein, teilte das Bayerische Landesamt für Statistik mit. Der Freistaat reagierte Anfang des Monats mit Soforthilfen für Landwirte. Bauern, die einen Ertragsrückgang von mindestens 30 Prozent im Futterbau erwarten, werden vom Freistaat unterstützt. Der Bund zog am vorigen Mittwoch nach und lässt Landwirten erstmals seit 2003 wieder Hilfszahlungen zukommen.

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wird aber wohl kein Landwirt die staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen müssen, ist BBV-Kreisobmann Fichtner überzeugt. Jüngste Zahlen zu den Ernteausfällen im Landkreis sind noch nicht erhoben. Wie das Landesamt für Statistik mitteilt, werden die endgültigen Ergebnisse erst im Frühjahr 2019 vorliegen.

Wie stark die einzelnen Bauern von der extremen Trockenheit der vergangenen Wochen betroffen sind, ist in erster Linie abhängig von der Lage ihrer Wiesen und Felder. Grundsätzlich haben Bauern, deren Flächen auf schweren, lehmigen Böden liegen, weniger Probleme mit der Niederschlagsknappheit. Wasser wird von diesen Böden besser gespeichert. Auf dem kiesigen Untergrund der Schotterflächen beispielsweise in Isarnähe versickert es dagegen schneller. Welcher Landwirt wie stark betroffen sei, könne je nach Bodenbeschaffenheit deshalb schon innerhalb einer Gemeinde variieren, erklärt Fichtner.

Neben den regelmäßigen Niederschlägen liegt ein weiterer Grund für die überschaubaren Einbußen im Landkreis in der Grünlandwirtschaft. Ackerbau wird lediglich im nördlichen Landkreis betrieben. Nur knapp zehn Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche sind nach Angaben des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen im Landkreis ackerbaulich genutzt. Der Großteil ist Grünland und für dieses sei der diesjährige Sommer "nicht so tragisch" ausgefallen, sagt Fichtner.

Aufgrund der frühen sommerlichen Witterung haben viele Bauern den ersten Schnitt der Wiesen bereits Ende April eingefahren, knapp zwei Wochen früher als in vergangenen Jahren. Bereits in den Frühjahrsmonaten sei damit ein großer Teil der Futtergrundlage gewonnen worden. Dem frühen Plus steht das Minus durch die Trockenheit der vergangenen Wochen gegenüber. Ein bis eineinhalb Grasschnitte würden den Landwirten deshalb insgesamt fehlen, schätzt Fichtner, und weiter: "Aufs Grünland bezogen werden wir im Landkreis Einbußen im einstelligen Prozentbereich haben."

Auch in der Almwirtschaft hat die Trockenheit ihre Spuren hinterlassen. Ein Bauer aus Bad Heilbrunn etwa habe sein Vieh aufgrund der Dürre der vergangenen Wochen frühzeitig von der Alm holen müssen, erzählt Fichtner. Auf den an einem Südhang gelegenen Weideflächen sei nichts mehr gewachsen, die Tränken für das Vieh blieben trocken.

Akut bereitet den Bauern der Mais Probleme. Aufgrund des fehlenden Wassers hat er aufgehört zu wachsen. Besonders auf sandigen und kiesigen Böden leidet die Futter- und Energiepflanze in diesem Jahr besonders. Auch das Maishäckseln werde daher wohl zwei bis drei Wochen früher als in niederschlagsreichen Jahren stattfinden, sagt Fichtner.

Zusätzlich zu diesen direkten Auswirkungen der Trockenheit dürften die Bauern im Landkreis diese auch indirekt noch zu spüren bekommen. Aufgrund der Missernten wird das Futter knapp, in Teilen Deutschlands werden mehr Kühe geschlachtet. Die Folge: Es ist viel Fleisch auf dem Markt, die Schlachtpreise für die Tiere sinken. Weil aber auch vermehrt Milchkühe geschlachtet werden, steigt auf der anderen Seite der Milchpreis. Regionale Folgen der Dürre haben so überregional Auswirkungen, auch auf die Landwirte im Landkreis.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4106586
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 28.08.2018/cjk
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.