Süddeutsche Zeitung

Straßenbahn:SPD will Tram durch Englischen Garten durchsetzen - notfalls per Klage

  • Die SPD will die Tram durch den Englischen Garten mit Macht durchsetzen - und droht sogar mit einer Klage.
  • Denn das Hauptproblem sei längst gelöst: Moderne Züge könnten die Strecke durch den Park mit Akkus zurücklegen.
  • Oberbürgermeister Reiter ging auf die Klagedrohung seiner eigenen Fraktion nicht ein. Von einer sofortigen Aufnahme der Planung hält er wenig.

Die SPD will die Tram durch den Englischen Garten mit Macht durchsetzen. Sollte sich der Freistaat als Grundeigentümer weiter sperren, drohen die Genossen mit einer Klage. "Unerfreuliche, aber gangbare juristische Schritte" nennt Christian Amlong, der planungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, als Druckmittel, falls Finanzminister Markus Söder (CSU) die Linie weiter blockiere.

Die Verwaltung solle unverzüglich wieder das ruhende Planfeststellungsverfahren vorantreiben. Das Hauptproblem sei nämlich längst gelöst: Moderne Züge können die Strecke durch den Park mit Akkus zurücklegen. Eine Oberleitung, die das Bild des Englischen Gartens massiv beeinträchtigen würde, sei nicht notwendig.

So weit wie die eigene Fraktion will sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nicht vorwagen. Er könne gerne das Gespräch mit Söder suchen, um die Pläne neu zu beleben, sagte er. "Am besten gleich öffentlich und direkt im Englischen Garten, dann kann Herr Söder seine Position erklären." Auf die Klagedrohung ging Reiter nicht ein. Von einer sofortigen Aufnahme der Planung hält er wenig. Ohne das Einverständnis des Freistaats würde unnötig Papier verschwendet, sagte Reiter.

Dieser Linie folgte der Stadtrat. Die Chancen, dass es zu einem Treffen kommt, stehen gut. Wenn die Stadt Bedarf habe, werde er sich nicht verschließen, sagte Söder. Die Chancen, dass er seinen Standpunkt ändert, sind dagegen gering. "Die Tram würde den Grundcharakter des Englischen Gartens verändern", erklärte er. Der Freistaat wolle den Park nicht zergliedern und möglichst wenige Fahrzeuge durchfahren lassen. "Wir wollen eher weniger als mehr Verkehr", sagte Söder.

Demonstrative Unterstützung von den Grünen

Diese Begründung hält die SPD nicht für schlüssig. "So richtig charmant ist der Verkehr mit den Bussen auf der Straße auch nicht", sagte Oberbürgermeister Reiter. Die könne man getrost durch eine Tram ersetzen, die etwa auf einem Rasengleis durch den Park fahre.

So einfach sei das nicht, korrigierte die CSU im Stadtrat. Auch Gleise würden den Englischen Garten stören. Sie stimmte dem Gespräch trotzdem zu: "Es wird sich herausstellen, dass es sich hier um einen Schaufenster-Antrag der SPD handelt." Nach dem Motto: viel Wind, aber von vorneherein ohne Chancen.

Die Opposition findet einen neuen Anlauf gut, aber mit unterschiedlicher Begeisterung: Die FDP will die Bürger beteiligen und auf keinen Fall Schutzgitter auf beiden Seiten der Gleise. "Solche wären "verheerend" für den Englischen Garten, sagte Sprecher Michael Mattar.

Die Grünen sicherten der SPD demonstrativ ihre Unterstützung bei der Park-Tram und auch gleich bei der geplanten Westtangente zu. Wohl wissend, dass die CSU als deren Koalitionspartner beide Projekte verhindern will.

Die Tram durch den Englischen Garten ist noch ein Projekt des früheren Oberbürgermeisters Christian Ude. Sie soll als Nord-Tangente von Neuhausen über Schwabing bis nach Bogenhausen führen. Das sind neun Kilometer Strecke, nur auf zwei fehlen die Gleise. Deshalb sei die Linie auch finanziell attraktiv, argumentiert die SPD.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.2947956
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 14.04.2016/dit
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.