Süddeutsche Zeitung

Kolumne "Das ist schön": Zur Demonstration auf dem Münchner Odeonsplatz:Rock gegen den Ruck

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Warum fällt den bayerischen Künstlern das Demonstrieren so schwer? Immerhin gegen Rechts wollen sie sich jetzt "zammreißen".

Von Michael Zirnstein

Der bayerische Künstler hat es nicht mehr so mit dem Protestieren. War das mal anders? Punktuell sicherlich, sonst wäre das Festival gegen die WAA in Wackersdorf anno 1986 nicht als das "Woodstock Deutschlands" in die Rock-Annalen eingegangen. Was allerdings trotz des Oberpfälzer Kampfplatzes kaum an bayerischen Musikern lag, immerhin hielten die noch hinter den Ohren grünenden Biermösl Blosn, Haindling und Eisi Gulp die weißblaue Anti-Fahne hoch.

2015 organisierten die Sportfreunde Stiller ein mächtiges Solidaritäts-Spektakel für Flüchtlinge und deren freiwillige Helfer auf dem Münchner Königsplatz. Aber seitdem muss die Politik schon den Zwangseinbau klimafreundlicher Wärmepumpen erwägen, damit eine Kabarettistin auf dem Erdinger Marktplatz die Stimme gegen die Ungerechtigkeit erhebt. Jene Monika Gruber ist übrigens nicht angekündigt, wenn nun unter dem Schlachtruf "Zammreißen" zahlreiche bayerische Klang- und Wort-Künstler am 4. Oktober eine Demo auf dem Odeonsplatz gegen den Rechts-Ruck in Bayern unterstützen.

Den roten Teppich des Widerstands legen wieder einmal die guten wie tatkräftigen Geister der Stadt aus, Bellevue di Monaco, Lichterkette, München ist bunt und das Bündnis Offen bleiben. Anders scheint es nicht zu gehen, von alleine werden die Kreativen kaum aktiv. Man erinnere sich an die Trägheit der Künstler, als sie im Lockdown für ihr eigenes Überleben demonstrieren sollten.

Auch diesmal fällt auf, dass kaum einer der Teilnehmer das tut, wofür er dabei ist: Nämlich seine Fans zu mobilisieren. Lediglich Luise Kinseher und Michael Mittermeier posten das Plakat auf Instagram, und der Comedian schreibt: "Kommt vorbei & lasst uns gemeinsam ein Zeichen für ein tolerantes Bayern setzen." Dass viele Kollegen aber kommen und Kurzauftritte absolvieren, wie die Spider Murphy Gang, LaBrassBanda, Dreiviertelblut, Willy Astor, Friedrich Ani, Lena Gorelik, Maxi Schafroth, Kokonelle, Gündalein und die Well-Brüder (die ja schon die WAA niedergstanzelten), das lässt hoffen und wird bei allem Ernst wohl auch festivalmäßig schön.

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