Süddeutsche Zeitung

Aufwertung der Altstadt:Die Fußgängerzone wird größer

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Das Tal und die Westenriederstraße sollen nach den Verzögerungen bei der zweiten S-Bahn-Stammstrecke nun viel schneller Teil der autofreien Innenstadt werden.

Von Andreas Schubert

Die Münchner Fußgängerzone war bei ihrer Einführung vor ziemlich genau 50 Jahren eine Zäsur in der Münchner Verkehrspolitik. Sie bedeutete die Abkehr von der komplett autogerechten Innenstadt. Nach diversen Erweiterungen, unter anderem in der Sendlinger Straße, soll schon nächstes Jahr auch das Tal zur Fußgängerzone werden. Am Freitag haben die Fraktionen von Grüne/Rosa Liste und SPD/Volt ihren Antrag zur baldigen Umgestaltung des Tals vorgestellt.

Er sieht unter anderem viele entsiegelte Grünflächen vor, Freisitze, mehr Bäume und Brunnen und - falls realisierbar - sogar einen kleinen Bach. Dies alles soll für ein angenehmeres Stadtklima und mehr Aufenthaltsqualität zwischen Marienplatz und Isartor sorgen. Autos sollen aus diesem Bereich weitgehend verbannt, 29 Parkplätze im Tal gestrichen werden.

Die Idee für eine Fußgänger- oder verkehrsberuhigte Zone im Tal ist schon älter. Doch ursprünglich wollte die Stadt mit der Umgestaltung noch warten, bis die Bauarbeiten zum künftigen S-Bahnhof Marienhof abgeschlossen sind, da der Zufahrtsweg für Lkw per Planfeststellungsbeschluss eben durchs Tal führt. So sollte zunächst ein Provisorium verwirklicht werden.

Jetzt haben sich aus Sicht der Fraktionen die Voraussetzungen geändert. Denn die zweite S-Bahn-Stammstrecke sollte zunächst 2026, nach Umplanungen dann 2028 fertig sein. Nach neuen Erkenntnissen dauern die Arbeiten nun bis mindestens 2033, nach Schätzungen des bayerischen Verkehrsministeriums sogar bis 2037 - also elf Jahre länger als noch beim Spatenstich im April 2017 angegeben. So lange will die grün-rote Rathauskoalition nicht warten. Deshalb soll die Stadtverwaltung nun einen Vorschlag für die Umwandlung erarbeiten und 2023 baulich umsetzen. Gleiches soll auch in der Westenriederstraße geschehen. Der Lastwagenverkehr zum Marienhof könnte dann über die Maximilianstraße geleitet werden.

Die SPD hat im Vorfeld auch mit der Bürgerinitiative (BI) Tal gesprochen. Die hatte sich gegen die Pläne gestemmt, einfach alle Parkplätze zu streichen. Doch die nun vorliegenden Ideen seien akzeptabel, wie BI-Mitglied Roman Roell auf Nachfrage erklärt. "Wir wollen eine gesunde Reduktion des Autoverkehrs", sagt er. Sprich: Auswärtige, die einen Kurzzeitparkplatz zum Shoppen suchen, braucht es auch aus Sicht der BI nicht. Stellplätze für diejenigen, die dort wohnen, aber schon. "Wenn wir wirklich Anwohnerparkplätze kriegen, ist die Sache schon mal entschärft", so Roell.

In dem Antrag sind einige Ideen der BI aufgegriffen. So soll es für die Anwohner zwischen Maximilian- und Westenriederstraße ein Parkkonzept und Parkzonen geben. Die Zufahrt soll in diesem Gebiet nur noch Anwohnern, Gewerbetreibenden, Taxis und in ihrer Mobilität eingeschränkten Personen - vornehmlich für Arztbesuche - erlaubt sein. Wie in der sonstigen Fußgängerzone soll es zeitbeschränkte Liefermöglichkeiten geben sowie zusätzliche Lieferzonen in den angrenzenden Straßen.

Eine Idee, für die SPD-Verkehrsexperte Nikolaus Gradl schon früher geworben hat und die nun aufgegriffen ist, ist ein Shuttle-Service mit kleinen, elektrisch betriebenen Bussen in der gesamten Fußgängerzone. Auch soll noch geprüft werden, wie der Radverkehr ganztägig durch das Tal rollen kann, analog etwa zur Metzgermeile am Viktualienmarkt. Vorstellbar wäre eine Fahrradgasse, die auch Kleinbusse nutzen könnten.

Mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sei man im Gespräch, so Gradl. Man werde Geld für die Anschaffung elektrischer Shuttlebusse zur Verfügung stellen. So könnten etwa auch die 18 Meter langen Gelenkbusse der Linie 132 aus dem Tal herausgehalten werden. Grünen-Fraktionschefin Mona Fuchs stellt sich das Tal als ein neues Aushängeschild der Stadt vor. Ohne eine erneute Bürgerbeteiligung soll das Vorhaben aber nicht umgesetzt werden. "Bei großen Veränderungen müssen wir Politik mit den Menschen machen und nicht über ihre Köpfe hinweg", sagt SPD-Fraktionschefin Anne Hübner.

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