Süddeutsche Zeitung

Stadtrat:München bekommt eine neue Eishalle

  • Die Stadt will auf dem Areal des Eissportzentrums West in Pasing ein neues überdachtes Stadion mit zwei Eisflächen bauen.
  • Eislaufen in München steht vor einem größeren Umbruch. Die Anlagen im Osten und im Westen sind sanierungsbedürftig und bereiten immer wieder Probleme.
  • Langfristig will die Stadt die Zahl der öffentlich verfügbaren Eisflächen von fünf auf sieben erhöhen.

Die Stadt will das Eissportzentrum West in Pasing abreißen und auf dem Areal ein neues überdachtes Stadion mit zwei Eisflächen errichten. Der Baubeginn soll im Jahr 2022 erfolgen, wenn die Stadt Eiskapazitäten in der dann fertig gestellten Halle von Red Bull im Olympiapark anmieten kann. In einem dritten Schritt soll schließlich auch das Eissportzentrum Ost in Neuperlach von 2025 an saniert werden. Langfristig will die Stadt so die Zahl der öffentlich verfügbaren Eisflächen von fünf auf sieben steigern. Dazu will sie Kapazitäten durch längere Laufzeiten im Westen gewinnen, wo durch den Hallenbetrieb 15 zusätzliche Wochen im Herbst und im Frühjahr gespielt und gelaufen werden könnte. So steht es im Eissportkonzept der Stadt, das der Sportausschuss verabschiedet hat.

Schon seit einigen Jahren ist klar, dass der Eislauf in München vor einem größeren Umbruch steht. Die Anlagen im Osten und im Westen sind so sanierungsbedürftig, dass sie auch diese Saison schon wieder wegen zu hoher Temperaturen oder technischer Probleme kurzzeitig nicht öffnen konnten. Das Eissportzentrum im Olympiapark hat in absehbarer Zeit aus Altersgründen ausgedient. Als Ersatz wird die Stadt Eiszeiten in der geplanten neuen Halle von Red Bull buchen. Gut in Schuss ist von den Münchner Eislaufflächen einzig das Prinzregentenstadion. Gleichzeitig steigt das Interesse an den Eissportvereinen: Seit 2017 haben sie gut sieben Prozent an Mitgliedern dazugewonnen. In der Pasinger Eisarena konnten in der vergangenen Saison nur 75 Prozent der beantragten Eiszeiten gewährt werden.

"Ich freue mich, dass der Stadtrat nun grünes Licht für die Modernisierung gegeben hat. So können wir mehr und modernere Eisflächen bauen", sagte Sportreferentin Zurek. Wie das neue überdachte Stadion in Pasing aussehen wird, steht noch nicht fest. Das Baureferat wird eine Machbarkeitsstudie erstellen. Die FDP plädierte dafür, auch an die Kosten zu denken. "Eine Einhausung, keinen Eispalast" solle die Stadt errichten, sagte Stadtrat Thomas Ranft. Die Bayernpartei hält selbst das noch für überambitioniert. "Ich sehe im Westen keine Halle", sagte Stadtrat Mario Schmidbauer. Eislaufen sei ein Freiluftsport, und nicht etwa "im T-Shirt in der Halle" zu betreiben.

Von einer Luxusausstattung war allerdings sowieso nicht die Rede im Sportausschuss. Einig waren sich jedoch alle, dass die neue Anlage möglichst ökologisch betrieben werden soll - soweit das bei einer Eishalle möglich ist. Mit Kosten ist das Eissportkonzept wegen des frühen Stadiums der Planung noch nicht hinterlegt. Fest steht nur, dass eine Anschubfinanzierung von zwei Millionen Euro für die Pasinger Anlage vorhanden ist. Diese stammen aus einem Gerichtsprozess, der nach der völlig verkorksten Sanierung im Jahr 2006 mit der beauftragten Firma ausgefochten wurde. Diese Probleme sind auch der Grund dafür, warum die Eiszeiten im Westen so dürftig sind. Die eigentliche Anlage ist seither außer Betrieb, sie wird bis heute durch ein Provisorium ersetzt.

SPD und CSU versuchten noch, die von 2025 an geplante Sanierung in Neuperlach zu beschleunigen oder wenigstens deren Folgen abzumildern. "Wir haben große Bedenken, wenn das Eissportzentrum Ost eineinhalb Jahre geschlossen werden muss", sagte CSU-Stadträtin Ulrike Grimm. Erwogen wurden im Ausschuss eine längere Lebenszeit für die Anlage im Olympiapark und eine zusätzliche Eisfläche im Münchner Süden. Über das Versprechen einer Prüfung durch die Verwaltung kamen diese Ideen aber nicht hinaus.

Die SPD ist wie die anderen Fraktionen aber froh, dass nun Bewegung in die Eissport-Misere kommt: "220 000 Besuche von Sportlerinnen und Sportlern pro Saison in den öffentlichen Eislaufzentren zeigen, wie beliebt der Eissport ist", sagte Stadträtin Kathrin Abele. Sie verweis nach Kritik an dem späten Zeitpunkt der Sanierungen im Anschluss an den Ausschuss darauf, dass mit der neuen Eishalle im Olympiaparkein erster großer Schritt bereits erfolgt sei. Nach Abschluss aller Arbeiten im Jahr 2028 wird das Angebot an Eiszeiten in München laut Sportreferat um ein Drittel höher sein als im Moment.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4710104
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 05.12.2019/vewo
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.