Süddeutsche Zeitung

Radverkehr:Gefährliche Schussfahrt ins Isartal

Dem Wunsch des ADFC zum Trotz hält der Straßlacher Gemeinderat am Fahrverbot für Radler auf der Mühlstraße fest. Für Autos gilt auf der steilen Strecke hinunter zum Kanal künftig Tempo 20.

An schönen Tagen geht es auf der Mühlstraße in Straßlach-Dingharting zu wie am Stachus. Fußgänger, Autos, Motorräder und vor allem Radfahrer nehmen die stark abschüssige Strecke am Ortsausgang nahe dem Friedhof durch den Wald hinunter ins Isartal. Schließlich befindet sich dort nahe der Floßrutsche das Gasthaus zur Mühle nebst Biergarten. Außerdem nutzen vor allem Radler gerne die flotte Abfahrt als Verbindung in Richtung Süden, nach Wolfratshausen oder in die Pupplinger Au, nach Schäftlarn oder an den Ickinger Stausee. Gerade die dürfen hier aber eigentlich nicht fahren. Und das soll auch so bleiben. Der Gemeinderat hat am Mittwochabend das Fahrverbot für Radfahrer auf dieser Strecke bestätigt.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hatte die Aufhebung beantragt, da er die Mühlstraße zu den sehr wichtigen und viel benutzten Strecken für Radverkehr im Landkreis München zählt. Hartmut Schüler, der Landkreisbeauftragte des ADFC, kritisierte vor allem auch, dass es auf dem vorderen Teil der Straße bis hin zur Abfahrt keinen Hinweis darauf gibt, dass ab dem Waldrand eine Sperrung gilt. Eine Umleitung sei auch nicht ausgeschildert. So stehe man plötzlich vor dem Schild "Radfahren verboten". Die meisten ignorieren das. Was aber seinen Preis haben kann, wenn die Polizei doch mal kontrolliert. Hin und wieder kommt das vor. 15 Euro Bußgeld sind dann fällig.

Die Radfahrer seien "undisziplinert" und "rücksichtslos"

Dennoch schiebt kaum jemand sein Rad hinunter an den Isarkanal. Bergauf steigen schon eher mal einige ab, wenn die Steigung von anfänglich vier Prozent über zehn bis auf 16 Prozent weiter oben zunimmt. Genau dieses Gefälle sieht der Gemeinderat mehrheitlich als zu gefährlich an. "Weil die einen mit geweiteten Augen und zitterndem Lenker entgegenkommen oder nach der Arbeit hier noch mal runterrasen", sagte Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei). Er sieht die Gemeinde in der Verantwortung, einer gewissen Fürsorgepflicht nachzukommen. Das Problem sind für ihn weniger die Autos, sondern vor allem die Rennradler, die oft ein hohes Tempo draufhaben, wenn sie unten den Bereich am Isarkanal erreichen, in dem auch die Autos der Biergartenbesucher parken. "Denen geht es darum, ihren Schnitt zu halten und pünktlich zu Hause zu sein, wenn das Abendessen auf dem Tisch steht", so der Bürgermeister.

Auch Familien mit Kinderwagen hätten großes Interesse an der Beibehaltung des Radfahrverbots, sagte Sienerth. Und Albert Geiger, Gemeinderat der Bayernpartei, meinte: "Wir müssen auch die Leute schützen, die nicht wissen, wie steil das ist." Lieselotte Gießler (BB) bezeichnete die Rennradfahrer als "undiszipliniert und rücksichtslos", früher seien sie "anständiger" gewesen. "Daher bin ich absolut dagegen, die Strecke freizugeben", betonte sie. Auch Horst Wagner (FWG) ist nicht gut auf die Radler zu sprechen: "Neulich hat mir einer den Vogel gezeigt, weil ich mit dem Auto runtergefahren bis", berichtete er.

Die Alternativroute führt über die Hauptstraße

Einzig Sabine Hüttenkofer von den Grünen sieht das anders. Sie ist der Ansicht, dass die Gemeinde nicht für das Verhalten von Verkehrsteilnehmern verantwortlich sei. Vielmehr sei jeder für sich selbst verantwortlich, wenn er da runterfahre. Sonst müsse man auch jede Straße in den Bergen sperren. "Das ist eine wunderschöne Verbindung, die Alternative wäre die Hauptstraße", sagte sie.

Allerdings sprach sich auch Hüttenkofer für ein Tempolimit auf dieser Strecke aus, wie es der ADFC ebenfalls angeregt hatte. Bislang gibt es ab dem Ortsausgang keinerlei Geschwindigkeitsbeschränkung. Der Gemeinderat verständigte sich einstimmig auf Tempo 30 ab Höhe des Friedhofs bis zum Waldrand. Von dort, wo das Radfahrverbot und das Gefälle beginnt, bis hinunter an den Kanal soll künftig nur noch mit 20 Stundenkilometern gefahren werden dürfen. Zudem soll ein Hinweisschild am Anfang der Mühlstraße das Radfahrverbot ankündigen und der Hinweis "Radfahrer bitte absteigen" zum Schieben auffordern.

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SZ vom 28.06.2019/hilb
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