Süddeutsche Zeitung

Durchwachsene Bilanz im Kreis Ebersberg:Blüh' doch woanders

Vor rund zweieinhalb Jahren hat der Landkreis Ebersberg beschlossen, durch Bienenweiden die Insektenvielfalt in der Region zu fördern. Die Akzeptanz der wilden Blumenwiesen hält sich aber bis heute in Grenzen.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Unter Bienenvölkern dürfte der Landkreis Ebersberg nicht als die schlechteste Adresse gelten. Noch bevor das Volksbegehren zur Artenvielfalt in Bayern in aller Munde war, hat sich die Region unter dem Motto "Ebersberg summt" bereits bemüht, insektenfreundlicher zu werden. Damals hatte der Landkreis verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt beschlossen, unter anderem sollten Bienenweiden auf öffentlichen Flächen angelegt werden. Nun, rund zweieinhalb Jahre später, fällt deren Wachstumsbilanz allerdings eher durchwachsen aus. Zwar ist das Bemühen, Blühwiesen anzulegen, nach wie vor vorhanden, oft scheitert die Umsetzung aber an ganz banalen Faktoren.

Wer die sterile Ästhetik eines englischen Rasens zu schätzen weiß, der dürfte mit Bienenweiden schon rein optisch ein Problem haben. "Die wirken eben unordentlich", wie Roswitha Holzmann von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt nun im Umweltausschuss des Kreistages sagte. Dass das genau so gewollt ist, das sei jedoch noch nicht bei jedem angekommen. "Da braucht es noch mehr Unterstützung aus der Bevölkerung", so Holzmann.

Für die Sachbearbeiterin jedenfalls sind Bienenweiden ganz grundsätzlich eine "Win-Win-Situation". Landwirte müssten ihre Flächen, die mit schweren Maschinen häufig ohnehin nur schwer zu erreichen seien, nicht so oft mähen. Im Gegenzug bekommen die Bauern vom Landkreis die nötigen Blühsamen zur Verfügung gestellt. Und noch ein drittes "Win" wäre eigentlich anzufügen: Insekten gewinnen ohne großen menschlichen Aufwand an Lebensraum dazu.

Bereits 14 Hektar solcher öffentlicher Blühflächen sind in den vergangenen zweieinhalb Jahren in der Region angesät worden. Dabei arbeitet der Landkreis eng mit den Gemeinden zusammen. 2019 hatte es eine Schulung von Bauhofmitarbeitern gegeben, bei der auch der Erfahrungsaustausch Thema sein sollte. Dabei hat sich gezeigt, dass die Umsetzung häufig an einfachen Dingen scheitert. Laut Holzmann fehle es zuweilen schlicht an geeigneten Geräten und dem nötigen Personal für die Ansaat und Pflege von Blühwiesen. Vor allem im Zuständigkeitsbereich der Ebersberger Straßenmeisterei würden zudem oft Vorgaben zur Verkehrssicherheit, etwa die Erhaltung von Sichtdreiecken, geplante Projekte verhindern.

Straßen- und Feldränder sind aber nicht die einzigen Orte, an denen insektenfreundlicher Lebensraum geschaffen werden soll. Auch Schulen und andere kreiseigene Liegenschaften sollten in das Artenschutzprojekt einbezogen werden. An der Realschule Vaterstetten oder am Gymnasium Markt Schwaben gibt es bereits entsprechende Flächen, im Allgemeinen lässt die Akzeptanz aber eher zu wünschen übrig, wie Roswitha Holzmann sagte. "An Schulen sind entsprechende Versuche teilweise gescheitert, weil die Leute Angst vor Allergien und Bienenstichen haben." Hier müsse man künftig noch mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Auch Kreisrat Martin Lechner (CSU) hätte sich gerade bei den Schulen "mehr erwartet". Er war es auch, der im Namen seiner Fraktion einen Zwischenbericht über die Schaffung von Blühflächen angefordert hatte. Über die Ergebnisse ist Lechner entsprechend nicht sonderlich glücklich. "Schade, dass nicht mehr geht", sagte er nun im Ausschuss.

Mehr geht dann vielleicht im Jahr 2023. Dann nämlich ist ein weiteres Aktionsjahr zur Förderung der Artenvielfalt geplant. Damit der Landkreis sich dafür möglichst breit aufstellt, plädierte Thomas Lechner (Bayernpartei) dafür, den Arbeitstitel "Jahr der Bienen" zu erweitern. "Wir wollen ja nicht nur die Bienen, sondern alle Insekten fördern", so Lechner. Landrat Robert Niedergesäß (CSU) freute sich unterdessen über den Beschluss des Umweltausschusses, dass das Artenprojekt fortgesetzt werden soll. "Es ist sinnvoll, so etwas wieder ins Gedächtnis zu rufen."

Als Vorbereitung auf das Aktionsjahr soll zudem in einer der kommenden Sitzungen des Gremiums ein Bienenexperte über die Sinnhaftigkeit von Blühflächen referieren - und vielleicht ist das ja dann auch ein weiterer kleiner Mosaikstein, um deren Akzeptanz in der Gesellschaft zu erhöhen.

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Quelle:
SZ vom 15.10.2020/koei
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