Süddeutsche Zeitung

SPD-Chef im Fernsehen:Vizekanzler Gabriel zankt sich mit ZDF-Moderatorin

  • Im Interview mit ZDF-Journalistin Bettina Schausten antwortet Vizekanzler Gabriel pampig.
  • Mehrfach versucht Schausten, auf Gabriels von Merkel abweichende Tonlage in der Flüchtlingskrise zu sprechen zu kommen, doch der wiegelt ab.
  • Es ist nicht das erste Mal, dass Gabriel einen rüden Ton trifft.

Erst Slomka, jetzt Schausten

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich in einer Fernsehsendung erneut heftige Geplänkel mit der Interviewerin geliefert. Nach ZDF-Moderatorin Marietta Slomka im November 2013 traf es am Sonntagabend in der Sendung "Berlin direkt" zum Thema Flüchtlingskrise die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, Bettina Schausten (hier die Sendung auf der Seite des ZDF).

Schaustens Eingangsfrage lautete, ob er als Vizekanzler angesichts seiner Kritik an der Union noch an der Seite von Angela Merkel stehe. Schon diese Frage bezeichnete Gabriel als "total merkwürdig". Zur Begründung wies Gabriel darauf hin, dass der Hauptstreit in der Flüchtlingspolitik zwischen CDU und CSU verlaufe und nicht zwischen CDU und SPD. "Und Sie fragen mich als Sozialdemokraten, ob ich an der Seite von Frau Merkel stehe!"

Schausten konterte, sie finde das "gar nicht merkwürdig" und argumentierte, dass Gabriel anders als Merkel Obergrenzen für einen verkraftbaren Flüchtlingszuzug nenne. Der Vizekanzler blieb jedoch gereizt: "Nichts von dem, was Sie sagen, ist richtig, Frau Schausten, entschuldigen Sie, wenn ich das in aller Klarheit sage."

Der SPD-Chef wiegelt ab

Gabriel war am Sonntag auf einem SPD-Kongress in Mainz deutlich auf Distanz zu Kanzlerin Merkel gegangen. Schaustens Fragen zielten darauf ab. Mehrfach versuchte die Moderatorin, auf Gabriels Tonlage in der Flüchtlingskrise zu sprechen zu kommen. Doch der SPD-Chef wiegelte stets ab. Immer wieder kam er auf den unionsinternen Streit zu sprechen. Inhaltlich forderte er mehr Solidarität der EU-Staaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen, mehr Kooperation mit der Türkei als Haupttransitland und mehr Anstrengungen zur Bekämpfung von Fluchtursachen.

Das Gespräch endete, wie es begonnen hatte - aufgeheizt. Auf Schaustens "herzlichen Dank" antwortete Gabriel mit leicht spöttischem Unterton und Blick: "Gerne", kleine Pause, "bitte, Frau Schausten."

Die ließ sich dann den Nachsatz nicht nehmen: "Das Interview haben wir vor der Sendung genau so aufgezeichnet."

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