Süddeutsche Zeitung

Familientrio:Kinder oder nicht?

Wie ist das, wenn die Frau Kinder will, der Mann aber nicht, weil er sich nicht einschränken will? Eine knifflige Frage, finden die Mitglieder unseres Familientrios.

Mein Mann, 38, und ich, 31, sind seit sechs Jahren verheiratet, führen eine liebevolle Beziehung und Ehe. Mit Anfang 30 stelle ich mir natürlich die Kinderfrage - und ich würde gerne eine Familie gründen. Mein Mann aber will keine Kinder, er möchte sich nicht einschränken. Wie ist Ihre Einschätzung: Zusammenbleiben für eine harmonische Beziehung oder Trennung für den Kinderwunsch?

Lisa K. aus Erding

Margit Auer:

Wenn sich Ihr Mann nicht einschränken möchte, dann ist er der geborene Single-Typ. Das können durchaus nette Kerle sein: Für jede Party zu haben, oft helfen sie hinterher beim Aufräumen, und nie sagen sie kurzfristig ab, weil das Töchterchen auf einmal Zahnschmerzen hat. Sich nicht einschränken zu müssen, das klingt wunderbar. Aber wie geht es Ihnen mit so einem Mann an der Seite? Ich persönlich fände es langweilig, wenn ich jeden Tag immer genau so gestalten könnte, wie ich wollte. Wo bleiben die Herausforderungen? Wo bleiben die überraschenden Wendungen im Leben? Sie sollten durchspielen, wie Sie sich Ihr gemeinsames Leben in fünf oder zehn Jahren vorstellen. Schauen Sie sich um in Ihrem Freundeskreis: Gibt es dort ein paar nette Väter, die Ihrem Mann als Vorbild dienen könnten? Überlegen Sie, ob Ihre Vorstellungen deckungsgleich sind, zumindest teilweise. Wenn entscheidende Schnittmengen fehlen, sollten Sie eine Trennung in Erwägung ziehen.

Herbert Renz-Polster:

Der Klassiker, zu dem ich nichts sagen kann. Das ist mir zu persönlich und privat. Aber damit ich trotzdem mein Honorar bekomme, vielleicht so viel: Als ich noch in der Arztausbildung war, sprach ein Professor über die Fallstricke der Beratung. Dass Menschen oft und aus berechtigten Hoffnungen von den "Experten" ganz konkrete Handlungsanweisungen haben wollen. Und er nannte ausgerechnet den Fall eines Mannes, der ihn fragte: "Wenn Sie an meiner Stelle wären: Würden Sie sich von meiner Frau scheiden lassen?" Und natürlich wäre die Antwort: "Weder kenne ich Ihre Frau, noch bin ich Sie." Und so ist es auch bei der Eingangsfrage: Was jeweils auf den beiden Seiten der Waagschale liegt, ist uns beiden bekannt. Aber wie schwer diese beiden Dinge jeweils für Sie wiegen, das weiß ich nicht.

Collien Ulmen-Fernandes:

Sie stellen mal eben nebenbei die komplizierteste Urfrage des 30-Jahre-alt-Seins, die Frage, an der schätzungsweise fünfzig Prozent aller Beziehungen zerbrochen sind (neben Tinder und Alkoholismus), und in Ihrem Fall kann ich ausnahmsweise nicht gleich aufspringen und eine klare Meinung verkünden. Ich weiß, das hilft wenig, aber es gibt bei Ihrer Frage ein Dazwischen, beeinflusst von so vielem: Wie tief ist Ihr Glück mit Ihrem Mann? Wie unendlich fühlt es sich an? Wie nagend ist der Kinderwunsch? Wie sehr definieren Sie sich über die Zukunftsvorstellung, Mutter zu sein? Ein unerfüllter Kinderwunsch kann einen Menschen in eine seelische Notlage stürzen - vergleichbar sogar mit dem Tod eines geliebten Menschen, das ist aus der Forschung bekannt. Wie schlimm wiegt die Horrorvorstellung, keine Kinder zu bekommen und sich mit Ende 40 dann aus diesem Grund zu trennen? Wie sehr beeinflusst Sie meine Werbung dafür, Kinder zu bekommen, weil es die per se schönste Erfahrung und tollste Zumutung des Lebens ist? In dem Dazwischen all meiner Fragen liegt irgendwo Ihre Antwort.

Haben Sie auch eine Frage? Schreiben Sie uns an familientrio@sz.de.

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Quelle:
SZ vom 25.01.2020/vs
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