Süddeutsche Zeitung

360° Seuchen:Von Pest bis Polio

Auch wenn die Welt den Blick allein auf Ebola richtet: Die Krankheit kann nicht isoliert betrachtet werden. Woran die Seuchenbekämpfer scheitern und worauf sie stolz sein können - eine Bestandsaufnahme in unserer Reihe 360°.

Seit Monaten schaut die Welt auf Ebola; selbst die erfahrensten Experten sind vom Ausmaß dieser Katastrophe überrollt. Dass das Virus nun schon fast 10 000 Menschen infiziert und jeden zweiten Erkrankten getötet hat, hätte kaum jemand erwartet. Mehr als ein Dutzend Ausbrüche hatten die Menschen in Afrika schon erlebt, jedes Mal wurde die Seuche schnell gestoppt. Wie das geht, zeigte gerade erst Nigeria. Obwohl das Virus im Juli nach Lagos, in die größte Stadt südlich der Sahara, eingeschleppt wurde, bekam das Land den Ausbruch unter Kontrolle. Nigeria ist seit kurzem offiziell Ebola-frei.

Der Kampf gegen das gefürchtete Virus glückte auch deshalb, weil bereits Einrichtungen für die Infektionskontrolle existierten - errichtet im Zuge der Kampagne zur Ausrottung der Kinderlähmung. Allein dieser Fakt zeigt, dass Ebola, so wie andere Seuchen, die in regelmäßigen Abständen über die Welt hereinbrechen, nicht isoliert betrachtet werden kann.

Wir richten deshalb in unserer 360°-Reihe den Blick über die aktuellen Ebola-Entwicklungen hinaus. Warum eine uralte und gut behandelbare Krankheit wie die Pest immer noch ganze Landstriche terrorisiert, zeigen wir Ihnen in einer umfangreichen Multimedia-Reportage aus Madagaskar. Wie sich Erreger verbreiten, weshalb Millionen Kinder an banalem Durchfall sterben, wie Hilfe für die Ärmsten gelingen kann und wie der Stand bei den schier unglaublichen Anstrengungen ist, die die Welt zur Ausrottung von Krankheiten wie Polio unternimmt - auch damit befasst sich unser Themenpaket in den kommenden Tagen.

Ebola zeigt aber auch Absurditäten in der Wahrnehmung von Krankheiten auf. Afrikaner, die mit Fieber nach Europa kommen, lösen derzeit heftige Furcht aus. Meist stellt sich dann heraus, dass diese Menschen nicht an Ebola, sondern an Malaria leiden. Eine Krankheit, an der in jeder einzelnen Stunde 100 Menschen sterben. Eine Krankheit, die sich auch deutsche Reisende immer wieder zuziehen, weil sie zwar Ebola mitten in Deutschland fürchten, aber sich völlig ungeschützt und uninformiert in Regionen begeben, in denen schwere Infektionskrankheiten verbreitet sind. Ein Reisemediziner wird daher erläutern, wie Urlauber sich schützen sollten.

Ebola macht auch deutlich, wie heiß ersehnt ein Impfstoff sein kann. Das war vor Jahrzehnten auch in Europa so, als Masern, Röteln und Keuchhusten eine allgegenwärtige Bedrohung darstellten. Doch nun, da diese Krankheiten zurückgedrängt sind, ist der Blick bei einigen Eltern verzerrt. Nicht die Krankheit, sondern die Impfung ist der Feind. Daher soll das Paket nicht zuletzt den Blick wieder darauf richten, welchen Segen die Prophylaxe-Möglichkeiten gegen Seuchen darstellen.

360° - Die neue Reihe auf SZ.de erzählt Geschichten, die im Nachrichtenalltag oft untergehen, und nähert sich ihnen aus verschiedenen Blickwinkeln. mehr ...

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