Süddeutsche Zeitung

Numerus clausus:Wählerische Unis

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Von Johann Osel

Zwischen dem Abiturzeugnis und der Einschreibung fürs Studium steht oft eine Hürde: der Numerus clausus (NC), also die Zulassung über Noten. Eine Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hat nun analysiert, was angehende Studenten erwartet. Laut der Studie wird der Anteil der Studiengänge, in denen Unis eine Auswahl treffen, zum kommenden Semester bei 42 Prozent liegen. Er wäre damit zwar im Vergleich zu 2013 um 3,5 Prozentpunkte gesunken, aber weiterhin hoch. In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind es 54 Prozent. Und: Fachhochschulen sind wählerischer als Unis.

In der Regel läuft die Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Fächer Mitte Juli oder teils auch später ab. Unis verschicken dann Zu- oder Absagen. Derjenige Bewerber, der in einem Fach den letzten Platz bekommt, setzt mit seiner Note den NC. Zudem vergeben Hochschulen Plätze nach Wartesemestern und zuweilen über Tests. Aus Erfahrung wird oft ein NC schon von Haus aus gesetzt.

Anhand Daten der Hochschulrektorenkonferenz hat das CHE die Quote für das Semester 2015/16 berechnet. Der erwartete leichte Rückgang beim NC "zeigt die Anstrengungen von Hochschulen und Politik, der gestiegenen Studierneigung Rechnung zu tragen", sagte CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele. Heißt: Es wurden Studienplätze aufgebaut. Auch gebe es keine doppelten Abiturjahrgänge mehr.

Auffällig ist: Die Stadtstaaten Hamburg (68,6 Prozent NC-Quote) und Bremen (65) liegen ganz weit vorne. In Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Rheinland-Pfalz ist zum kommenden Semester jeweils nur rund ein Viertel aller Studiengänge zugangsbeschränkt. Bewerber sollten sich "vom NC am Wunschstudienort nicht entmutigen lassen, sondern auch Alternativen an anderen Orten prüfen", rät Ziegele.

Die nach wie vor hohe NC-Quote dürfte die Debatte über Notengerechtigkeit vorantreiben. Abiturschnitte zeigen ungleich verteilte Startchancen für Bewerber in NC-Fächern. Schlossen zuletzt in manchen Bundesländern fast 40 Prozent der Abiturienten mit einer Eins vorm Komma ab, gelang dies andernorts nicht mal jedem Fünften. Der Chef des Wissenschaftsrates, Manfred Prenzel, sagt dem Spiegel: "Gerade die Universität als wissenschaftliche Institution ist angehalten, sich nicht auf einen einfachen Wert wie die Abiturdurchschnittsnote zu verlassen." Aufwand bei der Auswahl "lohnt sich" - zum Beispiel ergänzende Tests oder Vorstellungsgespräche.

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SZ vom 06.07.2015
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