Süddeutsche Zeitung

Bayerns Schulen:Maskenpflicht im Unterricht läuft aus

Kultusminister Michael Piazolo kündigt an, dass Schüler im Klassenzimmer von Montag an keine Masken mehr tragen müssen. Mancherorts kann das aber weiter angeordnet werden.

Von Kassian Stroh

Bayerns Schülerinnen und Schüler müssen von kommender Woche an keine Maske mehr im Unterricht tragen. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) gab am Vormittag erwartungsgemäß bekannt, dass die Maskenpflicht an diesem Freitag endet. Schon vor einigen Tagen hatte er angedeutet, dass diese "Zumutung", wie er es nannte, wie geplant Ende dieser Woche auslaufen dürfte.

Dass sich Schüler und Lehrer im Unterricht nicht ins Gesicht schauen können, ist ein Novum. Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hatte das Kultusministerium angeordnet, dass alle Personen auf dem kompletten Schulgelände einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen - und in den ersten beiden Wochen nach den Sommerferien auch im Unterricht. Ausgenommen von der Regelung waren nur die Grundschüler. Begründet wurde die Maskenpflicht damit, dass man die Auswirkungen möglicherweise infizierter Reiserückkehrer nach den Sommerferien abfedern wolle. Das sei "sinnvoll" gewesen, sagte Piazolo im Rückblick auf die vergangenen zwei Wochen.

Derzeit seien vier der insgesamt rund 6000 bayerischen Schulen wegen Corona-Fällen komplett geschlossen, dort gebe es derzeit nur "Distanzunterricht", also Homeschooling, sagte Piazolo. In Bayern seien insgesamt 42 Lehrerinnen und Lehrer positiv auf den Erreger getestet worden, weitere 710 befänden sich als Kontaktpersonen aktuell in Quarantäne. Insgesamt können nach Piazolos Angaben deutlich mehr als fünf Prozent aller Lehrkräfte derzeit nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden - etwa weil sie als Schwangere oder als Angehörige einer Risikogruppe davon befreit sind. Unter den Schülerinnen und Schüler gebe es 283 bestätigte Corona-Fälle. Fast 7000 stünden daheim unter Quarantäne.

In Städten und Landkreisen, in denen besonders viele Neuinfektionen auftreten, können die Behörden die Maskenpflicht im Unterricht aber verlängern. Dies sieht das Rahmenkonzept der Staatsregierung für die weiterführenden Schulen vor, wenn in den Klassenzimmern kein Mindestabstand eingehalten werden kann und wenn die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der neuen Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche, vor Ort auf einen Wert von mehr als 35 steigt.

Ab einem Wert von 50 kann das örtliche Gesundheitsamt verfügen, dass alle Schüler im Unterricht eine Maske tragen müssen - auch die Grundschüler. Dann gilt auch obligatorisch der Mindestabstand für alle. Da er in vielen Klassenzimmern nicht eingehalten werden kann, heißt das faktisch, dass viele Klassen geteilt werden und die Schüler im Wechsel zu Hause und in der Schule unterrichtet werden. Den Schwellenwert von 50 überschritten hatten zuletzt die Städte Kaufbeuren und Würzburg sowie die Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Kulmbach. Die Landeshauptstadt München lag mit 47,6 nur knapp darunter.

Die Maskenpflicht ist nicht die einzige Maßnahme in Bayern, die Schüler wie Lehrer vor einer Ansteckung schützen soll. So bleiben die Klassenverbünde so weit wie möglich unter sich. Neben Abstandsregeln gibt es genaue Hygienevorgaben, etwa zum Lüften oder für den Musik- oder Sportunterricht. Und: Erkältete Schülerinnen und Schüler müssen mindestens 24 Stunden zu Hause bleiben. Eine Ausnahme gibt es auch von dieser Regel, und zwar für Grundschüler: Sie dürfen analog zu Krippen- und Kindergartenkindern bei niedrigen Infektionszahlen auch mit Schnupfen und leichtem Husten die Schule besuchen.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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