Süddeutsche Zeitung

Projekt "Starlink":Sonnensturm lässt 40 Space-X-Satelliten abstürzen

Turbulentes Weltraumwetter sorgt dafür, dass Dutzende Satelliten in der Atmosphäre verglühen. Gefahr für Erdbewohner besteht laut der Firma von Elon Musk aber nicht.

Von Christoph von Eichhorn

Ein Sonnensturm hat bis zu 40 Satelliten der privaten Weltraumfirma Space-X kurz nach dem Start zerstört. Wie das Unternehmen mitteilte, können die Satelliten nicht mehr ihre geplante Umlaufbahn um die Erde erreichen und werden nun in der Atmosphäre verglühen. Es bestehe aber keine Gefahr, dass Trümmerteile auf die Erde stürzen.

Eine Falcon-9-Rakete hatte am vergangenen Donnerstag von Cape Canaveral aus insgesamt 49 Starlink-Satelliten ins All befördert. Mit diesem Projekt will die Firma des Tesla-Chefs Elon Musk entlegene Weltregionen ans Internet anbinden. Zunächst wurden die neuen Satelliten in einer Höhe von 210 Kilometern planmäßig ausgesetzt. Von dort aus sollten die Satelliten eigenständig ihre finale Umlaufbahn in Höhe von 550 Kilometern ansteuern. Doch scheint dies nur etwa jedem fünften Satelliten gelungen zu sein. "Unglücklicherweise wurden die am Donnerstag ausgebrachten Satelliten am Freitag von einem magnetischen Sturm schwer getroffen", schreibt Space-X in einer Erklärung.

Sonnenstürme entstehen, wenn die Sonne für kurze Zeit deutlich mehr Strahlung und geladene Teilchen ins All schleudert als üblich. Wenn dieser Auswurf an Teilchen die Erde erreicht, heizt er die oberen Schichten der Atmosphäre auf, sodass diese sich ausdehnt. Dadurch wächst der Luftwiderstand für Satelliten, die sich in einer niedrigen Umlaufbahn um die Erde befinden. Sie werden abgebremst, und die Schwerkraft zieht sie zum Planeten zurück, falls sie nicht genügend Treibstoff zur Beschleunigung aufwenden.

Weltraumschrott oder Trümmerteile, die auf die Erde fallen, dürfte es nicht geben

Laut Space-X deuten GPS-Daten darauf hin, dass der atmosphärische Widerstand infolge des magnetischen Sturms bis zu 50 Prozent über den Werten früherer Starts lag. Das Starlink-Team versuchte zwar noch, die Satelliten in einen abgesicherten Modus zu versetzen. Dabei fliegen die rund 260 Kilogramm schweren Satelliten mit der flachen Seite voraus, ähnlich wie ein Blatt Papier, um möglichst wenig Strömungswiderstand zu bieten. Doch das Manöver brachte nicht den erwünschten Erfolg. Der erhöhte Luftwiderstand verhinderte schließlich ein Aufsteigen der Satelliten in höhere Sphären, "und bis zu 40 der Satelliten werden wieder in die Atmosphäre eintreten oder sind bereits wieder eingetreten", schreibt Space-X.

Die niedrige Startumlaufbahn der Satelliten ist eine Sicherheitsvorkehrung der Starlink-Betreiber. So will man Weltraumschrott vermeiden. In niedriger Umlaufbahn überprüfen die Satelliten zunächst ihre Funktionstüchtigkeit, bevor sie weiter aufsteigen. Defekte Satelliten können so frühzeitig aussortiert werden und laufen keine Gefahr, mit anderen Objekten in größerer Höhe zu kollidieren und eine Trümmerwolke aus Weltraumschrott im Orbit zu hinterlassen. Dieses Vorgehen verursache zwar "beträchtliche Kosten", so Space-X, sei aber nötig für eine nachhaltige Weltraumnutzung. Die Satelliten wurden laut der Firma so designt, dass sie bei einem Absturz aus dieser Höhe komplett verglühen, sodass auch keine Trümmer auf die Erde fallen.

Den Aufbau des Starlink-Netzwerks dürfte der Fehlschlag nur unwesentlich bremsen. Space-X hat seit 2019 mehr als 1800 Satelliten ins All gebracht und ist damit schon in der Lage, Internetzugang via Satellit anzubieten. Es handelte sich bereits um den dritten Start eines Satellitenschwarms in diesem Jahr. Um die Bandbreite der Verbindungen zu erhöhen, könnte Starlink eines Tages bis zu 42 000 Satelliten umfassen, mehr als das Achtfache aller Satelliten, die derzeit die Erde umkreisen. Viele Astronomen kritisieren das Projekt, da die Satelliten die Aufnahmen von Teleskopen stören könnten.

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