Süddeutsche Zeitung

Gerechtigkeitssinn bei Babys:Altruisten in Windeln

Wer Kleinkinder beobachtet, kann leicht einen anderen Eindruck bekommen. Doch eine Studie zeigt: Kinder haben bereits im Alter von 15 Monaten einen Sinn für Altruismus und Fairness.

Sebastian Herrmann

In manchen Situationen ist es leicht, Kinder für kleine Ungeheuer zu halten. Zum Beispiel wenn das eine Monster dem anderen das Spielzeug wegnimmt, das nur durch das Interesse des anderen überhaupt attraktiv geworden ist.

Angesichts solcher Szenen ist kaum zu glauben, was Psychologen um Marco Schmidt vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig berichten (Plos One, online). Demnach haben Kinder bereits im Alter von 15 Monaten einen Sinn für Altruismus und Fairness.

Die Forscher führten 47 Babys Filme vor, in denen Essen gerecht oder ungerecht geteilt wurde. Dabei achteten sie darauf, wie viel Aufmerksamkeit die 15 Monate alten Kinder den Szenen schenkten.

Die Babys waren dann vom Geschehen besonders absorbiert, wenn die Szene sie überraschte, etwa wenn sie eine faire Teilung erwartet hatten, die dann aber nicht eintrat. In einem weiteren Test prüften die Forscher, welche Kinder bereit waren, ihre Lieblingsspielzeuge zu teilen.

Dabei zeigte sich: Babys, die sich von einer ungerechten Teilung in den Filmen überrascht zeigten, waren am ehesten auch bereit, anderen ihr Lieblingsspielzeug zu überlassen.

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Quelle:
SZ vom 11.10.2011/mcs
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