Süddeutsche Zeitung

Manipulationsvorwürfe:Externe Prüfer entlasten Wirecard

  • Wirecard habe nicht im großen Stil seine Bilanz manipuliert, bescheinigen externe Prüfer dem deutschen Zahlungsdienstleister.
  • In der Konzernzentrale in Aschheim sei niemand strafrechtlich verantwortlich, einzelne Angestellte in Singapur vielleicht schon.
  • Vorausgegangen waren mehrere Berichte der Financial Times über mutmaßlich gefälschte Verträge und fingierte Umsätze im Asien-Geschäft.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard sieht sich von Vorwürfen der Bilanzmanipulation entlastet. Wegen Unregelmäßigkeiten im Asiengeschäft würden einzelne Position der Jahresbilanz für 2017 im ausstehenden Abschlussbericht für 2018 korrigiert, teilte Wirecard am Dienstag mit. Wesentliche Auswirkungen auf die Konzernabschlüsse gebe es aber nicht. Die Untersuchung einer nicht näher benannten externen Beratungsfirma habe keine strafrechtliche Verantwortung hinsichtlich der Konzernzentrale in Aschheim bei München festgestellt. Einzelne Angestellte in Singapur könnten sich aber "möglicherweise nach lokalem Recht strafbar gemacht haben", teilte Wirecard mit.

Vorausgegangen waren mehrere Berichte der Financial Times über fragwürdige Vorgänge in der Asien-Zentrale in Singapur. Wirecard-Mitarbeiter sollen von dort aus Verträge gefälscht und Umsätze fingiert haben, um die wirtschaftliche Situation einzelner Tochtergesellschaften in Asien besser aussehen zu lassen, als sie tatsächlich war. In ihren Veröffentlichungen berief sich die FT auf eine externe Untersuchung der singapurischen Anwaltskanzlei Rajah & Tann, die ein Whistleblower ausgelöst hatte. In einem vorläufigen Bericht hatte die Kanzlei im Mai 2018 mehrere mögliche Fälle aufgeführt, in denen Mitarbeiter mittels fingierter Verträge Umsätze generiert haben sollen, denen kein tatsächliches Geschäft zugrunde lag, um Regularien und interne Vorgaben zu erfüllen. Auf Basis dieses vorläufigen Berichts sei damals auch der Vorstand informiert worden. Wirecard hatte die Berichte wiederholt als "irreführend und diffamierend" zurückgewiesen.

Einen Teil der Vorwürfe räumt der Konzern nun aber selbst ein. Unter anderem sei 2017 ein Umsatz von 2,5 Millionen Euro falsch verbucht worden, was im Abschluss für 2018 rückwirkend korrigiert werde. Außerdem sei im vergangenen Jahr ein Umsatz von drei Millionen Euro nicht korrekt verbucht worden, was sich aber nicht auf den Jahresabschluss auswirke. Es seien zudem bereits unterschriebene Vertragsentwürfe gefunden worden, denen kein Abschluss zugeordnet werden konnte. Aufgrund eines dieser Entwürfe sei ein Betrag von 63 000 Euro geflossen. Belege für Korruption oder sogenanntes Round-Tripping, bei dem Konzerngesellschaften Geschäfte ohne wirtschaftliche Substanz verbuchen, seien nicht gefunden worden, teilte Wirecard mit.

Mit der jetzt zusammengefassten Untersuchung hatte Rajah & Tann offenbar nicht mehr zu tun. Man habe die Daten, die im vergangenen Jahr der Kanzlei vorlagen, einer unabhängigen Beratungsfirma zur Verfügung gestellt. Die Feststellung der Kanzlei, dass einzelne Zahlungen zwischen Wirecard-Töchtern und Geschäftspartnern nicht zu Verträgen zwischen diesen passten, konnten die Berater nicht widerlegen. Wirecard teilte dazu mit, man habe "Maßnahmen ergriffen, um die Struktur der Abschlüsse zu verbessern und den Geldeingang gegen einzelne Buchungen auf einer detaillieren Ebene verfolgen zu können." Wegen der Vorwürfe in Singapur hat das CAD, die dortige Spezialeinheit der Polizei für Finanzkriminalität, dreimal die Geschäftsräume von Wirecard durchsucht und ermittelt gegen mehrere Beschäftigte.

Wirecard ist nach eigenen Angaben weltweit einer der größten Dienstleister im Zahlungsverkehr, wurde groß mit dem boomenden Online-Handel und verdrängte im vergangenen September die Commerzbank aus dem Dax. Das Unternehmen kündigte an, die Veröffentlichung seiner Jahreszahlen für 2018 um drei Wochen auf den 25. April zu verschieben. Bis dahin sollen die Jahresabschlüsse korrigiert sein. Nach den anfänglichen Dementis hatte Wirecard vor Wochen versprochen, die Ergebnisse einer externen Untersuchung veröffentlichen zu wollen. Seit Ende Januar war der Aktienkurs des Dax-Konzerns um zeitweise mehr als 40 Prozent eingebrochen. Nach der Ad-hoc-Mitteilung am Dienstagnachmittag stieg die Aktie binnen Minuten um 30 Prozent.

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SZ vom 27.03.2019/lüü
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