Süddeutsche Zeitung

Deutsche Wohnen:Investoren attackieren Dax-Fusion

Vonovia will den Rivalen Deutsche Wohnen übernehmen. Investoren kritisieren das Vorgehen scharf, die Aktionärsdemokratie werde ausgehöhlt. Nun geht es vor Gericht.

Von Caspar Busse und Benedikt Müller-Arnold

Es ist eine Milliardenfusion zweier Dax-Konzerne - und nach Ansicht von Rolf Buch ist die Sache durch: "Vonovia wird die Deutsche Wohnen auf jeden Fall übernehmen", sagte der Chef von Deutschlands größtem Vermieter vorige Woche, dabei läuft die Annahmefrist für Aktionäre von Deutsche Wohnen noch. Buch schwebt ein Gemeinschaftsunternehmen mit mehr als 550 000 Wohnungen vor, das kräftig in Neubau und Modernisierungen investieren soll.

Doch nun kommt Gegenwind von wichtigen Aktionären: Der Hedgefonds Davidson Kempner und die deutsche Fondsgesellschaft Union Investment kritisieren die Art und Weise, wie Vonovia nach und nach die Kontrolle über Deutsche Wohnen erlangt. Davidson Kempner, nach eigenen Angaben Aktionär beider Firmen, will juristisch dagegen vorgehen. Der Investor hat eine einstweilige Verfügung gegen eine mögliche Kapitalerhöhung von Deutsche Wohnen und den Verkauf eigener Aktien an Vonovia beantragt. Das Berliner Landgericht bestätigt den Eingang des Antrags, man werde voraussichtlich in der kommenden Woche über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Vorwürfe sind hart: Das Vorgehen des Deutsche-Wohnen-Vorstands sei "beispiellos und rechtlich fragwürdig" - und helfe Vonovia nur, die Kontrolle über Deutsche Wohnen zu verschaffen, kritisiert Davidson Kempner. Der Vorstand übergehe seine Aktionäre; denn diese hatten die Übernahme, zumindest bei einen Anlauf im Juli, knapp durchfallen lassen. Es handele sich um "einen Präzedenzfall in Deutschland, bei dem der Vorstand über das Schicksal eines Unternehmens entscheidet und die Aktionärsdemokratie aushöhlt".

Davidson Kempner, die Firma verwaltet insgesamt Vermögen im Wert von mehr als 30 Milliarden Euro, wirft dem Deutsche-Wohnen-Vorstand Interessenskonflikte vor. Vonovia habe ihnen "attraktive Positionen in dem zukünftigen, gemeinsamen Unternehmen angeboten". Tatsächlich soll Vorstandschef Michael Zahn nach der Fusion Vizechef von Vonovia werden; Finanzvorstand Philip Grosse soll in gleicher Funktion zu Vonovia wechseln. Vor diesem Hintergrund sei das Verhalten "noch beunruhigender" und gebe Anlass "zu ernsthaften Bedenken" hinsichtlich der Corporate Governance in Deutschland, also der Regeln guter Unternehmensführung.

Die Fusion sei schon "mehrfach aus guten Gründen" gescheitert

Auch Union Investment, der Fondsanbieter der Volks- und Raiffeisenbanken hält etwa 2,5 Prozent an Deutsche Wohnen, übt Kritik. "Wir sind uns nicht sicher, inwieweit das Management von Deutsche Wohnen noch im Interesse der Aktionäre handelt", sagt Union-Manager Michael Muders der Süddeutschen Zeitung. Schließlich hätte eine Mehrheit der Anleger das Angebot von Vonovia "mehrfach aus guten Gründen" abgelehnt. Auch erschließe sich nicht, warum Deutsche Wohnen gerade jetzt eine Kapitalerhöhung benötigen sollte, denn das Unternehmen hat wenig Schulden. "Vor diesem Hintergrund dürften Investoren sich zukünftig die Governance von Vonovia und Deutsche Wohnen näher anschauen", so Muders.

Im Juli war eine Offerte von Vonovia überraschend gescheitert. Statt der Hälfte hatte sich der Konzern nur gut 47 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien sichern können. Vonovia schob das zum einen auf Hedgefonds, die offenbar auf eine höhere Offerte zu einem späteren Zeitpunkt spekulierten. Zum anderen verwies der Konzern auf die vielen ETFs; das sind Aktienfonds, die einen Index wie den Dax abbilden. Sie hätten ihre Aktien erst verkaufen können, sobald Deutsche Wohnen den Dax verlässt. Vonovia ging indes im August gleich die nächste Offerte an, mit Zustimmung von Deutsche Wohnen. Schon damals schrieb Davidson Kempner kritische Briefe an Deutsche Wohnen und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin): Auch die neue Offerte bewerte Deutsche Wohnen zu niedrig, so der Investor.

Deutsche Wohnen hat vergangene Woche zugestimmt, dass Vonovia jegliche Bedingungen des Übernahmeangebots fallen lässt. Der Konzern besteht nun nicht mehr darauf, von Anfang an mindestens 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien zu besitzen. Viele der geplanten Größenvorteile könne man auch so realisieren, argumentiert Vonovia. "Der Vorstand hat damit Vonovia die Kontrolle über Deutsche Wohnen verschafft", kritisiert Davidson Kempner, "und seine eigenen Aktionäre umgangen."

Deutsche Wohnen bewertet die Vorwürfe nach eigenem Bekunden "als vollkommen substanzlos". Vonovia habe sich ja bereits gut 48 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile gesichert. Da brauche es beispielsweise die mögliche Kapitalerhöhung aller Voraussicht nach gar nicht. Eine Vonovia-Sprecherin wollte die Kritik des Investors "nicht weiter kommentieren". Noch bis Anfang Oktober können die Aktionäre von Deutsche Wohnen entscheiden, ob sie das Übernahmeangebot annehmen wollen.

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