Süddeutsche Zeitung

USA:Microsoft erwägt Tiktok-Übernahme in vier Ländern

Das Unternehmen könnte mit dem Kauf von Tiktok zu Google und Facebook aufschließen.

Der Softwareentwickler Microsoft hat sein Interesse an der Videoplattform Tiktok bestätigt. Man sei in Gesprächen mit dem chinesischen Mutterunternehmen Bytedance, um den US-Zweig der beliebten App zu kaufen, teilte das Unternehmen mit. Es sei auch mit US-Präsident Donald Trump über Sicherheitsbedenken diskutiert worden. Zuvor hatte es bereits Berichte über die Absicht von Microsoft gegeben, Tiktok zu erwerben.

Microsoft will einer Mitteilung zufolge Tiktok in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland übernehmen und betreiben. Das Unternehmen ging davon aus, dass die Gespräche bis zum 15. September andauern würden. Trump hatte am Freitag angekündigt, Tiktok in den USA verbieten zu wollen.

Die Mitglieder eines Komitees überprüften, ob dies möglich sei, sie seien sich jedoch einig, dass die App in der derzeitigen Form nicht weiterbestehen könne, sagte US-Finanzminister Steven Mnuchin.

Pompeo sieht viele Risiken

In der Fox-News-Sendung "Sunday Morning Futures" hatte US-Außenminister Mike Pompeo zuvor angekündigt, dass Trump gegen Sicherheitsrisiken durch Software in Verbindung mit China vorgehen wolle. Unternehmen wie Tiktok oder Wechat würden Daten an die Kommunistische Partei weiterleiten.

"Es könnten ihre Gesichtserkennungsmuster sein. Es könnten Informationen über ihren Wohnort, ihre Telefonnummern, ihre Freunde sein, mit wem sie verbunden sind", meinte Pompeo über die Nutzer der App.

Tiktok steht aber auch wegen mutmaßlicher Zensur von Videos in der Kritik, in denen die chinesische Führung kritisiert wird. Das Unternehmen hat sowohl Anschuldigungen der Zensur von für Peking heiklem Material als auch der Weitergabe von Daten vehement zurückgewiesen.

Microsoft betonte, dass eine Übernahme nur im Einvernehmen mit der Regierung und im Zuge einer Sicherheitsprüfung sowie klarer Belege für einen Nutzen der US-Wirtschaft infrage käme. Der Dialog mit der Trump-Regierung solle während der weiteren Gespräche mit Bytedance in den kommenden Wochen fortgeführt werden.

"Kronjuwel" der chinesischen Tech-Wirtschaft

Dabei sei der Konzern auch offen gegenüber anderen Investoren, die sich als Minderheitspartner beteiligen. Damit könnte sich eine Tür für eine Reihe bestehender amerikanischer Anteilseigner von Bytedance um den Wagniskapitalgeber Sequoia Capital öffnen, die wegen des drohenden Verbots der US-Regierung angeblich ebenfalls schon seit Längerem eine Übernahme auf eigene Faust anstreben. Microsoft betonte aber, dass die Verhandlungen in einem vorläufigen Stadium seien und es keine Sicherheit gebe, ob letztlich eine Einigung erzielt werde.

Tiktok ist eine international erfolgreiche Videoplattform, die in 65 Sprachen auf 175 Märkten angeboten wird. Nutzer können dort selbsterstellte Clips hochladen oder die von anderen ansehen. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. Tiktok versichert, es gehe der Plattform um kreative Inhalte, bei der "Privatsphäre und Sicherheit" geschützt würden. Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt.

Die Nutzerdaten würden in den USA gespeichert und verarbeitet. In den USA hat Tiktok nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer und ist damit ein äußerst attraktives Übernahmeziel - das Wall Street Journal zählt Tiktok zu den chinesischen Tech-Kronjuwelen.

Microsoft könnte aus dem politischen Gerangel um die App somit als Sieger hervorgehen. Tiktok verzeichnet rasantes Wachstum und gilt schon länger als angesagteste große Plattform bei jüngeren Leuten. Wie viel Microsoft für Tiktok zahlen müsste, ist bislang unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4987313
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
AP/dpa
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.