Süddeutsche Zeitung

Altersvorsorge:Riester-Rente beträgt oft nur 55 Euro im Monat

Viele Riester-Sparer können mit dem angesparten Geld ihre Rentenlücke nicht schließen: Sie bekommen im Ruhestand lediglich eine Mini-Rente.

Von Andreas Jalsovec

Anlegern, die verzweifelt den Zeiten nachtrauern, als es auf dem Sparbuch noch nennenswerte Zinsen gab, sei zur Gemütsaufhellung ein Blick in den Rentenversicherungsbericht 2020 der Bundesregierung empfohlen. Auf Seite 40 steht dort die Annahme zur langfristigen Verzinsung der Riester-Rente. Sie soll bei vier Prozent im Jahr liegen, auch künftig. Es gibt also Hoffnung für alle, die befürchteten, ein Leben lang auf Zinserträge verzichten zu müssen. Zumindest dann, wenn sie dem Bericht Glauben schenken.

Aufschlussreich ist hier allerdings der Blick in vorherige Rentenversicherungsberichte. Bereits 2005 ging die Regierung von einer Verzinsung von vier Prozent pro Jahr aus. Aber dies war zu der Zeit noch realistisch: Damals lag etwa die Umlaufrendite für Anleihen der öffentlichen Hand bei gut drei Prozent. Heute sind es minus 0,3 Prozent.

Schon deshalb sind die Zahlen, die der Bericht für die Höhe der Riester-Rente ausweist, eher Wunsch als Wirklichkeit. Zwar geht die Regierung mittlerweile angesichts anhaltender Niedrigzinsen für 2017 bis 2024 nur noch von 2,5 Prozent für Riester-Sparer aus. Anschließend soll der Zins aber bis 2030 wieder auf vier Prozent steigen. Auch das erscheint mehr als optimistisch.

Dasselbe gilt für die Höhe der Rente: Bei 121 Euro soll sie nach dem Bericht durchschnittlich für Sparer liegen, die 2021 in Ruhestand gehen. 2025 sollen es 171 Euro sein, für 2030 sind 252 Euro veranschlagt. Voraussetzung dafür ist nicht nur die optimistische Verzinsung. Wer diese Beträge erreichen will, muss seit 2002 auch stets den Höchstbetrag in die staatlich geförderte Altersvorsorge eingezahlt haben, und zwar lückenlos.

Ein Fünftel der Verträge ruht

Aber wer hat das schon? Alleine ein Fünftel der gut 16 Millionen Riesterverträge ruht nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums. Bei den übrigen zahlt bestenfalls ein Teil der Sparer jeden Monat den Höchstbetrag ein und kassiert so die volle Förderung. Kritik an den Zahlen übt daher auch der Sozialbeirat, der die Bundesregierung berät. Sowohl die erwartete Rendite als auch die tatsächliche Inanspruchnahme der Förderung spreche dafür, dass das von der Regierung angestrebte Versorgungsniveau "für einen beachtlichen Teil der Versicherten nicht erreicht wird", heißt es im Gutachten des Gremiums zu dem Bericht. Mit anderen Worten: Viele Riester-Sparer können mit dem angesparten Geld ihre Rentenlücke nicht schließen.

Tatsächlich liegen die Zahlungen aus den Riesterverträgen häufig unter den Werten, die der Rentenversicherungsbericht ausweist. In der Beratung sehe man "überwiegend zweistellige monatliche Rentenbeträge", sagt etwa Merten Larisch, Altersvorsorgeexperte bei der Verbraucherzentrale Bayern. Ein Grund dafür: Ältere Verbraucher haben eine vergleichsweise kurze Ansparzeit. Ihre Riester-Guthaben sind damit eher gering, und damit sind es auch die Rentenzahlungen.

Dass die Riester-Rente bislang oft nur eine Mini-Rente ist, zeigen auch Zahlen der Fondsgesellschaft Union Investment. Bei dem mit 1,8 Millionen Verträgen größten Anbieter von Riester-Fondssparplänen befinden sich derzeit rund 47 000 Kunden in der Auszahlphase. Die Höhe der monatlichen Auszahlung liege dabei im Schnitt bei 55 Euro, teilt der Anbieter mit. Allerdings nutze eine Mehrheit der Sparer dabei zu Beginn der Rentenphase die Möglichkeit, sich 30 Prozent der angesparten Summe direkt auszahlen zu lassen. Dadurch falle die monatliche Rente geringer aus. Etwa 53 000 Kunden haben sich darüber hinaus ihr Riester-Guthaben als sogenannte Kleinbetragsrente auf einen Schlag überweisen lassen. Das ist möglich, wenn die monatliche Rente besonders gering ist. Das heißt: weniger als 32,90 Euro - eine Mini-Rente eben.

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