Süddeutsche Zeitung

Apple:Ein angebissener Apfel garantiert keinen Erfolg

  • Apple muss erstmals wieder einen Gewinnrückgang verkraften. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, schon lange keine echten Neuerungen mehr vorzustellen.
  • Aber wie könnte das Unternehmen wieder zu alter Stärke zurückfinden? Als wahrscheinlich gilt zumindest, dass Apple an der Entwicklung eines Elektroautos tüftelt.

Von Helmut Martin-Jung

Ungewohnte Nachrichten aus Cupertino: 13 Jahre lang hatte der Technologiekonzern Apple stets nur von neuen Rekorden bei Umsatz und Gewinn berichtet. Erst waren es die iPod genannten Musikspieler, dann vor allem die iPhone getauften Internet-Handys, die Apple Milliarden um Milliarden einbrachten. Doch nun, im zweiten Quartal von Apples Fiskaljahr, dem ersten nach dem Weihnachtsgeschäft, muss die erfolgsverwöhnte Firma erstmals wieder einen Rückgang vermelden. Im Vergleich zum Vorjahr brach der Gewinn um 22 Prozent ein. Von seinem wichtigsten Produkt, dem iPhone, verkaufte Apple 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, auch der Umsatz ging um 13 Prozent zurück. Und die schlechte Nachricht ist: Auch das nächste Quartal wird Apple-Chef Tim Cook zufolge kaum besser werden.

Viele Apple-Kritiker sehen sich angesichts dieser Entwicklung bestätigt. Seit Jahren werfen sie dem Konzern vor, nur noch Iterationen erfolgreicher Produkte, aber keine echten Neuerungen herauszubringen. Lange konnte Apple solche Kritik mit dem Hinweis auf die märchenhaften Milliardengewinne locker niederbügeln. Nun wird das schwieriger, auch wenn - man sollte das nicht vergessen - Apple im vergangenen Quartal noch immer 10,5 Milliarden Dollar Gewinn gemacht hat.

Es wird auch deshalb schwieriger, weil Apple, wie dieses Mal auch, schon seit Jahren davon redet, dass man "großartige neue Produkte" in der Pipeline habe. Einzige neue Kategorie bisher aber ist Apples Computer-Uhr, die sich zwar besser verkauft als die der Konkurrenz. Zahlen verriet Cook aber auch dieses Mal keine, und seine Bewertung, ihr Verkauf in diesem Quartal habe "die Erwartungen erfüllt", klingt alles andere als euphorisch. Und sonst? Gab es Iterationen. Das iPhone 6 s, die kleine Variante SE, ein neues, superteures iPad und den immerhin ziemlich erfolgreichen Musik-Abonnement-Dienst Apple Music, der mittlerweile etwa 13 Millionen zahlende Kunden haben soll.

Eine ganze Branche lebt von den Spekulationen um neue Apple-Produkte

Von Apple erwartet man freilich mehr. Doch was könnten Produkte sein, mit denen die Firma noch einmal einen ähnlich singulären Einfluss gewinnen könnte, wie ihn das iPhone zu seiner besten Zeit hatte? Mittlerweile lebt ja eine ganze Branche spezialisierter Blogs und IT-Nachrichtenseiten ganz gut davon, zu spekulieren, was das nächste "One more thing" sein könnte. Mit diesem bewusst untertriebenen Spruch pflegte der verstorbene Firmengründer Steve Jobs bei Produktpräsentationen das eigentliche Highlight anzukündigen. Es gehört zum Erfolgsgeheimnis von Apple, dass Produkte unter höchster Geheimhaltung entwickelt werden, was die Gerüchteküche anheizt und die Erwartungen hochtreibt.

Als wahrscheinlich darf gelten, dass Apple an der Entwicklung eines Elektroautos tüftelt. An dem Titan genannten Projekt sollen etwa 1000 Leute mitarbeiten. Apple hat zuletzt außerdem immer wieder Leute aus der Automobilbranche abgeworben. Firmen wie Ford und andere nehmen das so ernst, dass sie ihre Anstrengungen, E-Autos zu entwickeln, massiv verstärkt haben. Nicht alles, woran Teams arbeiten, wird aber zu einem Produkt, und nicht jedes Produkt wird zu einem Erfolg, nur weil darauf ein angebissener Apfel klebt.

Von einem der größten Hype-Themen der vergangenen Monate, der virtuellen Realität, hat man von Apple noch sehr wenig gehört. Konkurrent Samsung hat längst eine ganz ordentlich funktionierende Brille auf dem Markt, die nur - man lernt ja auch von Apple - mit den eigenen Smartphones als Bildschirm und Rechenzentrale funktioniert.

Fans hoffen auf das iPhone 7

Und Apple? Hat vor knapp einem Jahr die Münchner Firma Metaio gekauft, einen Spezialisten für erweiterte Realität, mit der sich etwa Bildschirminhalte mit Zusatzinformationen anreichern lassen. Im Januar dieses Jahres kam auch noch die Software-Firma Flyby Media unter die Fittiche von Apple, die ebenfalls auf erweiterte Realität spezialisiert ist. Anwendungsmöglichkeiten dafür gibt es viele - besonders in Kombination mit einer entsprechenden Brille. Konkurrent Microsoft plant seit Längerem eine solche, liefert auch schon Prototypen an Entwickler aus, andere Anbieter wie etwa Epson sind bereits am Markt. Dass Apple hier nicht als Erster antritt, muss jedoch kein Nachteil sein - Smartphones gab es auch schon vor dem iPhone und Tablets vor dem iPad.

Zu Apple gehört auch der Musikspezialist Beats. Apple hat ihn zwar wohl vor allem wegen dessen Kontakten zum Musikbusiness gekauft, aber ein iPhone mit besseren Klangbauteilen - die auch im Kopfhörer stecken könnten - wäre eine Neuerung. Wenn auch keine, die auch nur annähernd eine ähnliche Auswirkung haben würde wie die Einführung des iPhones.

Apple-Fans hoffen deshalb vor allem zuerst einmal auf das für Herbst erwartete iPhone 7. Dieses soll sich allerdings, so die Gerüchtelage, äußerlich nicht allzu sehr von seinem Vorgängermodell unterscheiden.

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SZ vom 28.04.2016/jps
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