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Internethändler:Warum Amazon Haushaltsroboter mag

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Der Internetkonzern will iRobot kaufen, einen der führenden Hersteller von Saugrobotern. Dabei geht es auch um die Daten der Kunden - und der Deal könnte noch scheitern.

Von Helmut Martin-Jung

Es soll Menschen geben, die gerne staubsaugen. Für die meisten aber ist es eine eher lästige Pflicht. Kein Wunder also, dass sich Geräte, die einem zumindest einen Teil davon abnehmen, zum Verkaufsschlager entwickelt haben. Roboterstaubsauger können schon seit einigen Jahren auch feucht wischen, viele haben eine Absaugstation, sodass man die kleinen Helfer nicht nach jedem Durchgang entleeren muss. Einer der führenden Hersteller ist iRobot. Sein Chef Colin Angle hat schon an der Universität Roboter zusammengeschraubt, nun verkauft er seine Firma für 1,7 Milliarden Dollar an den Internethändler Amazon.

Gerätschaften wie die sprechenden Alexa-Boxen oder die smarten Türklingeln von Ring sind nicht unbedingt das Hauptgeschäft von Amazon. Doch zum einen rechnen viele damit, dass der Bereich stark wachsen wird. iRobot-Chef Colin Angle etwa sieht die alternden Gesellschaften als großen Absatzmarkt. "Wir brauchen Roboter, damit die Menschen länger selbständig leben können", sagte er schon vor einigen Jahren der SZ. Zum anderen aber gibt es für Amazon einen noch wichtigeren Grund für diese Investition: Daten.

Billige Saugroboter fahren blind durch die Gegend; stoßen sie irgendwo an, drehen sie in eine zufällige Richtung ab. Mit diesem Prinzip schaffen sie es irgendwann, einen Raum komplett abzufahren. Teurere Geräte wie die von iRobot hingegen orientieren sich im Raum mit Kameras, Laser und Sensoren. Da sie meist auch mit Servern der Hersteller kommunizieren, kennt dieser die Grundrisse der Wohnungen. Datenschützer halten das für problematisch, auch wenn Amazon verspricht, Daten seiner Kunden nicht an Dritte zu verkaufen.

Das Bild, das der Internethändler von seinen Kunden bekommt, wäre mit dem Kauf des Sauger-Herstellers jedenfalls ziemlich umfassend. Wer die smarten Türklingeln nutzt, Alexa-Lautsprecher und womöglich auch noch einen vernetzten Staubsauger, liefert dem Konzern jede Menge Daten über sein privates Umfeld. Hinzu kommt, dass vernetzte Geräte oft genug eine Angriffsfläche für digitale Attacken bieten. Je mehr solcher Geräte zusammenhängen, umso größer ist die Gefahr, dass eines über eine Schwachstelle angreifbar ist.

Noch ist aber der Deal nicht abgeschlossen, und es könnte sogar sein, dass es dazu gar nicht erst kommt. Denn - wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet - es gibt berechtigte Zweifel daran, ob die amerikanischen Kartellbehörden Amazon den Kauf von iRobot erlauben. Der Konzern versicherte zwar bereits, dass die Geräte weiterhin auch von anderen Anbietern verkauft werden dürften. Zudem würden sie sich auch künftig von den Smart-Home-Geräten anderer Anbieter wie etwa Google oder Apple aus steuern lassen.

Doch Kartell-Experten wie der von Reuters zitierte Jurist Ethan Glass halten es trotzdem für sehr wahrscheinlich, dass die FTC, die US-Kartellbehörde, die Sache in einem vertieften Verfahren prüft. Was dann schlimmstenfalls auch in ein Verbot des Deals münden könne. Für Amazon wäre das nicht bloß schlecht, weil man iRobot dann fast 100 Millionen Dollar zahlen müsste. Vor allem geht es dem Konzern um das große Geschäft, das man sich nicht entgehen lassen will: "Wir glauben", sagt der Leiter der Gerätesparte, Dave Limp, "dass in fünf bis zehn Jahren jeder Haushalt mindestens einen Roboter besitzen wird, der eine zentrale Rolle im täglichen Leben spielt."

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