bedeckt München
vgwortpixel

iRobot-Gründer Colin Angle:Wie aus einem Minen-Suchroboter ein automatischer Staubsauger wurde

Colin Angle

Colin Angle, der Chef von iRobot.

(Foto: Privat)

Was die Haushaltshelfer der Zukunft leisten sollen und wie nah diese Zukunft sein könnte: Ein Gespräch mit iRobot-Chef Colin Angle.

Nicht jeder hat das Glück, dass Beruf und Berufung deckungsgleich sind. Für Colin Angle, Chef von iRobot, dem US-Hersteller von Haushaltsrobotern, darf man das in hohem Maße annehmen. "An meinem ersten Tag am MIT fühlte ich mich wie im Himmel", erzählt Angle, 50. Überall im Labor seines Professors Rodney Brooks am renommierten Massachusetts Institute of Technology lagen Bauteile, Platinen und Elektromotoren herum - genau das Richtige also für einen, der sich selbst so beschreibt: "Ich wollte schon immer Sachen bauen."

27 Jahre ist das nun her, von seinem ersten sechsbeinigen Roboter, den er unter der Anleitung von Brooks zusammenschraubte und für den er einen Preis gewann, bis heute, da die Gerätschaften seiner Firma in Millionen von Haushalten ihren Dienst verrichten, war es ein langer Weg. Ein Weg, der auch deshalb schwierig war, weil das, was er vorhatte, Roboter zu bauen, eigentlich "völlig unfinanzierbar" war, wie Angle schmunzelnd erzählt. Auf jeden Fall funktionierten die traditionellen Methoden der Risikokapitalgeber nicht.

Spinnweben muss man immer noch per Hand aus den Ecken entfernen

Also ging es zu Beginn nur langsam und mühevoll voran, erst im achten Jahr bekam Angle erstmals Geld von Risikofinanzierern. Angle und sein Team entwickelten damals einen Mikro-Rover für die Nasa, dessen Technik die Weltraumbehörde dann bei ihrem Rover Sojourner verwendete. Außerdem lieferten sie Roboter an Forschungseinrichtungen, die sich keine eigenen bauen konnten oder wollten. Daneben versuchten sie auf vielen verschiedenen Sektoren Fuß zu fassen, darunter Spielzeug und Minensuch-Roboter.

Roboter Die Roboterfrau hat Angst, fett auszusehen
Plan W
Künstliche Intelligenz

Die Roboterfrau hat Angst, fett auszusehen

Das Frauenbild, das menschenähnliche Maschinen transportieren, ist zweifelhaft. Über die Chance, Geschlechterrollen umzuprogrammieren.   Von Julia Rothhaas

Aus den beiden letzten Geschäftsfeldern entstand schließlich die Idee für das, was iRobot heute zum Marktführer macht: ein automatischer Staubsauger. "Vor einigen Jahren haben wir uns zusammengesetzt und entschieden, dass wir uns auf Geräte für den Haushalt konzentrieren", sagt Angle, "darin sahen wir eine echte Chance."

Doch allzu weit ist die Industrie bisher noch nicht gekommen. Am ehesten klappt es mit Staubsaugern, die mittlerweile ganz brauchbar darin geworden sind, in der Abwesenheit der Bewohner die Grundreinigung vorzunehmen. Spinnweben muss man aber immer noch per Hand aus den Ecken entfernen, auch die Staubsauger-Roboter wollen gesäubert werden, und manche Stellen schaffen sie einfach nicht.

"Roboter, hol mir ein Bier!"

Viel Luft nach oben also, das sieht auch Colin Angle so. "Die nächste Generation muss vor allem ein besseres Verständnis für ihre Umwelt entwickeln", sagt er. Roboter würden schon seit Jahren verstehen, wenn man ihnen sagt, "Hol mir ein Bier!" Nur sie wüssten nicht, dass das Bier im Kühlschrank oder im Keller steht, noch, wie man dort hinkommt. "Was ist ein Raum, was ist da drin" - dass die Geräte das nicht wissen, habe die Robotik schon immer zurückgeworfen.

Erst wenn dieses Verständnis deutlich verbessert sei, könnte man an Roboter denken, die auch andere Jobs im Haushalt übernehmen, etwa Geschirr spülen oder Wäsche waschen. "Womöglich schon in fünf Jahren", sagt Angle, "auf jeden Fall in weniger als zehn" werde man solche Roboter sehen. Die treibende Kraft dahinter sei aber nicht der Wunsch nach Bequemlichkeit, sondern die zunehmende Alterung der Gesellschaft. "Wir brauchen Roboter, damit die Menschen länger selbständig leben können", sagt er. Die Alternative dazu - die Unterbringung in Altersheimen - wäre teurer und die Qualität schlechter.

Bei iRobot beobachtet man das schon jetzt. Das Gros der Nachfrage für Roboter-Staubsauger komme nicht etwa von jüngeren Menschen, die keine Zeit oder keine Lust zum Saugen haben, sondern von Älteren, denen das schwerfällt. "Für die ändert das das Leben", sagt er. Daher seien die Geräte auch so konstruiert, dass man sie sehr leicht bedienen könne. Man braucht dazu nicht mal eine App. Es gibt sie zwar, aber "sie dient nur dazu, die Zeiten einzustellen, in denen der Sauger arbeiten soll, wenn man nicht zu Hause ist". Die Jüngeren würden aber mit der Technik aufwachsen und sich an Roboter im Haushalt gewöhnen. "Viele von denen", sagt Angle, "haben schon gar keinen großen Staubsauger mehr."

© SZ vom 17.01.2018/mahu
Technologie So wohnen wir morgen

Smarthome

So wohnen wir morgen

Das Internet der Dinge zieht ein: Herdplatten, Sessel und Spiegel wissen alles über die Bewohner. Ein Besuch in Bielefeld - in der Wohnung der Zukunft.   Von Jan Schwenkenbecher

Zur SZ-Startseite