Süddeutsche Zeitung

Adidas-Chef Rorsted:"Pokalfinale statt in Berlin in Shanghai"

Der neue Adidas-Chef Kasper Rorsted hält die Kommerzialisierung im Fußball für längst nicht am Ende - im Gegenteil. Und Deutschland sei weit hinterher.

Von Uwe Ritzer

Mit seinem Lokalrivalen, Puma-Chef Björn Gulden, hat er schon ausführlich gesprochen. "Er hat norwegisch geredet, ich dänisch", erzählt Kasper Rorsted. Seit gut einem halben Jahr ist der Däne Vorstandsvorsitzender des Sportartikelherstellers Adidas. Zumindest sprachliche Verständigungsprobleme mit seinem aus Norwegen stammenden Konkurrenten Gulden habe es nicht gegeben, erzählt Rorsted im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Norwegisch und dänisch - "das ist wie hochdeutsch und bayerisch", sagt Rorsted.

Klartext redet der neue Adidas-Chef auch, wenn es um die Kommerzialisierung des Fußballs geht: Die sei noch lange nicht am Ende angelangt, sagt Rorsted - und fordert sogar, sie voranzutreiben und dabei die Bundesliga internationaler auszurichten. "Was spricht dagegen, wenn künftig ein DFB-Pokalfinale statt in Berlin in Shanghai ausgetragen würde?" Das sei "eine Chance" für den deutschen Fußball und obendrein "eine logische Konsequenz aus der Digitalisierung". Diese nämlich mache es jetzt schon möglich, Spiele etwa des FC Bayern nicht nur in Deutschland, sondern weltweit live zu verfolgen.

Um die Bundesliga wieder spannender zu machen, fordert der Adidas-Chef zudem eine Öffnung für Investoren. "Ich bin ganz klar für die Abschaffung der 50-plus-eins-Regel", sagt Rorsted. Diese besagt, dass kein Investor einen deutschen Profiklub führen, sondern immer eine Stimmenmehrheit beim Verein selbst liegen muss. Unsinn, meint der Adidas-Chef. Ließe man zu, dass Investoren die Vereine übernehmen, "wären größere Investitionen in Bundesligaklubs möglich und die Liga würde wieder spannender, weil echter Wettbewerb entstünde". Als Beweis rät Rorsted zum Blick auf die britische Premier League, wo der Kampf um den Meistertitel inzwischen weitaus attraktiver sei als in der Bundesliga.

Adidas selbst will in den kommenden Jahren vor allem das eigene US-Geschäft forcieren und das eigene Internetgeschäft ausbauen. Bis 2020 sollen die Umsätze aus dem Online-Verkauf auf vier Milliarden Euro vervierfacht werden - auch ohne Mehrheit an einem Club.

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