Süddeutsche Zeitung

Guide Michelin:Restaurant von Paul Bocuse verliert dritten Stern

  • Paul Bocuse starb 2018 und war Miterfinder und Wegbereiter der Nouvelle Cuisine.
  • In seiner Auberge du Pont-de-Collonges werden seit Jahrzehnten seine klassischen Gerichte ohne jede Veränderung nachgekocht.
  • Deren Qualität sei "hervorragend geblieben", so der Michelin-Chef Poullennec, "wenn auch nicht mehr ganz auf dem Niveau von drei Sternen".

In Frankreich schreitet die Küchengötterdämmerung fort: Nun soll auch das Restaurant des verstorbenen Starkochs Paul Bocuse im demnächst erscheinenden neuen Guide Michelin seinen dritten Stern verlieren, den es seit 1965 hält. Erst vor einem Jahr hatte Marc Haeberlins Auberge de L'Ill nach 52 Jahren ihren dritten Stern eingebüßt. Nun trifft dieses Schicksal auch die Auberge du Pont-de-Collonges bei Lyon, wie die französische Zeitung Le Point berichtet. Der Guide Michelin hat den Exklusivbericht mittlerweile bestätigt.

Das Restaurant ist das Stammhaus des Gastro-Imperiums von Paul Bocuse, der Anfang 2018 im Alter von 91 Jahren verstorben ist und als Miterfinder und Wegbereiter der Nouvelle Cuisine galt - einer Küchenrichtung, die den Eigengeschmack der Nahrungsmittel hervorhebt, allzu opulente Saucen vermeidet und auf Leichtigkeit setzt. In der Auberge du Pont-de-Collonges werden seit Jahrzehnten die klassischen Gerichte von Bocuse ohne jede Veränderung nachgekocht, was ihm den Ruf eines Museums der Kochkunst des ausgehenden 20. Jahrhunderts eingebracht hat.

Nun scheinen die Tester des französischen Guide Michelin an der glanzvollen kulinarischen Geschichte Frankreichs zu kratzen. Laut Le Point ist Gwendal Poullennec, Chefredakteur des Gourmetführers, persönlich nach Lyon in die Auberge gekommen, um der Restaurantleitung die Nachricht von der Herabstufung zu überbringen. In Frankreich wird die Aberkennung des dritten Sterns als "Erdbeben in der gastronomischen Landschaft" und als "Elektroschock" für Spitzenköche gewertet. Schließlich hatten 2019 bereits Haeberlin, Marc Veyrat und Pascal Barbot ihren dritten Stern abgeben müssen.

Dem Andrang wird der Verlust wohl keinen Abbruch tun

Paul Bocuse gilt weltweit als Ikone der französischen Kochkunst und beeinflusste zahlreiche internationale Köche wie in Deutschland Eckart Witzigmann und Heinz Winkler. Gourmets aus aller Welt besuchten sein Stammhaus, dessen "Qualität hervorragend geblieben ist", so Michelin-Chef Poullennec laut Le Point, "wenn auch nicht mehr ganz auf dem Niveau von drei Sternen".

Dem Andrang wird das wohl keinen Abbruch tun, schließlich wollen die Auberge-Gäste Bocuse-Originale wie die berühmte schwarze Trüffelsuppe mit Blätterteighaube, die er 1975 für den damaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing kreierte, so authentisch wie möglich genießen. Bocuse war auch ein gewiefter Geschäftsmann, er gründete mehr als 20 Restaurants, unter anderem auch in Japan. Er soll ein Vermögen von 50 Millionen Euro hinterlassen haben.

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