Süddeutsche Zeitung

Trainer-Rauswurf in der Bundesliga:Skibbe muss gehen - Chaos bei der Hertha

Fünf Pflichtspiele, fünf Niederlagen: Die krisengeschüttelte Berliner Hertha entlässt nach nur wenigen Wochen ihren gerade erst verpflichteten Trainer Michael Skibbe - Manager Michael Preetz spricht von einer "Fehleinschätzung". Am Dienstag soll zunächst ein Interimstrainer übernehmen. Zuvor hatten wütende Fans das Trainingsgelände gestürmt.

Langweilig wird es in Berlin in diesem eiskalten Winter nicht - schon gar nicht in sportlicher Hinsicht. Erst erstaunte Hertha BSC vor Weihnachten die Öffentlichkeit mit der Führungs-Schmonzette um den ehemaligen Trainer Markus Babbel und Manager Michael Preetz und jetzt setzen sich die Chaostage fort: Der Hauptstadtklub hat sich nach nur fünf Spielen von Trainer Michael Skibbe getrennt. Das bestätigte der Kapitän des Berliner Fußball-Bundesligisten, André Mijatovic, am Sonntag.

Die Mannschaft sei vor dem Training darüber informiert worden. Der 46 Jahre alte Coach war erst in der Winterpause verpflichtet worden, hatte in der Rückrunde aber alle vier Liga-Partien und das Viertelfinale im DFB-Pokal verloren. Skibbe hatte den Posten nach dem kuriosen Rauswurf von Babbel im Dezember übernommen.

Für den ohnehin mit rund 35 Millionen Euro verschuldeten Verein dürfte die vierte Trainerentlassung unter Manager Preetz sehr teuer werden: Skibbe war aus seinem Vertrag beim türkischen Erstligisten Eskisehirspor herausgekauft worden und hatte in Berlin einen Kontrakt bis 2014 erhalten. Angeblich planen die Berliner zunächst mit einer Interimslösung. Im Gespräch ist der bisherigen U19-Trainer der Hertha, Ex-Profi Rene Tretschok.

"Es ist auch meine Verantwortung für Hertha BSC, diese Fehleinschätzung zu korrigieren", sagte Preetz am Mittag. "Besonders die Art und Weise der Niederlage in Stuttgart hat uns zum Handeln gezwungen."

Beim 0:5 gegen die Schwaben hatten die Berliner vor allem in der ersten Halbzeit kaum Gegenwehr gezeigt - und die zehnte Niederlage bei einem Bundesligaspiel in Serie kassiert. "Das war eine katastrophal desolate Leistung. Wenn wir so weiterspielen, steigen wir ab", sagte Innenverteidiger Mijatovic. So deprimierend schwach wie beim 0:5 (0:4)-Debakel gegen die vor diesem Schlüsselspiel ebenfalls schwer angeschlagenen Schwaben hatten sich die Berliner in dieser Saison noch nicht präsentiert.

Skibbe selbst sprach schonungslos von "einer absoluten Katastrophe". So eine "schlimme erste Halbzeit" habe er als Trainer noch nie erlebt. Bereits nach dem Samstagsspiel gab es erste Spekulationen, wie lange sich Skibbe noch würde halten können - die Antwort: gar nicht.

Am Tag nach der verheerenden Niederlage stürmten rund 200 Hertha-Fans das Vereinsgelände in Berlin. Die Anhänger drängten sich an den Sicherheitskräften vorbei, als ein Teil der Mannschaft mit dem Auslaufen begann. Bei eisigen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein spielten sich auf dem Trainingsgelände nahe des Olympiastadions skurrile Szene ab: Als die Fans eine Schranke überwunden hatten, folgten sie den Spielern stumm im Abstand von rund 300 Metern.

Nach wenigen Minuten kehrten die Profis wieder in das Clubhaus zurück. Offenbar kam es dann zu wüsten Beschimpfungen. Darum entschied sich der Klub, eine kurzfristige Aussprache von Spielern mit den Fans anzusetzen, um die Situation zu beruhigen.

Am Dienstag werde zunächst ein Übergangscoach die Mannschaft betreuen, kündigte Preetz an. "Aber natürlich werden wir nach einem neuen Trainer suchen." Die Entscheidung, sich nach nur fünf Spielen wieder von Skibbe zu trennen, sei am Sonntagmorgen getroffen worden. Preetz übernahm die Verantwortung, in Skibbe nicht den richtigen Trainer ausgewählt zu haben. Persönliche Konsequenzen schloss er aber aus.

"Sie kennen mich ja ein paar Tage", bemerkte er auf einer spontanen Pressekonferenz. "Ich bin a) ein Kämpfer, der b) nicht wegläuft. Und c) macht es auch nicht jeder, Fehler einzuräumen."

Die Entlassung Skibbes ist der sechste Trainerwechsel der laufenden Saison in der Bundesliga. Zuvor hatten Babbel (Hertha), Marcus Sorg (SC Freiburg), Michael Oenning (Hamburger SV) und Holger Stanislawski (1899 Hoffenheim) gehen müssen. Ralf Rangnick trat bei Schalke 04 wegen eines Burn-outs zurück.

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