Süddeutsche Zeitung

Tottenham in der Premier League:Mourinho siegt und lobt sich selbst

  • Tottenham Hotspur gewinnt das erste Spiel unter Coach José Mourinho 3:2 bei West Ham.
  • Mourinho lobt sich selbst: "Wir haben Glück, dass ich so viele Jahre in der Premier League bin."
  • Hier geht es zur Tabelle in England.

Um kurz beim Gedankengang von Jürgen Klopp zu bleiben: Ja, José Mourinho geht es nun besser. Wie er da stand, ganz in Schwarz gekleidet, die Hände lässig in den Taschen, ein spitzbübisches Mourinho-Lächeln im Gesicht. Am Freitag hatte Trainerkollege Klopp noch gefrotzelt: "Er war verzweifelt, das konnte man sehen, als er nicht da war." Vor dem Spiel von Tottenham gegen West Ham scherzte Mourinho mit den Einlaufkindern, er ist wieder da.

Und die Premier League ist um eine Attraktion reicher, an diesem Umstand ließ Mourinho selbst in den vergangenen Tagen keinen Zweifel. 700 Textnachrichten hätten ihn nach Bekanntgabe der Verpflichtung durch die Tottenham Hotspur erreicht, berichtete der frühere Coach von Chelsea, Real Madrid und Manchester United, an diesem Samstag dürfte die ein oder andere hinzugekommen sein. Im Londoner Derby gewann Tottenham nach fünf Ligaspielen ohne Sieg gleich mal mit 3:2 (2:0), es war der erste Liga-Sieg in der Fremde, die schlimmste Auswärtsbilanz der Spurs seit 2001 ist damit zumindest etwas aufgehübscht.

Und der Mourinho-Faktor, er wirkt bereits.

"Wir haben Glück, dass ich so viele Jahre in der Premier League bin", lobt sich Mourinho selbst

Als der Portugiese noch Chelsea-Trainer war, hatte er mal versprochen, nie zu einem Stadtrivalen zu wechseln. "Das war, bevor sie mich rausgeschmissen haben", sagte Mourinho nun. Für sein erstes Spiel als Tottenham-Coach (als Nachfolger von Mauricio Pochettino) hatte der vor allem für seine Defensivkünste gerühmte Trainer eine ziemlich offensive Formation gewählt: mit Lucas Moura, Dele Alli und Heung-Min Son im offensiven Mittelfeld, davor noch Harry Kane als Spitze. Nach Pass von Alli legte Kane den Ball früh ins Netz - jedoch aus Abseitsposition, der Treffer zählte nicht.

West Ham, selbst seit acht Ligaspielen sieglos, war zu schwach, um Mourinho den Einstieg bei Tottenham ernstlich vermiesen zu können. Nach dem wuchtigen 1:0 durch Son (36.) ballte Mourinho erstmals seit elf Monaten, als er in Manchester gehen musste, sehr energisch die Faust zum Jubel. Kurz vor dem 2:0 durch Moura (43.) klatschte er schon in den gelungenen Flankenlauf von Son hinein, wenige Sekunden später lag der Ball zum zweiten Mal im Netz. Kurz nach der Pause machte Kane (49.) mit seinem zweiten Treffer scheinbar alles klar. Tottenham spielte so flink, wie vor einem halben Jahr unter Pochettino, als dieser das Team bis ins Champions-League-Finale führte.

Doch die Spurs im Herbst 2019 haben wenig mit den Spurs aus dem Frühjahr gemein, da wartet noch etwas Arbeit auf Mourinho. 20 Minuten vor Schluss war es plötzlich vorbei mit der Spielfreude und die allgemeine Verunsicherung kehrte zurück. Michail Antonio (73.) traf erst zum 1:3 für West Ham, dann zählte ein Treffer durch Declan Rice wegen Abseits nicht (89.), ehe Angelo Ogbonna doch noch zum Anschluss traf - zu spät, in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Mourinho schien zerknirscht zu sein, dass es noch einmal so knapp geworden war: "Ich war wirklich glücklich, bis wir diese zwei Gegentore kassiert haben."

Woran es nun lag, dass Tottenham trotzdem siegen kann? Der Trainer hat eine Ahnung. "Zur Halbzeit habe ich die Spieler gewarnt, dass das Spiel noch offen ist, auch wenn wir in der 85. Minute 3:0 führen", sagte Mourinho, aber: "Wir haben Glück, dass ich so viele Jahre in der Premier League bin." Etwas bescheidener schob er hinterher: "Es geht nicht um mich, es geht um die Spieler und den Verein. Ich hatte keinen Einfluss. Nichts. Ich habe ihnen nur ein wenig geholfen, dieses Match zu gewinnen." Er ist wieder da.

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