Süddeutsche Zeitung

Olympia:Coole Monsterblocks

Das deutsche Beach-Duo Ludwig/Walkenhorst treibt die Brasilianerinnen zur Verzweiflung - im Stadion an der Copacabana wird es plötzlich still. Jetzt geht es um Gold.

Was als ein olympisches Halbfinale begann, ging rasch in eine Lehrstunde über und endete als Demontage: Mit einem 2:0 (21:18, 21:12)-Sieg über die Brasilianerinnen Larissa/Talita zogen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst ins Beachvolleyball-Finale ein; sie brauchten dafür nur 31 Minuten. Als erstes deutsches und zugleich europäisches Frauenteam stehen sie im Endspiel bei Olympia. Auch Olympiasieger Julius Brink geriet in der ARD ins Schwärmen: "So stark habe ich sie noch nie gesehen. Ich bin vollauf begeistert."

Alles dürfte nun möglich sein, das deutsche Duo hat sich im Sand der Copacabana von Spiel zu Spiel enorm gesteigert und Dienstagabend die stärkste Partie überhaupt abgeliefert. Am Ende spielten sie wie im Rausch und pulverisierten förmlich die beiden Brasilianerinnen, die bei den letzten Ballwechseln allenfalls noch körperlich anwesend waren. Und das feierselige Publikum schwieg geschockt.

Teampsychologische Gespräche

Dabei hatte die Partie ganz anders begonnen. Ludwig/Walkenhorst zeigten die, ebenfalls schon fast üblichen, Startschwierigkeiten, es unterliefen ihnen leichte Fehler am Netz, auch die Risiko-Aufschläge kamen nicht. Die Brasilianerinnen zogen flott auf 14:11 davon, ohne wirklich gefordert worden zu sein. In solchen Fällen bietet sich eine Auszeit an, um den Kopf freizubekommen, was ja im Beachvolleyball ohnehin "von ganz entscheidender Bedeutung" ist, wie Laura Ludwig versichert.

Täglich befinden sich die beiden Deutschen in teampsychologischen Gesprächen, wie ein allzu lang vertrautes Ehepaar, "da muss dann schon ein Mediator dabei sein", sagt die 30-jährige Berlinerin. Ludwig ist die Erfahrene, aber trotzdem die Ungestümere im deutschen Duo, die 25-jährige Walkenhorst neigt eher zur inneren Einkehr.

Und dann: Monsterblock!

Die Auszeit in der kritischen Phase des ersten Satzes nutzten sie jedenfalls zu einer kleinen Intensiv-Sitzung, was manchmal auch ohne Mediator sein muss, und als sie wieder auf den Sand liefen, stellte sich eine Wirkung ein, als hätte ein unsichtbares Betreuerteam mal eben den Schalter umgelegt. Kaum ein Fehler unterlief dem deutschen Duo mehr, sie wirkten nun kühl bis ins Herz. Mit maschineller Präzision spulten sie ihre Repertoire ab, wie eine dunkle Welle erhob sich die mit schwarzen Tapes zugepflasterte Kira Walkenhorst wieder und wieder am Netz und drosch - Monsterblock! - den erst verdutzten, dann immer verzweifelteren Brasilianerinnen ihre Schmetterversuche zurück ins Feld.

Larissa/Talita selbst gelang kein einziger Block, was aber frühzeitig an Bedeutung verlor, weil ihnen auch sonst nichts mehr gelang in dieser Partie. Ludwig/Walkenhorst hatten sie wohlweislich erst gar nicht in eine spannende Schlussphase eintreten lassen - so hält man das Stadion ruhig, was beim Beachvolleyball im Kraftwerk an der Copacabana ja von entscheidender Bedeutung ist. Schon im Viertelfinale hatte sich das einheimische Duo äußerst schwer getan beim 2:1-Sieg über die Schweiz, da aber half in den spannenden Satz-Finals das ohrenbetäubende Publikum. Im Halbfinale gegen die Deutschen, die in der Form ihres Lebens sind und nicht als Außenseiter ins Match um Gold gehen, kam es gar nicht so weit: Larissa/Talita war schon nach einer Viertelstunde nicht mehr zu helfen.

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Quelle:
SZ vom 17.8.2016/jbe
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