Süddeutsche Zeitung

Verletzung von Neymar:Streit um den fünften Knochen

  • Neymar hat sich am Mittelfuß verletzt, doch wo genau, daraus wird ein Geheimnis gemacht.
  • Zwischen Neymars Klub Paris Saint-Germain und dem brasilianischen Verband tobt bereits eine Ärztedebatte.
  • Die drängendste Frage: Wann wäre es ratsam, den teuersten Fußballer der Geschichte wieder spielen zu lassen?

Die Reprise des Dramas um den fünften Mittelfußknochen des brasilianischen Stürmers Neymar hält seinen Klub Paris Saint-Germain und die Seleção weiter in Atem. Auch am Dienstag war noch nicht offiziell verlautbart, wie schwer die Blessur ist, die Neymar Jr. vor einer Woche beim Pokalsieg von PSG gegen Racing Straßburg (2:0) am rechten Fuß erlitt - vor allem blieb unklar, ob er sich besagten Mittelfußknochen wie vor knapp einem Jahr erneut gebrochen hat.

Doch im Hintergrund tobt wieder eine heftige Medizinerdebatte um die ideale Therapie - beziehungsweise um die Frage, wann es ratsam wäre, den teuersten Fußballer der Geschichte wieder spielen zu lassen.

Neymar, 26, war im Sommer 2017 für eine Ablöse von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona an die Seine gewechselt, sein Gehalt liegt bei 30 Millionen Euro netto; entsprechend werden nun weder Mühen noch Kosten gescheut, seinen Fuß wieder gesunden zu lassen. Ein Triumvirat angesehener Mediziner aus drei Ländern soll sich über die Röntgenbilder beugen. Namentlich bekannt ist Rodrigo Lasmar, der Arzt der brasilianischen Nationalelf, der Neymar im vergangenen Jahr operiert hat. Laut der Zeitung L'Équipe wurde zudem ein deutscher Experte zurate gezogen.

Für PSG ist sein Ausfall ein brutaler Rückschlag

Damals setzte sich Brasiliens Verband durch: Während PSG den unersetzlichen Neymar unter dem damaligen Trainer Unai Emery trotz Verletzung in der Champions League gegen Real Madrid einsetzen wollte und dann für eine konservative Behandlung eintrat, warb Brasiliens Verband CBF mit Blick auf die Weltmeisterschaft in Russland 2018 für einen chirurgischen Eingriff; der wurde letztlich in Brasilien durchgeführt. Nun wiederholen sich die Diskrepanzen unter umgekehrten Vorzeichen. Die Ärzte von PSG raten zur Operation, die Brasilianer setzen diesmal auf eine konservative Therapie.

Denn im vergangenen Jahr wurde Neymar in dem kleinen Knochen eine Schraube eingesetzt. Das verkompliziert einen neuerlichen Eingriff. Aus Paris war am Dienstag zu hören, dass Neymar sich dort wieder einen Haarriss zugezogen habe.

Zuvor hatte Le Parisien berichtet, auf den Röntgenbildern seien "Züge einer Fraktur" zu erkennen. L'Équipe wiederum versicherte, diese seien nicht auf einen neuerlichen Bruch zurückzuführen, sondern mit der Fraktur aus dem Jahr 2018 identisch. Derartige Risse seien auf Röntgenbildern durchaus jahrelang zu sehen. Für zusätzliche Verunsicherung sorgt auch die Krankenakte Manuel Neuer. Der Torwart des FC Bayern und der deutschen Nationalelf erlitt nach einem Mittelfußbruch ebenfalls Rückfälle. Ende Dezember räumte er im SZ-Interview ein, dass die Fortsetzung seiner Karriere gefährdet war.

Wie auch immer die ärztlichen Debatten um Neymar ausgehen - für PSG ist sein Ausfall ein brutaler Rückschlag. Im Orchester von Thomas Tuchel nimmt der Brasilianer eine Schlüsselrolle ein, auf der Bank gibt es keinen Ersatz. Der Markt schließt am Donnerstag. Die Zeit drängt, denn Neymar wird wohl mindestens bis Ende März, womöglich bis Saisonende fehlen. In der heimischen Liga ist das nicht von Belang, PSG führt nach 22 Spieltagen die Tabelle souverän mit 13 Punkten Vorsprung vor OSC Lille an. In der Champions League aber stehen am 12. Februar und 6. März die Achtelfinalpartien gegen Manchester United an. Und der Sieg in der europäischen Königsklasse ist die große Obsession der aus Katar stammenden Eigner von PSG.

PSG-Zugang Peredes hatte in Russland Imageprobleme

Das Interesse der brasilianischen Nationalmannschaft ist nur mäßig geringer. Vom 14. Juni bis zum 7. Juli findet in Brasilien die Copa América statt, eine Art Mini-WM, bei der ein Sieg Brasiliens "praktisch eine Verpflichtung" ist, wie die Zeitung O Estado de São Paulo am Dienstag schrieb. Vorläufig hat Brasiliens Nationaltrainer Tite bereits erklärt, Neymar nicht für die Ende März anstehenden Freundschaftsspiele berufen zu wollen, in Prag gegen die Tschechische Republik sowie gegen einen noch nicht benannten Gegner.

"Und wenn es mich den Job kostet: Ich werde nicht die Gesundheit des Spielers opfern, ich werde diesen Preis nicht bezahlen", versicherte Tite, der am Wochenende eine Expressreise nach Paris angetreten hatte, um Neymar zu sprechen. Auch der Teammanager der brasilianischen Auswahl, Edu Gaspar, wandte sich gegen brasilianische Alleingänge in Sachen Neymar. "Wir dürfen nicht vergessen, dass Neymar ein Spieler von PSG ist", sagte Gaspar.

Der Preis für Peredes: angeblich 40 Millionen Euro

Trotz Neymars Blessur wurde der PSG-Stürmer Jesé Rodríguez am Dienstag nach Spanien ausgeliehen, der frühere Real-Madrid-Profi unterschrieb bei Betis Sevilla einen Vertrag bis zum Saisonende. Paris Saint-Germain wiederum gab die Verpflichtung von Leandro Paredes, 24, von Zenit St. Petersburg bekannt - für eine Ablöse von angeblich 40 Millionen Euro.

Das ist ein stolzer Preis für einen Mittelfeldspieler, der nur zweite Wahl war. Ursprünglich wollte Paris ja Frenkie de Jong verpflichten, doch der 21-Jährige von Ajax Amsterdam entschied sich gerade für den FC Barcelona. Handlungsbedarf besteht bei Paris Saint-Germain, weil Marco Verratti derzeit verletzt und Adrien Rabiot in Ungnade gefallen ist.

Paredes hatte übrigens in Russland auch Imageprobleme. Der glühende Boca-Juniors-Fan hatte bei einem Punktspiel eine gelbe Karte provoziert, um eine Sperre heraufzubeschwören und so zum Superclásico nach Argentinien reisen zu können - zum Finale um die südamerikanische Champions League, die Bocas Erzrivale River Plate gewann.

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SZ vom 30.01.2019/ebc
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