Süddeutsche Zeitung

NBA:Cleveland meldet sich mit furiosem Sieg zurück

  • Die Cleveland Cavaliers gewinnen das vierte Spiel der NBA-Finalserie gegen die Golden State Warriors 137:116.
  • Dadurch verkürzten die Cavaliers den Rückstand in der Best-of-Seven-Serie auf 1:3.
  • Die Warriors verpassten nicht nur den vorzeitigen Gewinn ihres fünften Titels, sondern auch eine historische Bestmarke.

Von Claus Hulverscheidt, Cleveland/New York

Nein, so schmachvoll sollte es dann doch nicht enden. Viel war diskutiert worden vor diesem vierten Finalspiel der US-Basketballliga NBA, ob die Golden State Warriors wohl tatsächlich Geschichte schreiben und als erstes Team überhaupt die gesamte Playoff-Serie mit 16 Siegen und ohne Niederlage abschließen würden. Doch wer vor der Partie in die Gesichter von LeBron James und Kyrie Irving sah, den prägenden Figuren des Endspielgegners aus Cleveland, der ahnte: So einfach würde das mit dem Geschichtsbuch nichts werden.

Nun ist das so eine Sache mit den grimmig-entschlossenen Gesichtern, die man so oft sieht vor einem wichtigen sportlichen Wettkampf. Doch anders als in den bisherigen Spielen, die James und seine Mitstreiter mehr oder weniger deutlich verloren hatten, ließen die Cleveland Cavaliers ihrer furchteinflößenden Mimik diesmal auch einen entsprechenden Auftritt folgen.

Von der ersten Sekunde an walzte der Titelträger des vergangenen Jahres den Favoriten aus Oakland nieder. Nach gerade einmal sechs Minuten stand es 29:13, am Ende des ersten Viertels hatte Cleveland sage und schreibe 49 Punkte auf dem Konto - so viele wie noch nie ein Team seit Gründung der Liga im Jahr 1946. Die Cavaliers siegten schließlich daheim mit 137:116, beide Mannschaften ziehen nun wieder nach Oakland um, wo in der Nacht zu Dienstag das fünfte von maximal sieben Spielen ansteht. Golden State ist nach drei überzeugenden Siegen und trotz der jetzigen Niederlage weiterhin Favorit.

Ein verbissenes Spiel

Dass die Cavaliers um ihren Superstar James zum Erstaunen mancher noch im Geschäft sind, verdanken sie vor allem ihrer aggressiven Verteidigungsarbeit, mit der sie dem sonst so kombinationsfreudigen Gegner aus Kalifornien den Schneid abkauften. Sechs Ballverluste standen für Golden State zu Beginn des zweiten Viertels bereits zu Buche, im gesamten ersten Match vor ein paar Tagen waren es nur ganze vier gewesen. Wie verbissen es zuging, zeigte eine Szene gegen Ende des dritten Viertels, als gleich fünf Spieler beider Mannschaften am Boden lagen und um den Ball rangelten - einmal mehr mit dem besseren Ende für die Mannen aus Ohio.

Hinzu kam ein Wurfglück, wie es auch Profi-Basketballer nicht jeden Tag haben und an dem sich das Team wie die Zuschauer von Beginn an regelrecht berauschten. Allein 24 von 45 Drei-Punkte-Versuchen versenkten die Cavaliers - eine überragende Quote. Zeitweise hatte man das Gefühl, die Spieler könnten an diesem Abend auch vom Parkplatz aus werfen und der Ball würde seinen Weg in den Korb finden. Dabei sind Distanzwürfe eigentlich eine der vielen Spezialitäten, die den Gegner aus Oakland auszeichnen. Doch vor allem Stephen Curry, der wertvollste Ligaspieler des vergangenen Jahres, blieb an diesem Abend hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Außer James, Irving und Kevin Love, den Großen Drei aus Cleveland, wussten diesmal auch die Ergänzungsspieler der Cavaliers zu überzeugen. Center Tristan Thompson, der in den vergangenen Spielen einmal mehr den Eindruck vermittelt hatte, er habe mit dem Abschluss eines Mega-Vertrags sämtliche Ziele als Profisportler erreicht, pflückte allein in den ersten Minuten gleich fünf Abpraller vom Brett und sicherte seinem Team damit weitere Angriffsmöglichkeiten. Auch J.R. Smith, dem es oft gelingt, binnen Sekunden zwischen Weltklasse und Kreisklasse hin und her zu schalten, lieferte mit verwandelten Drei-Punkte-Würfen zur rechten Zeit eine überzeugende Partie ab.

Heraus ragten jedoch James und vor allem Irving, der in den ersten Partien oft ein wenig unglücklich agiert hatte. Er kam auf 40 Punkte und sieben Rebounds. James, der vielleicht beste Spieler aller Zeiten, lieferte mit 31 Punkten, zehn Rebounds und elf Zuspielen gar das neunte Triple Double (drei zweistellige Werte bei Punkten, Rebounds und Assists) seiner Finalkarriere ab. Er zog damit am großen Earvin "Magic" Johnson vorbei und liegt nun auch in dieser Kategorie an der Spitze.

Auf Seiten der Warriors wussten diesmal nur Kevin Durant und Draymond Green zu überzeugen, wobei Green wegen mehrerer Fouls und Unbeherrschtheiten zugleich einmal mehr vor einem Feldverweis stand. Während der Finalserie beider Mannschaften im vergangenen Jahr war er bereits für ein Spiel gesperrt worden, nachdem er seinem Gegenspieler James wohl absichtlich in den Schritt geschlagen hatte. Ob Zufall oder nicht: In Spiel fünf, bei dem der Flügelspieler damals zuschauen musste, drehten die Cavaliers die Serie und machten schließlich aus einem 1:3-Rückstand noch einen 4:3-Sieg.

Ob ihnen das auch in diesem Jahr gelingen kann, ist allerdings fraglich. Zwar hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Warriors außer Tritt geraten können, wenn sie an einen physisch hart spielenden Gegner geraten. Doch ob Härte allein reichen wird, um ein spielerisch besseres Team ein zweites Mal niederzuringen - Zweifel sind angebracht. Das gilt umso mehr, als Golden State mit Durant nun einen Anführer in seinen Reihen weiß, der auf James-Niveau spielt und - siehe Partie vom Freitagabend - auch gegen eine ausgesprochen aggressive Verteidigung 35 Punkte macht.

"Das Motto dieses Spiels war für uns: Siegen oder Sterben", sagte Kyrie Irving, der Spielmacher der Cavaliers nach dem Match. "Und das gleiche Motto gilt auch für Spiel fünf."

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