Süddeutsche Zeitung

Fußball-Regionalliga Bayern:Sorgen im Schnee

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Der Bayerische Fußball-Verband zieht die Winterpause vor, nur die Regionalliga spielt weiter - weil sie als Profibetrieb gilt , mit Ungeimpften auf dem Platz und 2G-Plus-Regel fürs Publikum. Manche Klubs sehen das skeptisch.

Von Christoph Leischwitz

Am Mittwochvormittag ist der bayerische Amateurfußball in die vorzeitige Winterpause geschickt worden. Die Spiele der Bayern- oder der Landesliga und auch einiger Junioren-Mannschaften werden am kommenden Wochenende nicht mehr angepfiffen, weil der Bayerische Fußball-Verband (BFV) nach seit Mittwoch greifenden Maßnahmen gegen die Pandemie "einen flächendeckenden und geregelten Spielbetrieb für nicht mehr durchführbar" hält. Weiter trainiert werden darf überall dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz unter 1000 liegt. Für alle Spieler gilt die 2G-Plus-Regel. Ausgenommen davon sind Kinder, die in der Schule einer regelmäßigen Testung unterliegen. Wenn sich deren Trainerinnen und Trainer testen lassen, darf sogar Hallentraining stattfinden. Dem Verband ist wichtig zu erwähnen, dass die verordnete Pause nur einen geringen Teil betreffe, weil sich die meisten unterklassigen Teams schon in der Pause befänden; abgesagt würden lediglich 1,3 Prozent aller Spiele.

"Um uns herum verrecken die Leute, viele haben Angst - und wir spielen Fußball."

Interessant ist an dem Beschluss, dass der BFV nun zum wiederholten Male die Regionalliga als Profiliga einstuft - und damit wird die vierte Liga auch am kommenden Wochenende angepfiffen. Somit gilt wie beim FC Bayern oder dem TSV 1860 München für die Zuschauer der Partien in Pipinsried, Rosenheim oder Schalding-Heining die 2G-Plus-Regel. Die Vereine gehen davon aus, dass die Regelung und die pandemische Lage selbst so viele Zuschauer abschrecken, dass die Vorgabe, wonach ein Stadion nur zu 25 Prozent ausgelastet sein darf, nirgends ein Problem darstellen wird. Der FC Schweinfurt 05 verzeichnete beim Nachholspiel am Dienstag gegen Greuther Fürth II (3:1) mit 338 Besuchern die niedrigste Zuschauerzahl in einem Punktspiel seit Jahrzehnten. Auch zum Spitzenspiel am Samstag gegen Wacker Burghausen werden nicht deutlich mehr erwartet. In Hochinzidenz-Landkreisen müsste ein Regionalligaspiel ganz als Geisterspiel stattfinden. Derzeit ist davon zum Beispiel der TSV Buchbach betroffen (Inzidenz Mühldorf am Inn am Mittwoch: 1161), aber dessen Partie ist ohnehin abgesagt: Beim TSV häufen sich gerade die Corona-Fälle, wie der sportliche Leiter Anton Bobenstetter am Mittwoch bestätigte.

Dem Vernehmen nach hatte der BFV vorab eine informelle Umfrage abgehalten, in der sich eine Mehrheit der Regionalliga-Klubs für die Fortführung des Spielbetriebs ausgesprochen habe. Bobenstetter zum Beispiel findet die jetzt getroffene Regelung trotzdem eher unglücklich: "Profiliga? Wir bekommen überhaupt keine Fernsehgelder", witzelt der 60-Jährige. "Nicht, dass wir nicht spielen wollen, wir sind sportlich gut drauf", sagt er. Fußball im Fernsehen anzusehen, das habe eine wichtige Funktion in diesen Zeiten. Aber die Regionalliga gibt es nur im Stream, und so mag sich das Profi-Gefühl, gesellschaftlich bedeutsam zu sein, bei Bobenstetter nicht einstellen. "Es ist nicht okay, wenn jetzt Fußball gespielt wird und andere Menschen einen Ort für Operationen suchen", sagt er. Was passiere denn, wenn sich ein Spieler auf dem Platz verletzt und dann nicht operiert werden könne?

Der Verband verweist darauf, dass die Klubs im Juni den Profiliga-Status ohne Einwände bestätigt hätten

Der Trainer des TSV 1860 Rosenheim hat eine ähnliche Meinung. "Die Situation hier ist schon ein bisschen speziell", sagt Florian Heller, auch dort ist die 1000er-Inzidenz überschritten. Er hätte nichts dagegen gehabt, wenn es vorzeitig in die Winterpause gegangen wäre, denn: "Um uns herum verrecken die Leute, viele haben Angst - und wir spielen Fußball", so der 39-Jährige. Stand jetzt werde die Partie am Samstag gegen den FC Augsburg II aber stattfinden. Es stelle sich jedoch die Frage, wer letztlich Verantwortung übernehme, wenn wegen des Fußballs Menschen schwer erkranken. Die Rosenheimer hatten für sich diese Frage schon einmal beantwortet: Als sich die Verdachtsfälle häuften, reisten sie nicht zum Auswärtsspiel nach Aubstadt. Weil kein Ausweichtermin gefunden wurde, war der Nichtantritt regelwidrig - der Sportgerichtstermin und wohl auch eine Strafe stehen noch bevor.

In einem internen Schreiben an die Vereine verwies der Verband darauf, dass die Klubs im vergangenen Juni den Profiliga-Status ohne Einwände bestätigt hätten. Demnach dürfen laut der aktuellen Verordnung auch Ungeimpfte und Nicht-Genesene trainieren und spielen, der Verband empfiehlt aber dringend regelmäßige Testungen. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die Ansteckungsgefahr in der Kabine und im Mannschaftsbus besonders hoch ist.

Möglicherweise lösen sich Sorgen aber auf andere Weise auf: Für das kommende Wochenende ist vielerorts Schneefall angekündigt. Ein Vertreter eines Regionalligisten sagt: Wenn man wegen Corona nicht spielen wolle, dann könne ja auch einfach der Platz gefroren sein.

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