Süddeutsche Zeitung

Bayerns 5:1 in Gladbach:Der Titel-Zweikampf ist offiziell eröffnet

  • Beim deutlichen 5:1-Sieg gegen Gladbach stellen die Münchner ihre gefestigte Verfassung unter Beweis.
  • Die Bayern ziehen nach Punkten mit Tabellenführer Dortmund gleich - nur zwei Tore liegen sie noch hinter dem BVB.
  • Hier geht es zur Tabelle der Fußball-Bundesliga.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Einen Sieg mit sieben Toren Differenz hätte der FC Bayern München am Samstagabend bei Borussia Mönchengladbach gebraucht, um erstmals seit dem fünften Spieltag wieder Tabellenführer der Bundesliga zu werden. Mitte der ersten Halbzeit hatte man angesichts einer in Auflösung befindlichen Gladbacher Abwehr mal kurz das Gefühl, dass das gar nicht unmöglich ist. Die Münchner führten mit 2:0 und Robert Lewandowski und Serge Gnabry hatten beste Chancen für weitere Tore - doch dann traf Gladbach zum 1:2.

Nach der Pause dominierten die Münchner aber noch klarer und Gladbach hatte nichts mehr entgegenzusetzen, und so gewannen die Bayern am Ende 5:1 und schickten mit diesem klaren Sieg ein Signal nach Dortmund. "Es ist aber noch nicht entschieden", beschwichtigte ausgerechnet Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Es ist fünf Jahre her, dass die Bayern schon im März Meister waren; es ist sieben Jahre her, dass die Bayern zuletzt einmal nicht Meister wurden und es ist 14 Jahre her, dass die beiden besten Mannschaften der Bundesliga am 24. Spieltag punktgleich waren: das waren 2005 die Bayern und der FC Schalke. Nun sind es Borussia Dortmund und der FC Bayern. Zehn Spieltage vor Schluss ist der Zweikampf um den Titel mit den punktgleichen Kontrahenten offiziell eröffnet. Zwei Treffer fehlten den Bayern, dann wären sie mit Dortmund jetzt sogar punkt- und torgleich. Gladbachs Manager Max Eberl sprach nach dem Spiel von den Münchnern als "Klassenprimus", aber das war eher ein freudscher Fehler, denn noch sind sie es offiziell ja nicht.

Hecking schimpft, Bayern gibt Gas

Ohne sechs kranke und verletzte Spieler mussten die Münchner in Gladbach antreten: David Alaba, Leon Goretzka, Corentin Tolisso, Franck Ribéry, Arjen Robben und Kingsley Coman. Auf der Ersatzbank saßen dadurch Spieler wie Meritan Shabani (2 Bundesligaspiele), Lars Lukas Mai (2) und Wooyeong Jeong (0), der spät eingewechselt wurde. Die Gladbacher schienen sich von dieser Konstellation blenden zu lassen. Sie begannen das Spiel phlegmatisch. "So kann man in solch ein Spiel nicht reingehen", schimpfte der Trainer Dieter Hecking hinterher, "das ist naiv."

Nach 32 Sekunden tauchte Lewandowski allein vor Torwart Yann Sommer auf, weil Thomas Müller ihn klug steilgeschickt hatte. Sommer parierte soeben noch, jedoch auf Kosten einer Ecke, die James Rodriguez hereinbrachte und die Javi Martínez nach 64 Sekunden Spielzeit köpflings zum 1:0 über die Linie drückte. Dass er zuvor Gladbachs Nico Elvedi weggestoßen hatte, störte den Schiedsrichter Felix Zwayer auch nach Betrachtung der Zeitlupe nicht.

Die Bayern gaben weiter Gas. Gnabry brachte einen Ball ins Zentrum, den Thomas Müller erst einmal und nach Sommers Parade gleich noch ein zweites Mals aufs Gladbacher Tor schießen durfte. Beim zweiten Mal war der Ball drin. Es lief erst die 11. Minute. Und es stand schon 2:0 für Bayern. Die Gladbacher wirkten konsterniert. 0:3 hatten sie die beiden vorangegangenen Heimspiele verloren - und die dritte kapitale Niederlage in Serie kündigte sich bereits drohend an. Sommer verhinderte das 0:3 zweimal: erst, als Lewandowski ausgangs eines Konters in der 22. Minute allein vor ihm auftauchte, und dann, als Gnabry ihn in der 33. Minute prüfte.

"Wir haben zweimal einen perfekten Start erwischt"

Die Gladbacher wurden nun ein bisschen wütend, sie kompensierten ihre hochdefizitäre Abwehrleistung mit gelegentlichen Angriffen, von denen der Kapitän Lars Stindl in der 37. Minute einen nach einer starken Thorgan-Hazard-Vorlage zum 1:2-Anschlusstreffer nutzte. Es war Stindls erster Treffer seit dem 25. November - und er kam keine Sekunde zu früh. Denn zur Pause schien Gladbach zurück zu sein in diesem Spiel.

Doch es war klar, dass die um Egalisierung bemühten Borussen weiter ein Harakiri bemühen müssten. Nicht zu erwarten war, dass es auch diesmal nur 66 Sekunden dauern würde, ehe die Münchner wieder das erste Tor der Halbzeit schießen würden. "Wir haben zweimal einen perfekten Start erwischt", freute sich der Trainer Niko Kovac, "für die Gladbacher war das natürlich ein Schock." Vom zweiten Schock erholten sich die Gastgeber auch nicht mehr. Lewandowski erzielte in dieser 47. Minute das 3:1. Schon Sekunden zuvor hatte James nur hauchdünn am Tor vorbeigeschossen. Für alle nicht mit den Fohlen sympathisierenden Zuschauer war dieses Spiel: ein Spektakel.

Doch die Gladbacher konnten im weiteren Verlauf nicht mehr viel dazu beitragen. Sommer rettete in der 75. Minute noch einmal gegen einen Kopfball von Lewandowski, doch den Rebound versenkte Gnabry zum 4:1. In der Nachspielzeit verwandelte Lewandowski einen Foulelfmeter (Hazard an Joshua Kimmich) zum 5:1-Endstand.

"Der Sieg für die Bayern ist absolut verdient", bilanzierte Hecking. "Und er ist auch in der Höhe okay", ergänzte Kovac. Sieben Punkte binnen vier Spielen haben die Bayern auf die Dortmunder aufgeholt und nun auch noch fünf Tore allein an einem Spieltag. Es wird spannend, und die Münchner haben derzeit das bessere Momentum.

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SZ vom 03.03.2019/ebc
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