Süddeutsche Zeitung

FC Bayern in den Playoffs:Basketballfeste nach dem Geschmack des Chefs

  • Die BBL-Playoffs haben mit der ersten Runde begonnen, die Bayern führen bereits in ihrer Serie gegen Braunschweig.
  • Bayern-Präsident Hoeneß hat mit seinen Basketballern riesige Ziele: Er will mit der neuen Halle im Olympiapark europäischen Spitzensport etablieren.

Um die Tragweite des Moments zu verdeutlichen, bemühte Uli Hoeneß die Geschichte. Er könne sich noch sehr genau an die Zeit erinnern, so erzählte der Präsident des FC Bayern München, als im Olympiastadion im Schnitt 35 000 Zuschauer zu internationalen Fußballspielen kamen, in ein Stadion, das 70 000 Menschen Platz bietet. Mit einem Neubau in Fröttmaning sei man seinerzeit bewusst ins Risiko gegangen, mit durchschlagendem Erfolg: Heute sei die Arena "immer ausverkauft, immer".

Der 67 Jahre alte Hoeneß hat gerade ein weiteres Kapitel in der Geschichte seines Vereins mitgeschrieben, in diesem Fall aber nicht mit den berühmten Fußballern im Mittelpunkt. Denn am 14. Februar wurde im Olympiapark das Modell einer neuen Multifunktionshalle präsentiert, die den Basketballprofis des FC Bayern von 2021 an eine neue Heimstatt sein wird.

Die Halle

Zwar kommt die Basketballabteilung im Vergleich zu den traditionsreichen Fußballern fast bescheiden daher, das Ziel indes ist nicht weniger ambitioniert: die europäische Spitze. Das Risiko der Basketballer erscheint aber geringer, auch wenn sie sich dem Vernehmen nach für 15 Jahre an die Halle gebunden haben. Denn Bauherr ist der österreichische Getränkekonzern Red Bull, der den Eishockeyklub der Landeshauptstadt zur nationalen Referenzgröße subventioniert hat. Der FC Bayern ist neben der Stadt München ein so genannter Ankermieter, verlässlicher Faktor in der Wirtschaftlichkeitsberechnung des Finanziers.

In München gab es ja schon einige Versuche, Profisport abseits des Fußballs zu etablieren, was stets ein temporäres Phänomen blieb. Die Handballer des TSV Milbertshofen und des MTSV Schwabing oder die Volleyballer des TSV 1860 München sind längst zur Erinnerung verblasst. Dieser Basketball-Eishockey-Kooperation darf man angesichts eines milliardenschweren Getränkekonzerns und des weltberühmten und damit für Sponsoren attraktiven Sportvereins eine längere Halbwertszeit zutrauen. Spätestens zur Fertigstellung des stimmig in den Olympiapark modellierten 100-Millionen-Euro-Bauwerks will der FC Bayern auch mit den Basketballern zur europäischen Elite gehören.

Die Wildcard

Das ist keine Träumerei, wie die aktuelle Euroleague-Saison bewiesen hat. Zwar wurde die K.-o.-Runde der besten Acht knapp verpasst, die Münchner gewannen aber 14 Partien, so viele wie kein deutsches Team vor ihnen im höchsten europäischen Wettbewerb. Und das im neuen Format, das ja nicht mehr in Gruppen unterteilt, sondern seit drei Jahren als kraftraubende Parallel-Liga zu den nationalen Verpflichtungen ausgetragen wird. Große Basketballfeste haben die Bayern gefeiert, wie die Siege gegen Tabellenführer und Topfavorit Fenerbahçe Istanbul oder den FC Barcelona. Genau das haben die Münchner im Sinn: sich nachhaltig mit den besten europäischen Teams zu messen.

Dafür ist der neue, SAP Garden genannte Veranstaltungsort, der 11 500 Zuschauern Platz bieten wird, unabdingbar - weil die Euroleague eine derart dimensionierte Halle voraussetzt. Hoeneß erinnerte bei der Vorstellung daran, dass der FC Bayern gedenke, "möglichst bald Member der Euroleague" zu werden, die derzeit elf Klubs als Lizenzinhaber mit einer Startgarantie ausstattet.

Wie gern die Liga den bekanntesten deutschen Klub nebst der wirtschaftskräftigen bayerischen Metropole in ihren Reihen begrüßen würde, zeigt schon die Wildcard mit außergewöhnlicher Gültigkeitsdauer: Drei Jahre wurde den Bayern die Teilnahme garantiert, gleichwohl verlangt das Selbstverständnis von Hoeneß, dass seine Mannschaft dies, bitteschön, mit dem Meistertitel legitimieren möge. Angesichts der souveränen Tabellenführung nach der Bundesliga-Hauptrunde halten sich die Zweifel daran in Grenzen, zumal die Bayern damit in den Best-of-five-Serien der Playoffs bis ins Finale hinein einen Heimvorteil genießen. Das Wegfallen der internationalen Belastung dürfte die Chancen auf die Titelverteidigung verbessern.

Der Geschäftsführer

Es ist ein bemerkenswert zielstrebiger Weg, den die FC-Bayern-Basketballer bisher zurückgelegt haben. Begonnen hat alles mit einer Mitgliederbefragung vor neun Jahren. "Wenn wir etwas machen, dann gescheit", formulierte Hoeneß seinerzeit das Klub-Credo, nachdem Vizepräsident Bernd Rauch durch beharrliche Überzeugungsarbeit seinen Widerstand gebrochen hatte: Das Basketball-Projekt war ins Leben gerufen.

Diesem Weg in Europas Elite wird seitdem alles untergeordnet, was unter anderen die Trainer Dirk Bauermann und Aleksandar Djordjevic erfahren mussten. Bauermann war als Bundestrainer in die zweite Liga eingestiegen und hatte mit den beiden Nationalspielern Steffen Hamann und Demond Greene im Schlepptau entscheidende Aufbauarbeit geleistet - bis er überraschend kurz vor Saisonbeginn 2012 gehen musste. Djordjevic, 2016 frisch mit Olympia-Silber dekoriert für Vorgänger Svetislav Pesic in den Dome gekommen, wurde in der vergangenen Saison trotz Pokalsiegs und Tabellenführung gefeuert. Beiden traute die sportliche Führung die Weiterentwicklung der Mannschaft nicht mehr zu.

Dies ist die Kernkompetenz von Geschäftsführer Marko Pesic. Der frühere Nationalspieler genießt großes Vertrauen vom Präsidenten, der ihm weitgehend freie Hand lässt - was Pesic mit den bisher erzielten Erfolgen rechtfertigt. Die Meisterschaft 2014 unter seinem Vater Svetislav kam zu früh. Mit den danach blitzartig gestiegenen Erwartungen konnte der Klub zunächst nicht Schritt halten, Marko Pesic spricht im Rückblick von Zufriedenheit, einer Art Sättigung. Die Münchner jedenfalls stürzten nach dem Titelgewinn wieder deutlich hinter den ewigen Rivalen Bamberg, der in den drei folgenden Jahren überlegen Meister wurde.

Der Kader

Seit sich der Klub die Dienste von Daniele Baiesi als Sportdirektor gesichert hat, strebt die Abteilung wieder stringent nach oben. Der Italiener kam pikanterweise von Meister Bamberg, wo er im Unfrieden geschieden war. Baiesi ist dank seiner langjährigen Tätigkeit als Chefscout des NBA-Klubs Detroit Pistons im amerikanischen Basketball gut vernetzt, was die Bayern in den Genuss von Spielern wie Derrick Williams bringt. Einen Basketballer von diesem Format hat die deutsche Liga nie zuvor gesehen, der 27-Jährige stand 2017 an der Seite von LeBron James mit den Cleveland Cavaliers im NBA-Finale, er absolvierte 428 Spiele in der weltbesten Profiliga.

11 Mitglieder

der im Jahr 2000 gegründeten Euroleague haben sich vor Jahren einen Sonderstatus gesichert: Mittels einer sogenannten A-Lizenz ist ihre dauerhafte Teilnahme garantiert, unabhängig vom Abschneiden in ihren nationalen Ligen. Gegenüber den Mannschaften, die sich Jahr für Jahr aufs Neue sportlich qualifizieren müssen, haben sie dadurch Planungssicherheit und einen Vorteil bei der Spielerakquise. Nach der Saison 2004/05, in der erstmals Playoffs eingeführt wurden, haben sich jedenfalls kaum noch Klubs außerhalb der A-Lizenz-Inhaber fürs Final Four qualifiziert; ins Finale schaffte es überhaupt keiner mehr. Kein Wunder, dass der FC Bayern München in diesen erlauchten Kreis aufgenommen werden will. Zu dem gehören bislang: Anadolu Efes Istanbul, ZSKA Moskau, Emporio Armani Mailand (von Montepaschi Siena übernommen), FC Barcelona, Fenerbahce Istanbul, Laboral Kutxa Vitoria-Gasteiz (ehemals TAU Ceramica), Maccabi Tel Aviv, Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen, Real Madrid und Zalgiris Kaunas.

Aber nicht nur wegen Williams ist der aktuelle Bayern-Kader besser einzuschätzen als die Konkurrenz; die Münchner haben sich von Jahr zu Jahr punktuell verstärkt und stetig verbessert. In Paul Zipser und Maxi Kleber wechselten schon zwei Akteure in die NBA. Vorläufiger Höhepunkt war der Double-Gewinn in der Vorsaison mit spektakulären Akteuren wie Jared Cunningham oder Reggie Redding im Team.

Europäische Topspieler in München

Gleichzeitig achtet die sportliche Führung darauf, dem Team die Chance zur kontinuierlichen Entwicklung zu geben. Zu diesem Zweck werden die Spieler mit möglichst langfristigen Verträgen gebunden. An der Seite von gestandenen Profis wie Stefan Jovic, Vladimir Lucic, Petteri Koponen, Nihad Djedovic oder Milan Macvan konnten sich Teamkollegen wie Devin Booker oder Danilo Barthel in Ruhe zu europäischen Topspielern entwickeln. Vom Konkurrenten Brose Bamberg, der mittlerweile ein Stück weit abgehängt erscheint und sich vertraglich für fünf Jahre an die international drittklassige Champions League gebunden hat, kamen zu Saisonbeginn Maodo Lo und Leon Radosevic, extrem wertvolle Zugänge, da sie das von der Basketball-Bundesliga (BBL) vorgeschriebene Kontingent an deutschen Spielern deutlich aufwerten.

Trotz der Überraschungsmannschaft Oldenburg, dem schwer einzuschätzenden ehemaligen Serienmeister Bamberg und des wiedererstarkten Konkurrenten Alba Berlin sind die Münchner klarer Titelfavorit. Allein angesichts der Qualität in ihrem Kader fällt die Vorstellung schwer, dass dieses Team in einer Serie von fünf Spielen aufzuhalten ist. Ein Team, das sich weder von Verletzungen wichtiger Akteure noch von der teilweise brutalen Belastung durch zwei nationale und einen europäischen Wettbewerb hat aus dem Rhythmus bringen lassen.

Die Ziele

Nicht zu unterschätzen ist, dass die Basketballabteilung des FC Bayern glänzende Voraussetzungen genießt, die sie der Fußballsparte zu verdanken hat. Ein Muster, das man von Klubs wie dem FC Barcelona oder Real Madrid kennt. Im Gegensatz zu den Spaniern aber finanzieren sich die Münchner Basketballer ausschließlich aus selbst erwirtschafteten Ressourcen, woran Hoeneß immer wieder stolz erinnert. Was der Entwicklung zwar bisweilen die Geschwindigkeit nimmt, ihr aber im Gegenzug Nachhaltigkeit ermöglicht. Geschäftsführer Pesic hat bereits punktuelle Verstärkungen für die kommende Spielzeit angekündigt, er begreift den nationalen Titel als Basis für das übergeordnete Ziel, die Zugehörigkeit zur kontinentalen Spitze.

Die Weichen dafür sind längst gestellt, sagt der Sportdirektor, der in den beiden kommenden Spielzeiten die deutsche Meisterschaft als eminent wichtig ansieht und dessen Vertrag gerade für exakt diesen Zeitraum verlängert wurde. "Da müssen wir in der Bundesliga dominieren", sagt Pesic, denn wenn die neue Halle stehe, "müssen Mannschaft und Verein für Europa bereit sein." Dann muss der FC Bayern auch im Basketball zu den besten sechs Mannschaften in Europa zählen. Als er das sagt, ist er sich der Tragweite seiner Worte sehr bewusst.

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Quelle:
SZ vom 17.05.2019/jbe
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