Süddeutsche Zeitung

FC Bayern: Basketball:Funken in der Eishalle

In München beginnt am Wochenende das spannendste Projekt im deutschen Basketball. Der FC Bayern startet in die Saison. Präsident Uli Hoeneß gibt das Ziel vor: Der Aufstieg ist nicht genug.

B. Warmbrunn

Auf und ab, Uli Hoeneß wippte auf und ab. Er stand in einem der grauen Nebenräume der Olympia-Eishalle, er federte von den Fersen vor zu den Zehen und wieder zurück. Der Präsident des FC Bayern war prächtiger Laune. "Basketball wird mein zweites Leidenschafts-Standbein", sagte er vergnügt.

An diesem Samstag beginnt im deutschen Basketball der Ligabetrieb, und damit beginnt auch endgültig das spannendste Projekt im deutschen Basketball: Das Team des FC Bayern empfängt Heidelberg, es soll der erste Sieg werden auf dem Weg zur Meisterschaft in der Pro A und zum Aufstieg in die Basketball-Bundesliga (BBL). Am Donnerstag fand die Generalprobe statt, der FC Bayern spielte gegen Bamberg, den deutschen Meister und Pokalsieger, Bamberg gewann 73:60.

"Für die Bürger"

Ein sehr guter Maßstab war das für den FC Bayern, sie haben mitgehalten gegen den Verein, der in vielerlei Hinsicht ein Vorbild ist. Zunächst träumen sie in München von dem Erfolg der Bamberger, nach dem anvisierten Aufstieg würden sie gerne gemeinsam mit Bamberg die Großmächte im Westen, im Norden und in Berlin attackieren, am liebsten auch gleich Bamberg selbst. Zudem wollen sie beim FC Bayern auch sich und ihre Sportart in der Region fest verankern - wie es in Bamberg der Fall ist. "Wir machen das nicht für mich oder Bernd Rauch", sagt Hoeneß, "wir machen das für die Fans und die Bürger". Und Bernd Rauch, der Vizepräsident, sagt: "Hier wird jetzt etwas geboten, was es in dieser Stadt viele Jahre nicht gegeben hat."

In München sprechen sie gern davon, dass die Stadt eine Sportstadt sei, aber in den vergangenen Jahren ist es keinem Klub außerhalb des Fußballs gelungen, ein breites Publikum anzusprechen. Die Basketballer des FC Bayern haben einen großen Standortvorteil: die Unterstützung des Stammvereins, jener Fußballer, die ja, so die Klagen, jegliches Interesse an anderen Sportarten absaugen.

Die Mitglieder haben in einer Befragung dafür gestimmt, die Basketballer zu unterstützen beim langfristigen Ziel, an die nationale Spitze zu rücken. Nun stellt der Stammverein jährlich 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, das Team wurde kräftig aufgemotzt: Coach ist Bundestrainer Dirk Bauermann, verpflichtet wurden die deutschen Nationalspieler Steffen Hamann und Demond Greene. Zu jedem Heimspiel wird die Eishalle in eine Basketballhalle umgewandelt, 40 Arbeiter arbeiten daran zehn Stunden. "Eins ist klar: Wenn ich Gas gebe, wird's ernst", sagt Hoeneß, der Pate des Projekts.

Das Münchner Publikum gilt allgemein als divenhaft, es achtet genauso auf die Verpackung wie auf den Inhalt. Und so achten sie beim FC Bayern auf viele Details: Im umgebauten Zustand ist die düstere Eishalle nun bunter, für die Zuschauer liegen laute Fan-Utensilien bereit, die Besserzahler werden an den Plätzen bedient. "Die Zuschauer wollen Teil des Events sein", sagt Abteilungsleiter Peter Kemmer.

1500 Dauerkarten sind bisher verkauft worden, erwartet wird ein Zuschauerschnitt von über 2000; in der alten Halle an der Säbener Straße lag er in der vergangenen Saison bei 600. "Das muss brennen", sagt Rauch, "der Funke muss überspringen." Und Uli Hoeneß sagt: "Selbst wenn wir aufsteigen und nur 2000 Zuschauer im Schnitt haben, reicht mir das nicht."

"Weit gekommen im Leben"

Am Aufstieg zweifelt niemand im Verein. Dreimal spielte Bayern in der Vorbereitung gegen Bamberg, den deutschen Meister und Pokalsieger, "für andere Pro-A-Ligisten wäre das ein Selbstmord-Vorhaben", sagt Bauermann, sein Team verlor zwar dreimal, ein Klassenunterschied war aber nicht durchgehend zu erkennen. Wie Bamberg solle sein Team auftreten, verlangt Bauermann: alles in einem Fluss, mit intensiv verteidigender Defensive, selbstbewusst.

"Wir wollen zeigen, mit welch dominanter Mannschaft die zweite Liga es dieses Jahr zu tun hat. Wir wollen ein Ausrufezeichen setzen." Dann fügte Bauermann einen Satz hinzu, der relativieren soll, zugleich aber die Ambitionen des Klubs beinhaltet: "Ziel ist es, die Meisterschaft zu gewinnen, aber das ist immer schwierig, egal ob in der Pro A, der NBA oder der BBL."

Am Donnerstagabend wagte es ein kritischer Geist noch, Hoeneß zu fragen, was wäre, sollte nicht alles so klappen wie ausgemalt. Hoeneß' Kopf lief rot an, er stellte sich auf seine Zehen. "Bei mir ist das Glas immer halb voll, nicht halb leer", knurrte Hoeneß, "damit bin ich ziemlich weit gekommen im Leben".

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SZ vom 25.09.2010/dabi
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