Süddeutsche Zeitung

DFB-Pokal:Grammozis startet perfekt

Dimitrios Grammozis, erst seit Sonntag Trainer in Kaiserslautern, schlägt in seinem ersten Spiel den 1. FC Nürnberg und erreicht mit dem Klub erstmals seit zehn Jahren das Viertelfinale. Mit einer Einwechslung zieht er das Spiel auf die Seite der Pfälzer.

Von Martin Schneider, Kaiserslautern

Sie haben in Kaiserslautern Routine darin entwickelt, neue Trainer zu begrüßen. Zwölf Übungsleiter waren es in den vergangenen zehn Jahren, Interimslösungen nicht eingerechnet; Dimitrios Grammozis ist seit Sonntag Nummer dreizehn. Der Deutsch-Grieche hat im Vergleich zu anderen Trainern aber einen Vorteil - er war schon mal da. Fünf Jahre, von 2000 bis 2005, spielte er als Verteidiger in der Pfalz, und in dem Punkt ähnelt der FCK ein bisschen dem FC Bayern. In München attestieren sie Veteranen ein Bayern-Gen, in Kaiserslautern erinnern sie sich mit Wohlwollen an jeden, der für ihren Klub mal Schien- und Wadenbein in Zweikämpfe gehalten hat. "Willkommen zurück", sagte der Stadionsprecher zur Begrüßung.

Und: Grammozis kann seine Mission auf dem Betzenberg nun mit einem Weiterkommen im DFB-Pokal starten. 2:0 (0:0) schlug seine neue Mannschaft am Dienstag den 1. FC Nürnberg, es ist der erste Einzug ins Pokalviertelfinale für den FCK seit der Saison 2013/14, 1,7 Millionen Euro Prämie gibt es obendrauf, für einen Zweitligisten ist das ein Batzen Geld.

Dass Grammozis an diesem Abend mit dem FCK erfolgreich sein würde, darauf deutete noch vor wenigen Tagen wenig bis gar nichts hin. Dirk Schuster, Grammozis Vorgänger als Trainer, hatte zwar drei Zweitligaspiele in Serie verloren, trotzdem rechnete rund um den Betzenberg eigentlich niemand mit einer Entlassung. Doch Thomas Hengen, Geschäftsführer in Kaiserslautern, bewies schon in der Vorsaison, dass er vor radikalen Trainer-Entscheidungen nicht zurückschreckt. Damals trennte er sich kurz vor der Relegation vom bei den Fans beliebten Marco Antwerpen und holte Schuster - das Risiko zahlte sich aus, der FCK stieg in die zweite Liga auf.

Grammozis wechselt Ragnar Ache ein - damit endet Kaiserslauterns Negativ-Serie

Ob Hengen auch diesmal recht behält, wird sich erst langfristig zeigen, der Start ist jedenfalls gelungen. Grammozis tat gegen Nürnberg das, was man als Trainer so tut, wenn man kaum Zeit hat: Er änderte wenig, weder taktisch noch personell. Die erste Halbzeit war dennoch die zweier Mannschaften, die gerade wenig Selbstbewusstsein ausstrahlen. Kaiserslautern hat die vergangenen vier Ligaspiele verloren und dabei elf Gegentore kassiert, Nürnberg hat zwei Niederlagen gesammelt und dabei neun Gegentore bekommen.

Bei drei Grad und Regen kam der FCK besser ins Spiel, Nürnberg fing sich Mitte der ersten Hälfte. Mehr als 48 000 Zuschauer machten sich bei diesen hundsmiserablen Bedingungen auf den Weg ins Fritz-Walter-Stadion. Zur Erinnerung: Die Stadt Kaiserslautern hat 100 000 Einwohner. Wer da war, bejubelte Zweikämpfe, Schiedsrichter Pattrick Ittrich hatte viel zu tun, in der 40. Minute ermahnte er Grammozis, weil der sich zu heftig beschwerte. Emotionen auf der Bank sind auch etwas, was die Zuschauer auf dem Betze traditionell gerne sehen.

In der 64. Minute zog Grammozis dann das Spiel mit einer Einwechslung auf die Seite seiner Mannschaft. Denn: Er wechselte Ragnar Ache ein. Der Stürmer, vor der Saison von Eintracht Frankfurt gekommen, war lange verletzt, er zog sich Ende Oktober einen Bänderriss im Sprunggelenk zu. Davor war er der aufregendste Spieler beim FCK gewesen, die Negativ-Serie begann quasi in der Sekunde, in der Ache ausfiel.

Und sie endete vorläufig mit seiner Einwechslung. Der FCK kam durch Aches Aktionen prompt zu mehr Chancen und erzielte die verdiente Führung. Nach einem Spielzug über das ganze Feld und einem umsichtigen Richtungswechsel von Spielmacher Marlon Ritter beförderte Richmond Tachie den Ball mit dem Knie ins Nürnberger Tor. Und quasi mit dem nächsten Angriff entschied Ache dann die Partie. Nach einem langen Ball setzte er sich elegant gegen Gegenspieler Florian Hübner durch, spielte einen Doppelpass mit Tachie und grätschte den Ball ins Tor. Nürnberg kam nicht mehr zurück - obwohl der FCK gegen Ende nur noch mit zehn Mann spielte. Ausgerechnet Ache blieb draußen, die Physiotherapeuten laborierten an seinem Bein herum. Die Wade habe "zugemacht, nichts Ernstes", sagte der Stürmer später. Doch offenbar wollte Grammozis keinerlei Risiko eingehen - er hatte ja gesehen, wie wichtig der 25-Jährige sein kann.

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