Süddeutsche Zeitung

Deutsche Bewerbung um Qualifikationsturnier:Mit aller Macht nach Rio

Lesezeit: 2 min

Von Jonas Beckenkamp, Berlin

Die deutschen Basketballer haben vieles versucht, um bei dieser EM in die Nähe der Olympischen Spiele 2016 in Rio zu kommen. Sie haben gekämpft, gelitten und leider vier ihrer fünf Gruppenspiele verloren - und damit das vorolympische Qualifikationsturnier im kommenden Jahr verpasst.

Unumstößlich? Mitnichten. An diesem Donnerstag kam noch eine Option ins Spiel, bei der selbst ein deutsches EM-Aus zu verkraften wäre. "Wenn alles passt, werden wir uns als Ausrichter für eines der drei Qualifikationsturniere bewerben", sagte der Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB) Ingo Weiss in Berlin. "Die Entscheidung über Details fällt bei einem Meeting des Fiba-Boards im November." Der Weltverband lädt weltweit Länder ein, die an den jeweiligen Kontinentalmeisterschaften teilgenommen haben und dort nicht mindestens Siebter wurden, sich als Ausrichter zu bewerben. So seien noch drei verbleibende Olympiatickets ergattern.

Es werde "drei Gruppen à sechs Teams aus aller Welt geben", bestätigte Kamil Novak, der Chef des europäischen Ablegers der Fiba, "die drei Gruppensieger dürfen nach Rio." Für den deutschen Verband ist das vielleicht die allerletzte Chance, doch noch zu den Spielen 2016 zu fahren. Dass mit einer Ausrichtung eines solchen Turniers ein finanzielles Risiko verbunden wäre, findet DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt nicht. "Wir haben mit der Vorrunden-Ausrichtung der EM hier in Berlin gute Erfahrungen gemacht. Das Wagnis wäre gering." Eine Gebühr von etwas über eineinhalb Millionen Euro wäre zunächst an den Weltverband zu entrichten - hinzu kämen noch weitere Kosten, die der DBB aber stemmen will.

Die drei Quali-Events können an zwei europäische Länder und ein asiatisches, aber auch an ein europäisches und andere Kontinente vergeben werden, ließ Ingo Weiss wissen. Die Verteilung übernimmt die Fiba - je nachdem, wie viele Nationen sich ins Rennen werfen. Der größte Konkurrent aus Europa könnte Russland werden, das in der aktuellen EM-Gruppe A soeben mit vier Pleiten ausgeschieden ist und keine Chance mehr auf Platz sieben hat. "Russland wird sein Basketballteam in Rio sehen wollen, sie werden alles tun, um dabei zu sein", betonte Weiss, "aber auch wir werden zum richtigen Zeitpunkt den Finger heben."

Der 52-Jährige wollte die "Konstellationen", die für eine deutsche Bewerbung um ein Qualifikationsturnier nötig seien, nicht näher benennen. Es dürfte sich neben finanziellen Fragen aber auch um Sponsoring, Hallenbelegung und Organisationsdetails handeln. Austragungsort wäre in jedem Fall Berlin - die Erfahrungen bei der EM seien durchweg positiv gewesen, berichteten Weiss und Brendscheidt in ihrer Zwischenbilanz. Interessant wäre eine Teilnahme des DBB an einer Olympia-Quali auch unter dem Gesichtspunkt, dass Dirk Nowitzki vielleicht ein letztes Mal zum Nationalteam zurückkehren würde.

Vor den Spielen 2008 in Peking bestritt der Würzburger mit der Mannschaft in Athen die Ausscheidungsrunde - mit positivem Ausgang. Deutschland war in China dabei und Nowitzki erlebte als Fahnenträger der deutschen Olympiamannschaft einen der "größten Momente meiner Karriere", wie er selbst immer wieder sagt. Ein dann 38-Jähriger Nowitzki in Rio - diese Vorstellung dürfte bei den Bemühungen des DBB sicherlich eine Rolle spielen.

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