Süddeutsche Zeitung

Champions League:Guardiolas Spiel mit der Angst

  • Pep Guardiola steht beim Champions-League-Spiel gegen AS Monaco an diesem Dienstagabend vor einem entscheidenden Moment seiner Trainer-Karriere in England.
  • Weil sein Team im Pokal gegen Huddersfield erneut enttäuschte, ist der Coach nervös.
  • Sein Verhältnis zur Presse ist ähnlich wie in München: kompliziert.

Von Jonas Beckenkamp

Man mag es kaum glauben, aber in Wahrheit ist der Fußballtrainer Josep Guardiola i Sala ein zutiefst verängstigter Mensch. Seine Sorgen kreisen oft um sportliche Dinge, um Unwägbarkeiten des Spiels und manchmal, da trieb ihn auch schon die Vorbereitung auf den linken Verteidiger von Darmstadt 98 schier in den Wahnsinn. Geht er gerne links vorbei? In welchem Winkel senken sich seine Bananenflanken? Und, wenn ja, welche Schuhgröße hat der Mann? Guardiola ist gerne gut vorbereitet, ihm entgeht nichts - aber dummerweise birgt der Fußball viel Überraschungspotenzial.

Den Beweis dafür lieferte am vergangenen Wochenende wieder einmal ein unterklassiger Gegner Guardiolas: Der englische Zweitligist Huddersfield Town, trainiert vom Deutschen David Wagner, wehrte sich nämlich im FA Cup so vehement gegen ManCity, dass es am Ende 0:0 stand. Zur Strafe müssen die großen "Citizens" jetzt ein Wiederholungsspiel gegen die winzigen Huddersfielder bestreiten - aber vorher steht ein noch viel substanziellerer Abend an.

Wie sehr Guardiola Monaco fürchtet

An diesem Dienstag gastiert der AS Monaco zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Manchester. Und Guardiola sagt: "Ihre Außenverteidiger spielen wie Stürmer. Und ihre Stürmer sind Krieger, sie sind Killer im Strafraum." Die Herren Valere Germain und Falcao fürchtet Guardiola so sehr, dass man ihm am liebsten seinen Chef-Aufpasser in der Abwehr fit zaubern würde. Doch leider hat Vincent Kompany in dieser Saison erst 115 Minuten gespielt - derzeit plagen den Belgier die Folgen einer Knieverletzung. Guardiola, das lässt sich sagen, steht gegen die Monegassen vor der schwierigsten Prüfung seiner Trainerkarriere in England.

Zwar ist sein Team "Englands größte Hoffnung auf einen Erfolg in der Champions League", wie die Zeitung Guardian feststellte. Doch die Frage ist: Welches City wirft sich an diesem Abend ins Getümmel? Jene verzagte Pokalelf aus der Huddersfield-Schmach? Oder die Elite-Truppe, die zuletzt in der Liga dreimal in Serie siegte? Am Ende einer ohnehin durchwachsenen Woche, in der Guardiolas neuer Liebling Gabriel Jesus sich den Fuß brach und nun ein bis zwei Monate ausfällt, war der Coach bemüht, das vergangene Wochenende verbal aufzuhübschen. "Es war ein Pokalspiel gegen eines der besten Teams der zweiten Liga", betonte er. "Das ist nicht frustrierend."

Auf der Pressekonferenz nach dem Cup-Abend hatte Guardiola noch anders geklungen. Da glühten beim Meistercoach vor Wut die Augen, als ein Reporter ihn auf seine Aufstellung ansprach. "Mein Freund, ich treffe die Entscheidungen vor dem Spiel. Sie analysieren sie erst danach", giftelte der 46-Jährige. Sein Verhältnis zur Presse ist - wie zu seiner Zeit in München - angespannt, immer wieder fühlt sich der Katalane unverstanden. Platz zwei in der Premier League bei acht Punkten Rückstand auf den FC Chelsea ist eben ein Zustand, der auf beiden Seiten zu nervösen Zuckungen führt: bei Pep selbst - aber auch bei den Beobachtern.

Noch immer fremdelt Guardiola mit dem Wucht-Fußball auf der Insel, zudem empfindet er viele Schlagzeilen in den Zeitungen als despektierlich. So wie zuletzt über Arsenals Teammanager Arsène Wenger nach der 1:5-Pleite bei Bayern München. "Was ich während der letzten zehn Tage gehört habe, wie die Leute, frühere Spieler und auch Journalisten, mit Arsène Wenger umgehen, ist für mich inakzeptabel", sagte Guardiola bei seiner Polterei nach dem Huddersfield-Match. "Niemand hat momentan auch nur ein bisschen Respekt für unseren Job." Mit einem grimmigen "Okay, guys" beendete er schließlich das Gespräch vorzeitig.

Europas treffsicherste Offensive? Monaco!

Ein Erfolg gegen Frankreichs Tabellenführer Monaco könnte die öffentliche Hochachtung zumindest steigern - aber gegen Europas potenteste Offensive (bereits 76 Saisontreffer in der Liga) muss man halt erstmal bestehen. "In der Gruppe mit Tottenham und Bayer Leverkusen waren sie an der Spitze. Sie haben viele junge Spieler und viel Talent", sagte Txiki Begiristain, Sportdirektor bei City. Guardiola hatte Monaco schon Ende Januar in Paris unter die Lupe genommen - und er war beeindruckt. Man treffe auf eine "sehr komplette Mannschaft".

Festzuhalten gilt aber auch: Citys Millionenkader bietet trotz der Verletzungen von Jesus, Ilkay Gündogan (er kommt nach eigenem Bekunden erst kommende Saison zurück) und Kompany genügend Manpower für die eine oder andere glanzvolle Champions-League-Nacht. Guardiola, der vorne wohl wieder auf Leroy Sané, Sergio Agüero und Kevin De Bryune vertrauen wird, ist ja auf (fast) alles eingestellt.

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