Süddeutsche Zeitung

BVB-Pleite gegen Augsburg:Dortmund japst nach Luft

So geht es für Dortmund in die 2. Liga: Beim 0:1 gegen Augsburg misslingen Klopps Männern selbst die einfachsten Dinge - am Ende hilft nicht einmal eine rote Karte der Gäste. Der FCA jubelt über einen formstarken Torschützen.

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

In der Westfalenhalle waren die Rollen am Mittwoch klar verteilt. "Jagd und Hund" hieß die Messe, auf der sich alles um Jäger und ihre Gejagten dreht. Bei dieser Thematik sind Verwechslungen ausgeschlossen. Im Fußballstadion nebenan war die Sache nicht so eindeutig. Der Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund empfing den FC Augsburg, aber Dortmund ging als Tabellenletzter ins Spiel, Augsburg als Fünfter.

Die Optik der Tabelle wurde letztlich auch diesem rasanten Duell bestätigt: Die Gäste aus Augsburg siegten durch ein Tor von Raul Bobadilla in der 50. Minute mit 1:0 (0:0) und verteidigten die Führung, obwohl sie von der 64. Minute an nach einer Notbremse durch den Abwehrmann Christoph Janker nur noch zu zehnt spielten. Durch den Sieg verbesserte sich der FC Augsburg auf Rang vier. Dortmund?

Bleibt Letzter. Dass 80 667 Zuschauer kommen, um den Tabellenletzten zu sehen, war am Mittwochabend keine Premiere. Am 5. Dezember hatte Dortmund als Schlusslicht im ausverkauften Stadion die TSG Hoffenheim empfangen, damals aber 1:0 gewonnen.

Dies war der bis dato letzte Sieg des BVB, der sich danach mit gerade mal zwei Unentschieden aus vier Ligaspielen wieder ans Tabellenende hatte schubsen lassen. "Heute Abend gibt es wenig Positives zu berichten", sagte ein ernüchterter Jürgen Klopp, "wir machen aus vielen Chancen nichts und das Gegentor hätten wir fünfmal, sechsmal verteidigen können, bevor der Ball zum Schützen kommt." Nach dem 0:0 in Leverkusen hatte Klopp seine Elf gegen Augsburg auf zwei Positionen verändert, für den verletzten Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek rückte Kevin Großkreutz von vorne links nach hinten rechts.

Vorne ersetzte ihn Pierre-Emerick Aubameyang, der aber rechts begann und Kevin Kampl links. Und weil Ilkay Gündogan wieder fit war, rückte er im defensiven Mittelfeld anstelle von Matthias Ginter in die Startelf. Auch Augsburgs Trainer Markus Weinzierl nahm zwei Änderungen vor: Christoph Janker ersetzte Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Dong Won Ji kam für den verletzten Alexander Esswein in die Startelf und gab dort gleich den Mittelstürmer.

Bobadilla schockt den BVB

Der vormalige Dortmunder Ji, erst in der Winterpause mangels Perspektive vom BVB nach Augsburg gewechselt, hatte auch die erste große Chance des Spiels, als er in der 14. Minute halbwegs frei aufs Tor zulief und den weit herausgerückten Torwart Roman Weidenfeller überlupfte - allerdings auch das Tor.

Die Augsburgern verschafften sich in diesem Duell zweier klassischer 4-2-3-1-Systeme immer wieder Räume, weil die Dortmunder mit großer Leidenschaft nach vorne stürmten. Mit diesem Ansinnen erarbeiteten sich die Gastgeber eine Dominanz, aus der allerdings erst nach 25 Minuten eine Chance hervorging. Ciro Immobile schoss aus halblinker Position scharf vors Tor, wo Aubameyang den Ball zwar über die Linie drückte - dabei allerdings im Abseits stand. So ein Fehlalarm aus 80 000 Kehlen (nur knapp 1000 Fans waren aus Augsburg mitgereist) klingt beeindruckend, die Dortmunder Fans waren aber auch ausgehungert.

Immerhin sahen sie in der ersten Hälfte zwei technisch starke Teams, die sich einen Schlagabtausch lieferten. Vier Minuten dauerte es in der zweiten Halbzeit dann aber nur, ehe die Augsburger die Anhängermassen erbleichen ließen. Halil Altintop nahm sich die Freiheit, mit dem Ball am Fuß durchs komplette Dortmunder Mittelfeld hindurch zu laufen und in den Strafraum einzudringen, wo ihm zwar der Ball von mehreren grätschenden Abwehrspielern (u.a. Hummels, Schmelzer) abspenstig gemacht wurde, von dort aus allerdings auf die rechte Seite zu Raul Bobadilla sprang.

Der Argentinier stand mitten im BVB-Strafraum völlig frei, nahm kurz Maß und drosch den Ball an Weidenfeller vorbei mitten hinein ins Dortmunder Tor. Das Publikum ächzte auf. In der 64. Minute änderten sich die Vorzeichen für Dortmunds Aufholjagd. Augsburgs Janker konnte als letzter Mann den vorbeizischenden Aubameyang nur per Hand aufhalten, was ihm die rote Karte einbrachte. Natürlich wurde das Spiel dann eine klare Angelegenheit, Dortmund drückte, Augsburg erwehrte sich seiner Haut und versuchte, die Führung irgendwie über die Zeit zu bringen.

Die Dortmunder verhaspelten sich aber in Nervosität und kamen kaum noch zu echten Chancen. Es reichte wieder nicht, und diesmal pfiffen die Zuschauer sogar. Am kommenden Samstag spielen die Dortmunder beim Abstiegskonkurrenten in Freiburg.

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SZ vom 05.02.2015/jbe
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