Süddeutsche Zeitung

Bundesliga:Salzburg ist nur das Farm-Team von RB Leipzig

Das erneute Verpassen der Champions League mag bitter sein für Salzburg. Doch die firmeneigene Fußballförderung hat die Prioritäten längst verschoben.

Worte des Spotts sind an dieser Stelle selbstredend völlig unangebracht. Denn: Was sich seit dem neuerlichen K.o. in der Champions-League-Qualifikation vom Mittwochabend an triefender Häme über Red Bull Salzburg ergossen hat, übersteigt, in Hektolitern gerechnet, bereits die Jahresproduktion des gleichnamigen "Energydrinks" um ein Vielfaches.

Andererseits: Neunmal in Serie an der Schwelle zur europäischen Königsklasse zu scheitern, dem einzigen Ort, an dem RB Salzburg in irgendeiner Weise einer Art von Wettbewerb ausgesetzt wäre, das muss man auch erst mal bewerkstelligen. In Österreich dominiert RB die Liga ob seines im Vergleich zu den nationalen Rivalen ungleich höheren Etats nach Belieben, zuletzt war Salzburg drei Mal nacheinander Meister. Dass die Tür zur Champions League nun schon wieder zufiel, diesmal drei Minuten vor Schluss der Partie gegen den kroatischen Traditionsklub Dinamo Zagreb, hat sich RB aber selbst zuzuschreiben. Denn das Scheitern liegt auch ein Stück weit darin begründet, die Prioritäten der firmeneigenen Fußballförderung zu verschieben: nach Deutschland.

Dort wird an diesem Wochenende die Bundesliga in die neue Saison starten, Salzburgs jüngerer Bruder RB Leipzig (Gründung: 2009) wird als 55. Bundesligist der Geschichte erstmals mit dabei sein. Allein der Blick auf das Personaltableau der Leipziger illustriert, wie sehr sich Salzburg selbst der eigenen Energie beraubt hat. In den vorigen beiden Spielzeiten wanderten gleich sieben Profis aus Salzburg nach Leipzig aus; in diesem Sommer betraf dies Benno Schmitz und Naby Keita.

Vor allem der begabte Mittelfeldspieler Keita wird in Salzburg vermisst; wer ihn beim Pokalspiel bei Dynamo Dresden spielen sah, wird verstehen, warum allein für Keitas Transfer angeblich 15 Millionen Euro an Ablöse von RB nach RB bzw. von Leipzig nach Salzburg wanderten. Der Transfer war ein weiterer Beweis dafür, dass man sich in der Bullen-Chefetage zugunsten des deutschen Marktes positioniert hat. Nur der Trainer von RB Salzburg, Óscar García, will es nicht richtig mitbekommen haben. Er wisse nicht, welche "Ambitionen der Verein in Zukunft" habe, sagte der frühere Profi des FC Barcelona nach dem Aus gegen Zagreb.

RB Salzburg - ein Zulieferer für Leipzig?

Was diese Ambitionen sind, der Ehrgeiz des Klubs? In Zukunft könnte Salzburg eher als Zulieferer für RB Leipzig fungieren, um mit dem Logo Rote Bullen Selbstvermarktung zu betreiben. Salzburg als Farm-Team für die Aufzucht von Jungbullen - das mag nicht die attraktivste Bestimmung für ein millionenschwer gefördertes Investmentprodukt sein. Ist aber immer noch besser, als die Champions League noch häufiger zu verfehlen als Werder Bremen die zweite Runde des DFB-Pokals - und somit die Chance zu vergeben, endlich mal durch Königsklassenflair das Alu-Dosen-geprägte Image aufzupolieren.

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SZ vom 26.08.2016/schma
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