Süddeutsche Zeitung

Arjen Robben beim FC Bayern:Völlig knatschfrei

Ein Tor erzielt, einen Elfmeter herausgeholt: Arjen Robben gelingt gegen ZSKA Moskau mal wieder ein bemerkenswerter Auftritt. In dieser Form würden ihm die Fans wohl sogar das Tragen der langen Unterhosen unter der Oktoberfest-Tracht verzeihen.

Von Johannes Aumüller, Moskau

Die Partie war noch nicht angepfiffen, da fiel Arjen Robben schon aus der Reihe. Wie es vor einem Fußballspiel üblich ist, hatten sich alle 22 Akteure und die Schiedsrichter in der Mitte des Platzes in einer langen Kette aufgestellt; nur der Mann links außen wollte nicht recht stehen bleiben, sondern hüpfte lieber ein paar Mal im Seitgalopp hin und her.

Eine solche Kälte wie in Moskau ist nichts, was Arjen Robben mag, niemals fiele es ihm ein, bei minus zehn Grad mit kurzen Ärmeln zu spielen, wie es beispielsweise die Kollegen Boateng und Martínez taten. Stattdessen gilt er traditionell als derjenige, der sich als Erster vom Zeugwart die langen Unterhosen geben lässt, wenn es in den Winter geht.

In Moskau nun war diesbezüglich festzuhalten: Erstens konnte das Tragen der langen Unterhosen angesichts der äußeren Bedingungen jeder Zuschauer nachvollziehen. Zweitens war Robben weiß Gott nicht der einzige Bayern-Spieler mit langen Unterhosen. Und drittens würden ihm die Fans wohl sogar das Tragen der langen Unterhosen unter der Oktoberfest-Tracht verzeihen, solange er so spielt wie bei diesem 3:1-Sieg.

Mit der ersten wirklichen Möglichkeit erzielte er das 1:0, später zirkelte er einen Freistoß nur knapp neben das Tor und holte den Elfmeter zum 3:1 heraus - und hatte damit einen durchaus beträchtlichen Anteil am zehnten Sieg des FC Bayern in der Königsklasse nacheinander, für den ihn die Uefa zum "Spieler des Spiels" kürte. "Wir spielen nicht für die Rekorde, sondern für die Titel, aber das ist super", sagte er, außerdem: Er sei "stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein".

Überhaupt ist die Saison von Arjen Robben bisher bemerkenswert. Noch im Sommer gehörte er zu den Spielern, die befürchten mussten, wegen ihrer Spielweise vielleicht nicht ganz dem grundsätzlichen fußballerischen Geschmack von Guardiola zu entsprechen. Stattdessen befindet er sich jetzt in einer seiner besten Phasen seiner schon seit August 2009 andauernden Zeit beim FC Bayern, auffällig ist er vor allem in bedeutenden Partien wie jüngst beim Sieg im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Dortmund oder bei allen seinen bisherigen Auftritten in der Champions League (vier Spiele, drei Tore, fünf Vorlagen).

Die klassischen Vorwürfe der vergangenen Jahre - der verletzungsanfällige Robben, der egoistische Robben - muss er auch immer seltener vernehmen. Nur einmal in dieser Saison gab es einen kleineren Knatsch zwischen dem Niederländer und dem Trainer: beim Heimspiel gegen Mainz (4:1), als Guardiola von außen die Anweisung gab, dass nicht Robben, sondern Thomas Müller den Elfmeter schießen sollte, und Robben danach merklich angesäuert den Ball weit von sich warf.

Das Thema sei für ihn erledigt, erklärte er danach, und lehnte es ein Spiel später gegen Pilsen ab, den Strafstoß auszuführen. Und wie war das nun in Moskau bei dem Elfmeter, den Robben selbst ja rausgeholt hatte? Da huschte der Niederländer schnell zur Seite, quatschte noch ein bisschen mit Mario Götze und ging dann zur Seitenlinie, um sich mit Guardiola auszutauschen.

So intensiv, dass sie fast den Schuss von Müller verpasst hätten. Und als der dann drin war, gab es keinen Knatsch, sondern gegenseitig ein paar kräftige Schläge auf den Rücken.

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Quelle:
SZ vom 28.11.2013/sonn
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