Süddeutsche Zeitung

Chinesische Fluggesellschaft ausgetrickst:First-Class-Kunde speist monatelang auf Kosten der Airline

Mit seinem Ticket konnte ein Chinese knapp ein Jahr lang in einer VIP-Lounge am Flughafen kostenlos essen und trinken. Ans Verreisen dachte er dabei wohl nicht.

Von Carolin Gasteiger

Mit Mehran Karimi Nasseri hat dieser Fall wenig zu tun, schließlich verbrachte der Iraner 18 Jahre seines Lebens eher unfreiwillig und wegen fehlender Alternativen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Steven Spielberg verfilmte sein außergewöhnliches Leben in "Terminal" mit Tom Hanks. Im Gegensatz dazu hat der Chinese, der nun bekannt wurde, nicht am Flughafen gewohnt. Aber womöglich hat er sich von dem Film inspirieren lassen. Oder auch von "Up in the Air" mit George Clooney, der ebenfalls einen Großteil seines Lebens auf dem Flughafen verbringt.

Wie die malaysisch-chinesische Zeitung Kwong Wah Yit Poh berichtet, hatte der betreffende Chinese bei der China Eastern Airlines jedenfalls ein First-Class-Ticket gekauft. Ob er damit tatsächlich verreisen wollte - und wenn ja, wohin -, ist nicht bekannt. Er kostete das Flugticket auf andere Art aus: Als First-Class-Passagier erhielt er kostenlosen Zugang in die VIP-Lounge der Airline am Xi'an Xianyang International Flughafen in der Provinz Shaanxi.

Essen und Getränke schmeckten ihm offenbar so gut, dass er wiederkam. Jeden Tag. 300 Mal in Folge. Der Trick war der: Kurz vor Abflug buchte er sein Ticket auf den nächsten Tag um. In Deutschland würden dafür bei den meisten Fluggesellschaften bereits Gebühren anfallen, es sei denn, man bucht ein besonders teures flexibles Ticket. Der Chinese musste für das Umbuchen aber nichts zahlen. Am nächsten Tag marschierte er wieder in die First-Class-Lounge, zeigte sein Flugticket vor, aß und trank. Kurz vor Abflug buchte er sein Ticket wieder auf den nächsten Tag um. Dieses Prozedere hielt er fast ein Jahr lang durch.

Und verhielt sich dabei offenbar ganz legal: Als First-Class-Passagier standen ihm Aufenthalt und Konsum in der VIP-Lounge zu. Einzige Voraussetzung: Der Flug muss noch am selben Tag stattfinden.

Irgendwann wurden Mitarbeiter der Airline dem Bericht zufolge aber misstrauisch. Ihnen war aufgefallen, dass der Reisende sein Ticket immer wieder umgebucht hatte und seinen Flug womöglich nie antreten wollte. Auch für diese Situation hatte der Mann die passende Lösung. Als die Fluggesellschaft zu ermitteln begann, gab er sein Flugticket zurück. Rechtzeitig, bevor es verfiel. Und, auch das ist kein Witz, es wurde ihm zum vollen Preis erstattet.

Eine Sprecherin von China Eastern Airlines sagte der Zeitung, dass ihr Unternehmen in diesem "seltenen Fall" nichts habe tun können. Vielleicht denkt ein Regisseur nun schon über das nächste Drehbuch nach.

Update: Einem nicht verifizierten Blogeintrag zufolge basiert die Geschichte auf Gerüchten, die ein User über den chinesischen Online-Netzwerk Weibo verbreitet hatte. Der User postete demzufolge, er habe die Geschichte von jemandem gehört, sei sich über deren Wahrheitsgehalt jedoch nicht sicher.

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