Film "Terminal":Auf zur letzten Party

Playtime für Regisseur Steven Spielberg und Tom Hanks im abgehobenen Kinostück über einen gestrandeten Fluggast.

Von Fritz Göttler

Dies ist ein Meisterwerk der Indezision, ein Film, der zwischen verschiedenen Zeiten und Orten hin- und herschliddert und dabei doch immer auf der Stelle bleibt. Der irgendwann die Suche nach dem Moment, der eines "Verweile doch" wert wäre, aufgibt und die eigene Unschlüssigkeit zum Thema macht.

Film "Terminal": Gestrandet am Flughafen: Tom Hanks in "Terminal".

Gestrandet am Flughafen: Tom Hanks in "Terminal".

(Foto: Foto: ddp)

Viktor Navorski, ein prächtiger Balkaneuropäer par excellence, steht zu Beginn des Films ein wenig verloren im New Yorker Kennedy Airport, frisch importiert aus seinem Heimatland Krakozia, der englischen Sprache nur bedingt mächtig. Er hat eine Dose Planters Peanuts dabei und kommt, das erfahren wir aber erst sehr viel später, nach New York in ganz spezieller Mission, auf den Spuren eines großen Tages in Harlem.

Doch während er unterwegs war hat, hinterrücks gewissermaßen, die Geschichte einen Riesenschritt vorwärts gemacht. Ein Umsturz in Krakozia. Die neue Regierung wird nicht anerkannt, Viktors Papiere sind ungültig. Die Rückreise ist unmöglich, aber auch die Einreise in die USA wird ihm verwehrt. Er sieht sich gezwungen, im Terminal zu verweilen, auf dem weiten Terrain des JFK Airport, zwischen schicken Modeboutiquen und Burgershops: It's playtime!

Der Engel der Geschichte, so die berühmte Formel von Walter Benjamin, hat das Antlitz der Vergangenheit zugekehrt und wird in dieser Haltung von einem Sturm Richtung Zukunft geweht. Von ähnlichen Vorstellungen gepackt dreht auch das längst erwachsene Hollywood-Wunderkind Steven Spielberg seine Filme, und womöglich sind sie ihm in den letzten Jahren deutlicher geworden als je zuvor.

Eine neue Furcht vor dem Draußen

Das Drehbuch zu "The Terminal" wurde lange vor 9/11 geschrieben, und der Film versucht immer wieder eine Ahnung davon zu vermitteln, wie durch dieses Ereignis Amerika sich verwandelt hat - eine neue Furcht vor dem Draußen, die Schikanen durch den Patriot Act, die Abschottungstendenzen. Von der ursprünglichen Geschichte - das Schicksal des Iraners Merhan Karimi Nasseri, der seine Passdokumente verlor und seit 1988 im Pariser Charles de Gaulle Flughafen wohnt - ist am Ende nichts mehr geblieben.

"Terminal" wirkt wie ein Gegenstück zu Spielbergs "Catch Me If You Can", wo Leonardo DiCaprio mit wundersamer Lässigkeit sich durchs Leben schummelt, in jede beliebige Rolle schlüpft und schließlich in schicker Uniform und einem Dutzend munterer Flugbegleiterinnen am Arm sich als Pilot bewährt. Tom Hanks hat in diesem Film den bodenständigen Bullen gespielt, der DiCaprio immer einen Schritt hinterdrein ist - im "Terminal" wird seine Behäbigkeit als Qualität entdeckt.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB