Verlorene Städte

Krieg in der Ukraine. Eine Dokumentation in Bildern.

Die 14. Woche

Mariupol aufgegeben, Sjewjerodonezk fast eingenommen, Lyssytschansk umkämpft. Der Krieg hat sich im Osten des Landes festgebissen, Russland konzentriert sich auf die dortigen Städte.

Von Daniel Hofer und Joshua Beer

2. Juni 2022

Mariupol

Ein russischer Soldat patrouilliert im Hafen von Mariupol. Das Bild entstand während eines vom russischen Verteidigungsministerium inszenierten Rundgangs. Ende Mai haben sich die letzten verbliebenden ukrainischen Kämpfer im Asow-Stahlwerk ergeben.

Seitdem ist die zerstörte Hafenstadt ganz in den Händen der Invasoren. Ruhe ist dadurch nicht eingekehrt. Trotzdem spielen hier Kinder auf einem Autowrack.

Am Gehstock läuft eine Frau an ausgebombten Häusern vorbei. Drei Monate lang hat das russische Militär die Stadt belagert. Und sie dabei in Schutt und Asche gelegt.

Doch die Angreifer konnten nicht verhindern, dass Mariupol zum Symbol für den zähen, ukrainischen Widerstand geworden ist. Leider auch für die Brutalität der russischen Armee.

Sjewjerodonezk

Eine binnengeflüchtete 92-jährige Frau wartet in einem Bunker bei einer Fabrik in Sjewjerodonezk auf Helfer des ukrainischen Roten Kreuzes. Wenige Zeit später ist die Stadt in der Region Luhansk offenbar fast vollständig von Russland erobert.

"70 Prozent" der Stadt stünden unter russischer Kontrolle, teilte der Militärgouverneur am Mittwochmorgen mit. Hier laufen Mitglieder der tschetschenischen Akhmat-Spezialeinheit durch das zertrümmerte Sjewjerodonezk. Vor dem Krieg lebten hier um die 100 000 Menschen.

Lyssytschansk

Die Kämpfe scheinen sich nun in Richtung Lyssytschansk zu verlagern, einer der letzten Städte in Luhansk unter ukrainischer Kontrolle. Strategisch liegt sie wichtig. Wahrscheinlich zieht die ukrainische Verteidigung hier ihre Verbände zusammen.

In der Stadt fließen weder Strom noch Wasser. Die Bewohner müssen daher draußen kochen.

Eine Familie liegt sich in den Armen, vor ihnen steht ein Autodepot in Flammen. Russischer Artilleriebeschuss setzt der Stadt extrem zu.

Ein ukrainischer Soldat reicht einem im Graben liegenden Journalisten die Hand. Der Zivilist hat sich vor dem Beschuss bei einer Brücke versteckt.

Pokrowsk

Viele Menschen aus Lyssytschansk und anderen Orten im Osten fliehen und landen etwa in der Industriestadt Pokrowsk in der Region Donezk. Dort bringen sie Evakuierungszüge gen Westen.

Am Bahnhof von Pokrowsk fährt auch ein Spezialzug für medizinische Notfälle, betrieben von der NGO "Ärzte ohne Grenzen". Er hat geschultes Personal und professionelle Ausrüstung an Bord. Dadurch sollen überforderte Krankenhäuser nahe der Front entlastet werden.

Kiew

Die Hauptstadt versucht derweil, zu einer Art Alltag zurückzufinden. Im St. Michaelskloster heiratet ein Brautpaar in prunkvoller Zeremonie. In der Stadt öffnen wieder Geschäfte, die Ausgangssperre wurde gelockert.

In Kiew und den Vororten beginnen die Menschen, aufzuräumen und den Schutt des Krieges zu beseitigen. In der Hoffnung, dass er nicht wiederkehrt. Viele Wracks werden wohl aber noch lange liegenbleiben.

Langsam kehren auch Geflüchtete in die Hauptstadt zurück - und finden nicht immer das vor, was sie sich erhoffen. Nila Zelinska, im Arm eine Puppe ihrer Enkelin, entdeckt nach ihrer Rückkehr, dass ihr Zuhause zerstört ist.

Charkiw

Drohnenaufnahmen zeigen verwüstete Dörfer in der Region um Charkiw. Von diesem hier sind nur noch die Fundamente übrig.

Inmitten eines Solarparks hat eine russische Rakete einen Krater gerissen.

Dort, wo die russische Armee sich zurückzieht, hinterlässt sie aufgegebenes und zerstörtes Kriegsgerät. So wie hier im Dorf Mala Rohan bei Charkiw.

In einer katholischen Kirche lagern Menschen Wasserflaschen und andere Hilfsmittel. Die einstige Millionenstadt Charkiw hat bisher - trotz heftigem Beschuss - den Invasoren standgehalten.

Die Belagerung hat allerdings zahlreichen Menschen das Leben gekostet. Ukrainische Ermittler haben bereits begonnen, Särge auszuheben, um Beweise für Kriegsverbrechen zu sammeln.

Verlorene Städte

Krieg in der Ukraine. Eine Dokumentation in Bildern.

Die 14. Woche

Mariupol aufgegeben, Sjewjerodonezk fast eingenommen, Lyssytschansk umkämpft. Der Krieg hat sich im Osten des Landes festgebissen, Russland konzentriert sich auf die dortigen Städte.

Von Daniel Hofer und Joshua Beer

Mariupol

Ein russischer Soldat patrouilliert im Hafen von Mariupol. Das Bild entstand während eines vom russischen Verteidigungsministerium inszenierten Rundgangs. Ende Mai haben sich die letzten verbliebenden ukrainischen Kämpfer im Asow-Stahlwerk ergeben.

Seitdem ist die zerstörte Hafenstadt ganz in den Händen der Invasoren. Ruhe ist dadurch nicht eingekehrt. Trotzdem spielen hier Kinder auf einem Autowrack.

Am Gehstock läuft eine Frau an ausgebombten Häusern vorbei. Drei Monate lang hat das russische Militär die Stadt belagert. Und sie dabei in Schutt und Asche gelegt.

Doch die Angreifer konnten nicht verhindern, dass Mariupol zum Symbol für den zähen, ukrainischen Widerstand geworden ist. Leider auch für die Brutalität der russischen Armee.

Sjewjerodonezk

Eine binnengeflüchtete 92-jährige Frau wartet in einem Bunker bei einer Fabrik in Sjewjerodonezk auf Helfer des ukrainischen Roten Kreuzes. Wenige Zeit später ist die Stadt in der Region Luhansk offenbar fast vollständig von Russland erobert.

"70 Prozent" der Stadt stünden unter russischer Kontrolle, teilte der Militärgouverneur am Mittwochmorgen mit. Hier laufen Mitglieder der tschetschenischen Akhmat-Spezialeinheit durch das zertrümmerte Sjewjerodonezk. Vor dem Krieg lebten hier um die 100 000 Menschen.

Lyssytschansk

Die Kämpfe scheinen sich nun in Richtung Lyssytschansk zu verlagern, einer der letzten Städte in Luhansk unter ukrainischer Kontrolle. Strategisch liegt sie wichtig. Wahrscheinlich zieht die ukrainische Verteidigung hier ihre Verbände zusammen.

In der Stadt fließen weder Strom noch Wasser. Die Bewohner müssen daher draußen kochen.

Eine Familie liegt sich in den Armen, vor ihnen steht ein Autodepot in Flammen. Russischer Artilleriebeschuss setzt der Stadt extrem zu.

Ein ukrainischer Soldat reicht einem im Graben liegenden Journalisten die Hand. Der Zivilist hat sich vor dem Beschuss bei einer Brücke versteckt.

Pokrowsk

Viele Menschen aus Lyssytschansk und anderen Orten im Osten fliehen und landen etwa in der Industriestadt Pokrowsk in der Region Donezk. Dort bringen sie Evakuierungszüge gen Westen.

Am Bahnhof von Pokrowsk fährt auch ein Spezialzug für medizinische Notfälle, betrieben von der NGO "Ärzte ohne Grenzen". Er hat geschultes Personal und professionelle Ausrüstung an Bord. Dadurch sollen überforderte Krankenhäuser nahe der Front entlastet werden.

Kiew

Die Hauptstadt versucht derweil, zu einer Art Alltag zurückzufinden. Im St. Michaelskloster heiratet ein Brautpaar in prunkvoller Zeremonie. In der Stadt öffnen wieder Geschäfte, die Ausgangssperre wurde gelockert.

In Kiew und den Vororten beginnen die Menschen, aufzuräumen und den Schutt des Krieges zu beseitigen. In der Hoffnung, dass er nicht wiederkehrt. Viele Wracks werden wohl aber noch lange liegenbleiben.

Langsam kehren auch Geflüchtete in die Hauptstadt zurück - und finden nicht immer das vor, was sie sich erhoffen. Nila Zelinska, im Arm eine Puppe ihrer Enkelin, entdeckt nach ihrer Rückkehr, dass ihr Zuhause zerstört ist.

Charkiw

Drohnenaufnahmen zeigen verwüstete Dörfer in der Region um Charkiw. Von diesem hier sind nur noch die Fundamente übrig.

Inmitten eines Solarparks hat eine russische Rakete einen Krater gerissen.

Dort, wo die russische Armee sich zurückzieht, hinterlässt sie aufgegebenes und zerstörtes Kriegsgerät. So wie hier im Dorf Mala Rohan bei Charkiw.

In einer katholischen Kirche lagern Menschen Wasserflaschen und andere Hilfsmittel. Die einstige Millionenstadt Charkiw hat bisher - trotz heftigem Beschuss - den Invasoren standgehalten.

Die Belagerung hat allerdings zahlreichen Menschen das Leben gekostet. Ukrainische Ermittler haben bereits begonnen, Särge auszuheben, um Beweise für Kriegsverbrechen zu sammeln.

Team
Digitales Storytelling Joshua Beer
Bildredaktion Daniel Hofer