Süddeutsche Zeitung

Venezuela:Maduro, der angezählte Autokrat

Die Opposition will den Präsidenten stürzen, die Chancen dafür sind mit dem von Guaidó angeführten Aufstand gestiegen. Nun gibt es drei Optionen für das Land.

Kommentar von Boris Herrmann

Der Vorsitzende des entmachteten Parlaments von Venezuela, Juan Guaidó, hat sich zum Staatschef erklärt und Donald Trump hat ihn umgehend als legitimen Übergangspräsidenten anerkannt. Für den sich krampfhaft an die Macht klammernden Autokraten Nicolás Maduro sind das schlechte Nachrichten. Das heißt aber nicht automatisch, dass Maduros Tage gezählt sind. Er hält sich seit Jahren gegen alle Wahrscheinlichkeiten im Amt.

Es gibt jetzt drei Möglichkeiten, das venezolanische Volk aus der Geiselhaft Maduros zu befreien. Der vermutlich schnellste Weg wäre eine Invasion, angeführt von den USA, mit Unterstützung von Brasilien. Das wäre der schlechteste Weg. Die instabile Region kann keinen Krieg mit unabsehbaren Folgen gebrauchen. Der zweite Weg wäre eine Verhandlungslösung, die Maduro und seiner kriminellen Entourage einen geordneten Rückzug ermöglicht. Das wäre die beste Variante, aber es ist auch die unwahrscheinlichste.

Bleibt der dritte Weg. Guaidó hat dem Militär, das bislang treu zu Maduro steht, eine Amnestie in Aussicht gestellt - falls es die Seiten wechselt. Das ist die erfolgversprechendste Strategie. Wenn Regimegegner nicht mehr zusammengeknüppelt werden, dürfte das Land eine Protestwelle erleben, die Maduro wohl nicht überstehen würde.

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Quelle:
SZ vom 24.01.2019/jael
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