Süddeutsche Zeitung

US-Wahl:So verzerrt Donald Trump die Fakten

Er werde jetzt die Fakten nennen, kündigt Donald Trump in seiner Rede in Cleveland an - und behauptet dann Dinge, die nicht stimmen. Fünf Beispiele.

Während seiner Rede auf dem Parteitag der Republikaner in Cleveland macht Donald Trump ein Versprechen: Er werde jetzt einmal die Fakten nennen, sagt der Präsidentschaftskandidat, "die einfachen Fakten, die aus Ihren Abendnachrichten und aus Ihren Zeitungen stammen".

Leider bricht Trump dieses Versprechen dann ziemlich schnell. Manchmal lässt er wichtige Dinge weg. Manchmal verdreht er die Fakten bis zum Anschlag. Und manchmal sagt er Sachen, die schlicht nicht stimmen. Man kann auch sagen: Er lügt...

Beispiel 1 - Gewalt gegen Polizisten

Trump sagt: "Die Zahl der im Dienst getöteten Polizisten ist im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr um 50 Prozent gestiegen."

Das stimmt so nicht. Laut der Officer Down Memorial Page, die entsprechende Fälle auflistet, sind 2016 bisher 68 Polizisten im Dienst gestorben. Im Vorjahr waren es insgesamt 130. Die Todesfälle haben verschiedene Ursachen, häufig sind es zum Beispiel Verkehrsunfälle. Was hingegen stimmt, ist, dass die Zahl erschossener Polizisten in diesem Jahr höher liegt. Bisher starben in diesem Jahr 31 Polizisten durch Kugeln, im gesamten Jahr 2015 waren es 39 Polizisten. In jedem Fall ist es unseriös, bei so relativ kleinen Zahlen eine Steigerung in Prozent auszudrücken, da diese dann natürlich sehr hoch ausfällt.

Beispiel 2 - Gewalt in Großstädten

"In den 50 größten Städten der USA ist die Zahl der Morde letztes Jahr um 17 Prozent gestiegen. Das ist der größte Anstieg in den vergangenen 25 Jahren."

Ein gutes Beispiel dafür, wie Trump Wichtiges verschweigt. Es stimmt, dass die Zahl der Homizide in diesen Städten 2015 höher lag als 2014. In zumindest einigen dieser Städte ist sie zwischen 2015 und 2016 aber zurückgegangen. Der Major Cities Chief Association zufolge ist die Zahl der Morde im ersten Quartal 2016 in 31 größeren Städten gestiegen, in 32 ist sie gesunken.

Beispiel 3 - Einwanderer

"Etwa 180 000 polizeibekannte Einwanderer (Original: "Immigrants with criminal records"), für die ein Abschiebungsbefehl vorliegt, streunern an diesem Abend herum, um friedliche Bürger zu bedrohen."

Das ist gelogen. Die Zahl, die Trump nennt, ist zwar nicht völlig falsch. Nach einer Statistik der Polizei- und Zollbehörde des US-Innenministeriums (ICE) leben in den USA eine Million Migranten, von denen etwa 182 000 als kriminell gelten und 6000 festgenommen wurden. Viele von ihnen aber sind schon deshalb kriminell", weil sie das Einwanderungsrecht verletzt haben, etwa wegen illegalen Grenzübertritts. Trumps Worte, die Immigranten "streunerten" herum und "bedrohten" US-Bürger, ganz so, als handle es sich überwiegend um Gewalttäter, sind daher nicht haltbar.

Beispiel 4 - Flüchtlinge aus Syrien

"Meine Gegnerin will den Zuzug syrischer Flüchtlinge um 550 Prozent erhöhen. (...) Sie schlägt das vor, obwohl es keine Möglichkeit gibt, diese Flüchtlinge zu überprüfen, herauszufinden wer sie sind und wo sie herkommen."

Hillary Clinton hat vergangenen September in einer US-Fernsehsendung gesagt, sie wolle nicht wie bis dahin geplant 10 000 Menschen aus Syrien aufnehmen, sondern 65 000. Man kann nun die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, Zahlen in dieser Größenordnung mit einem 550-Prozent-Vergleich auszudrücken. Denn im Vergleich mit den Aufnahmezahlen anderen Staaten, die weit kleiner und weniger finanzkräftig sind als die USA, sind Clintons Pläne sehr bescheiden.

In jedem Fall falsch ist Trumps Behauptung, man könne die Flüchtlinge nicht überprüfen. In den USA sind daran gleich mehrere Behörden beteiligt. Den Menschen werden Fingerabdrücke genommen, ihre Biografien werden gecheckt, sie müssen durch aufwendige biographische Interviews und medizinische Untersuchungen. Flüchtlinge, die angeben, aus Syrien zu stammen, durchlaufen zusätzliche Verfahren, genannt wird dies der Syrian Enhanced Review Process. Die Lebensgeschichte und mögliche Vorstrafen werden noch einmal eingehender untersucht, was mehrere Jahre dauern kann.

Beispiel 5 - Arbeitslosigkeit

"58 Prozent der afroamerikanischen Jugendlichen sind arbeitslos."

Auch diese Zahl ist schlicht falsch. Es gibt eine Studie des Economic Policy Institute, nach der 51 Prozent afroamerikanischer Highschool-Absolventen im Alter von 17 bis 20 Jahren keinen Job haben (was in diesem Alter ja nicht ungewöhnlich ist) oder aber weniger Stunden arbeiten, als sie gern würden. Bei Latinos liegt demnach die Zahl bei 36, 1 Prozent. Das ist aber nicht die offizielle Arbeitslosenquote. Das Bureau of Labor Statistics, die US-Behörde, bei der Arbeitsmarktdaten zusammenlaufen, beziffert diese für 16 bis 24-jähriger Afroamerikaner auf 14,9 Prozent und für gleichaltrige Latinos auf 11,6 Prozent.

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