Süddeutsche Zeitung

Thilo Sarrazin:SPD prüft erneutes Ausschlussverfahren gegen Sarrazin

  • SPD-Vize Ralf Stegner will den Ausschluss von Thilo Sarrazin aus der Partei abermals prüfen. Anlass ist ein neues Buch Sarrazins.
  • Sarrazin sieht dem möglichen Verfahren gelassen entgegen. "Ein erneuter Versuch zum Parteiausschluss würde wieder scheitern", sagt er.

Ein neues Buch von Thilo Sarrazin verärgert die SPD-Spitze. Sie möchte überprüfen, ob der Autor wegen des neuen Werks doch aus der Partei ausgeschlossen werden kann. "Die SPD wird sehr genau prüfen, ob er seine Auflagen aus dem Parteiordnungsverfahren von 2011 erfüllt", sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.).

Stegner wirft Sarrazin vor, seine Parteizugehörigkeit zu seinem finanzielle Vorteil zu nutzen. "Das einzige Interesse Thilo Sarrazins ist Thilo Sarrazin und sein kommerzieller Erfolg", sagte der SPD-Vize. "Mit Provokation und dem Feigenblatt der SPD-Mitgliedschaft versucht er, seine Bücher zu verkaufen und sich gleichzeitig vom Rassismusvorwurf reinzuwaschen."

Auf Twitter betonte Stegner, es sei "sehr schwer, sich von Mitgliedern zu trennen, wenn diese nicht gegen Gesetze verstoßen oder für andere Parteien kandidieren. Wenn Sarrazin noch einen Funken Anstand hätte, würde er von sich aus die SPD verlassen." Er passe, so der SPD-Vize gegenüber der F.A.S., ohnehin besser zu den Rechtspopulisten.

Ende August erscheint das neue Buch von Thilo Sarrazin. Laut Untertitel will es erläutern, dass "der Islam den Fortschritt behindert" und "die Gesellschaft bedroht". Die Deutsche Verlagsanstalt, in der frühere Bücher Sarrazins erschienen sind, weigert sich, das Manuskript zu drucken. Das Buch erscheint nun in einem kleineren Verlag.

Sarrazin reagierte auf Anfrage der Zeitung gelassen auf den SPD-Vorstoß. "Ein erneuter Versuch zum Parteiausschluss würde wieder scheitern", sagte er.

Bisher haben Sozialdemokraten zwei Mal erfolglos versucht, Sarrazin aus der Partei auszuschließen, zuletzt 2011 nach der Veröffentlichung seines Buchs "Deutschland schafft sich ab".

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